Add to favourites
News Local and Global in your language
20th of October 2018

Kultur



Ausblick auf die Frankfurter Buchmesse: Herbstlicht golden, Stimmung trübe

Der Hanser Berlin Verlag zieht um und bekommt Zuwachs mit dem neuen Programm Hanser blau. Er sitzt nicht mehr an der verrückten Kreuzung am Checkpoint Charlie, sondern in der öden Lehrter Straße. Und miesepetrig, wie  die Stimmung in der Buchbranche  gerade ist, könnte man bemeckern, dass der Verlag den Wein zur Umzugsparty am Freitagabend nicht selbst bezahlt hat, sondern sich vom Autor Robert Seethaler schenken ließ. Er hatte nämlich 111 Flaschen Riesling zu den 11.111 Euro dazubekommen, mit denen der Rheingau-Literatur-Preis dotiert ist.

Dass Seethaler mit der Auszeichnung für seinen unter Toten spielenden Roman („Das Feld“) die Verlagsparty tränkt, liegt sicher schlicht daran, dass er nicht zum Alkoholiker werden möchte.Als Kiepenheuer & Witsch, eigentlich in Köln ansässig, am Abend zuvor in Berlin eine Neuerscheinung feierte,  gab es auch Wein, doch die Hauptfigur, mehrmals glücklich  der Trunksucht entronnen, trank  Eierlikör. „Udo“ heißt das Buch, für das Udo Lindenberg dem Journalisten Thomas Hüetlin sein Leben erzählte. Es handelt von großen Songs und  Freundschaften, vom Friedensmotto „Gitarren statt Knarren“, vom Rockerleben und eben vom Alkohol. Udo Lindenberg sang in der Bar Freundschaft mit dem Biografen und mit seinem Verleger Helge Malchow.

Rumor bei Holtzbrinck

Kiepenheuer & Witsch gehört zum Holtzbrinck-Konzern. Dass Malchow 2019 ausscheiden und seinen Posten bekanntlich an seine Stellvertreterin Kerstin Gleba abgeben wird, leuchtet jetzt beispielhaft. Denn noch immer rumort es beim Holtzbrinck-Verlag Rowohlt um die Absetzung von Barbara Laugwitz und die Ankündigung von Florian Illies als Verlagsleiter. Wie sich Rowohlt ab Mittwoch auf der Buchmesse in Frankfurt am Main in Halle 3 präsentieren wird, ist eigentlich klar: mit jeder Menge vorzeigbarer Bücher.

Am heutigen Montag erscheint auf Deutsch Bob Woodwards Auseinandersetzung  mit dem US-amerikanischen Präsidenten „Furcht. Trump im Weißen Haus“. Am Abend kann Inger-Maria Mahlke auf den Deutschen Buchpreis für „Archipel“ hoffen. Auch erzählt Natascha Wodin die Geschichte ihrer Eltern weiter: „Irgendwo in diesem Dunkel“, gibt es „Stimmen“ aus dem Nachlass von Wolfgang Herrndorf. Und dann ist noch eine Überraschung angekündigt. Ausgerechnet zu der Zeit, da der Suhrkamp-Verlag seinen Kritikerempfang abhält, lädt Rowohlt in ein schickes Hotel, um ein „Buch ohne Namen“ zu begrüßen.

99 Flaschen edlen Weins

Auf der Buchmesse in Frankfurt am Main gab es eigentlich immer zwei große Partys, eine ausgerichtet von Rowohlt, eine von S. Fischer. Beide sparen sich in diesem Jahr das Geld. Vielleicht sollten mehr Autoren mit Naturalien geehrt werden? Es gibt immerhin noch den Julius-Campe-Preis, mit 99 Flaschen edlen Weins dotiert. Den bekommt am Buchmesse-Freitag der Filmemacher Christian Petzold, er hat jüngst den Anna-Seghers-Roman  „Transit“ lebendig gemacht.

Die Frankfurter Buchmesse, die am Dienstagabend feierlich eröffnet wird, rühmt sich zwar immer noch ihrer Bedeutung. Mit über 7.000 Ausstellern aus 105 Ländern, an die 300.000 Besuchern und 10.000 akkreditierten Journalisten und Bloggern ist sie die größte Fachmesse der Branche. Diesmal will sie sich stärker denn je an das Publikum wenden, das Bookfest bringt Lesungen und Gespräche in die Stadt. Nachdem sich seit der deutschen Vereinigung Leipzig im Frühjahr als der Messeplatz mit Autorenbegegnungen gegen die vielfach größere Verkaufsmesse in Frankfurt profiliert hat, denkt man nun auch hier um. 

Ein Pfeifen im Wald

Das Wachstum an Ausstellerzahlen kommt aus dem Ausland. Und auch im Agentenzentrum, wo Lizenzen verhandelt und Optionen auf Bücher besprochen werden, haben sich mit rund 800 Literaturagenten aus 33 Ländern sechs Prozent mehr als im Vorjahr angemeldet. Doch wenn der Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Alexander Skipis sagt, man erwarte die Buchmesse „voller Tatendrang“, klingt es leider wie das Pfeifen im Walde.

In den ersten acht Monaten des Jahres ist der Umsatz im deutschen Buchhandel um ein Prozent gefallen. Das klingt nicht viel, doch die durch Preissteigerungen etwa gleich gebliebenen Umsatzzahlen hatten lange den Blick für das eigentliche Problem getrübt. Anfang dieses Jahres veröffentlichte dann der Börsenverein die schockierende Nachricht, dass  zwischen 2013 und 2017 18 Prozent der Kunden im Publikumsmarkt verloren gegangen sind. Konkret sieht es so aus, dass 8,9 Millionen Kunden, die 2014 und 2015 noch mindestens ein Buch gekauft hatten, 2016 für keines mehr Geld ausgaben.

Wenn man wenig  sagen kann, bietet das Wetter einen Ausweg. Es wird schön in Frankfurt am Main in diesen Herbsttagen. Vielleicht färbt wenigstens das die Stimmung positiv.

Das könnte Sie auch interessieren

5F9A58008431DC72 Unruhe im Rowohlt-Verlag: Autoren protestieren gegen Abberufung von Barbara Laugwitz 23-14_71-137644939_RGB_ori Führungswechsel im Rowohlt-Verlag: Die Unruhen um Barbara Laugwitz Neuer Inhalt Kommentar zur Leipziger Buchmesse: Die unbeschwerte Offenheit ist dahin Read More




Leave A Comment

More News

Empfehlungen der Redaktion

Kultur - Berliner Zeitung

Kunst, Film, Literatur,

suedkurier.de - Kultur

SPIEGEL ONLINE - Kultur

Kultur | RP ONLINE

Disclaimer and Notice:WorldProNews.com is not the owner of these news or any information published on this site.