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14th of November 2018

Kultur



Neu im Kino: „Aufbruch zum Mond“ – die Jahrhundergeschichte der Apollo-Mission

Die Hülle der Rakete bebt, gefangen in den Sicherheitsgurten zittert der Körper des Astronauten, sein Gesicht verzerrt sich unter der Einwirkung der Beschleunigungskräfte, das Metall kreischt unter dem Außendruck, der kleine blaue Fleck, der sich eben noch durch das Bullauge abzeichnete, verdunkelt sich. Panisch springt das Bild zwischen den Messinstrumenten, dem von der Belastung verzerrten Gesicht und dem winzigen Außenfenster hin und her. Für wenige Sekunden ist nicht klar, ob Metall und Körper, der Belastung standhalten können.

Dann ist es alles still, schwerelos. Ein Stift löst sich, wie ein erstes Lebenszeichen vom Notizblock des Astronauten. Für eine Sekunde schwebt er im Raum und rotiert langsam, bis die Hand von Neil Armstrong (Ryan Gosling) ihn einfängt. Im Orbit der Erde, in der Schwerelosigkeit, in der lebensfeindlichen Umgebung des Alls erwacht der Astronaut zum Leben. Für die Schönheit der Außenwelt, die die Kamera nun erstmals zeigt, hat er kein Auge. Ihn interessiert vor allem die Technik seines Raumschiffs.

Grenzerfahrung für Körper und Material

Was für den Astronauten, der als erster Mensch den Mond betrat eine Überlebensnotwendigkeit ist, ist für Regisseur Damien Chazelle der Fokus seiner Erzählung. Es ist die Technik der Raumfahrt, ihre gewaltiges, lebensbedrohliches Potenzial, das „Aufbruch zum Mond“ mit einer in der Kinogeschichte fast singulären Energie auf die Leinwand bringt. Jeder Testflug und schließlich die Mondlandung selbst ist eine, vom genialen Sounddesign getragene, Grenzerfahrung für Körper und Material.

Als die Astronauten und Nasa-Wissenschaftler für das Projekt Gemini zusammenkommen, ist es Deke Slayton, der erste Leiter des Astronaut Office der Nasa, der die Größenordnung dieser Grenzerfahrung in Perspektive rückt. Er zieht einen kurzen Kreidestrich von der an die Tafel gemalte Erde bis zum daneben liegenden Sputnik-Satelliten. Der zweite Kreidestrich, der die Reise zum Mond darstellt, geht über den Rand der Tafel hinaus und kommt erst auf der Mitte einer dazugestellten Tafel an seinem Ziel an.

Ein langer Leidensweg

Den Weg, den Neil Armstrong zu diesem Ziel gehen muss, erzählt der Film als langen Leidensweg. Wenige Tage nach dem Tod seiner Tochter, tritt Armstrong dem Projekt der Mondlandung bei. Als Ersatzpilot muss er die Strapazen des Bootcamp, das die körperlichen Extreme der Zentrifugalbelastung mit Vorlesungen über Raketenphysik paart, ebenso überstehen wie die gefährlichen Testflüge. Noch vor der Apollo-1-Katastrophe werden viele seiner Kollegen bei diesen ihr Leben verlieren. Ihre Beerdigungen werden für Neil zur tragischen Routine, die nur von den eigenen Testflügen unterbrochen wird.

Seine Frau Janet (Claire Foy), verfolgt diese daheim an einem winzigen Radioempfänger, der das einzige Fenster in die Welt ist, an die sie ihren Ehemann zu Beginn des Projekt verloren hat. Es ist eines der wenigen, schlagenden Bilder, die Chazelle für das scheiternde Familienleben findet. Allzu oft reduziert der Film die Rolle der Familie, auf ein paar wenige, pflichtbewusste Abschieds- oder Verzweiflungsgesten.

Der wirkliche Neil Armstrong war immer das Gegenbild eines Helden: kein Draufgänger oder charismatischer Redner, sondern ein verschlossener, analytischer Mensch. Auch Ryan Gosling verbirgt die emotionalen Tiefen, im enigmatischen Ausdruck seines Gesichts, das nur der physische Stress der Raumfahrt zu brechen vermag. Wenn er mit den Kindern spielt, seine Frau ein ums andere Mal allein zurück lässt oder die tragische Routine der zahllosen Beerdigungen mitmacht, verwehrt sein Gesicht stets den Ausdruck des Schmerzes und der Angst, die nur dann aus ihm herausbricht, wenn sich die Türen hinter ihm schließen.

Sein Blick ist immer auf den Mond gerichtet

Sein Abschied von den Kindern ist das Spiegelbild der Pressekonferenz, die er vor dem Apollo-11-Flug gibt. Er erklärt die technischen Details, verweist auf Zahlen, redet über Physik. Gosling gelingt der Versuch, das Gegenbild eines amerikanischen Helden zu schaffen, im Film scheitert er jedoch am Gestus der historischen Signifikanz, den Chazelle auch in den intimen Momenten immer wieder penetrant durchsetzt. Mit jeder Note des Soundtracks dringt die Bedeutsamkeit der kommenden Ereignisse laut in der Vordergrund. Jede pathetische Geste, die Gosling verweigert, schiebt Chazelles Inszenierung hinterher. Der Blick des Regisseurs ist immer gen Himmel gerichtet.

Damien Chazelle erzählt von menschlicher Errungenschaft, ohne den Menschen, die sie möglich machen, wirkliche nahe zu kommen. Sein Blick ist immer auf den Mond gerichtet, auf die Distanz, auf seine Krater, auf den feinen Staub, der ihn bedeckt. Doch die entscheidende Chance, die „Aufbruch zum Mond“ nie zulässt, ist die Möglichkeit erstmals auf die Erde selbst und damit auf die Menschheit zu blicken.

Aufbruch zum Mond USA 2018. Regie: Damien Chazelle. Darsteller: Ryan Gosling, Claire Foy u.a., 142 minuten, Farbe. FSK: ab 12 Jahre  

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