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19th of October 2018

Wirtschaft



Merkel-Erben laufen sich auf der Buchmesse warm

Annegret Kramp-Karrenbauer, Generalsekretärin der CDU, am 07.10.2018 auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Kiel. (Foto: dpa)

Annegret Kramp-Karrenbauer, Generalsekretärin der CDU, am 07.10.2018 auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Kiel. (Foto: dpa)

Andreas Rinke von Reuters hat beobachtet, wie die potentiellen Nachfolger von Angela Merkel auf der Frankfurter Buchmesse auftreten:

„Ich kann, ich will und ich werde“: Der Titel eines neuen Buches über Annegret Kramp-Karrenbauer wirkt eindeutig und ist geschickt gewählt. Denn die CDU-Generalsekretärin gilt als eine der möglichen Nachfolgerinnen von Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Und der Titel scheint ihre politischen Ambitionen zu unterstreichen – obwohl der Satz ihrer Bewerbungsrede zur Generalsekretärin im Februar 2018 entlehnt ist. Aber das Buch der Journalistinnen Kristina Dunz und Eva Quadbeck zeigt, dass Bücher die politischen Debatten verstärken: Es sind gleich drei Biografien über potenzielle Merkel-Nachfolger erschienen.

Dass dabei zwei über Kramp-Karrenbauer und eines über Gesundheitsminister Jens Spahn geschrieben wurden, ist ein Gradmesser, wem zumindest Journalisten und Verlage die größten Chancen einräumen. Zur Erinnerung: Als es zwischen 2013 und 2015 schon einmal eine Debatte über die Nach-Merkel-Zeit gab, erschienen Biografien über die damaligen Favoriten Ursula von der Leyen und Thomas de Maizière. Bezeichnenderweise lautete ein Titel damals „Kanzlerin der Reserve“.

Seit Jahrzehnten gehört es zum guten Ton deutscher Politiker, auch mit Büchern Politik zu machen. Bücher strahlen Seriosität und Nachdenklichkeit aus. Kanzler wie Helmut Kohl nutzten das Medium, um sich nach der Karriere ein eigenes gewünschtes Vermächtnis aufzuschreiben. Biografien lenken aber auch die Aufmerksamkeit auf aufstrebende Politiker und unterstreichen Ansprüche: Angela Merkel ließ sich zum Wahlkampf 2005 für das Buch „Mein Weg“ ausführlich interviewen. Das Buch strotzt vor inhaltlichen Positionierungen einer CDU-Politikerin, die damals massiv unterschätzt wurde.

Als die heutige SPD-Chefin Andrea Nahles 2009 ein Buch mit dem Untertitel „Was mir wichtig ist“ vorlegte, war dies der letzte Beleg für den angestrebten Karriere-Sprung. Bücher etwa über Kanzlerkandidaten wie Frank-Walter Steinmeier oder Martin Schulz befriedigen aber auch schlicht das gestiegene öffentliche Interesse daran, mehr über Menschen zu erfahren, die sich anschicken, höchste politische Ämter zu besetzen.

Ganz ähnlich ist es nun bei der ehemaligen saarländischen Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer: Denn die beiden Journalistinnen der „Rheinischen Post“ Dunz und Quadbeck liefern nicht nur einen auf sehr vielen Gesprächen mit politischen Weggefährten und Familienangehörigen basierenden biografischen Abriss der Karriere der 56-Jährigen. In zehn abgedruckten Interviews stand Kramp-Karrenbauer ihnen auch Rede und Antwort – über ihre Vorstellungen zum Glauben, die nötige Neuaufstellung der CDU, Deutschlands Rolle in der Welt oder mögliche Konkurrenten, Weggefährten und natürlich auch über Merkel.

Einen anderen Ansatz wählte der „Bunte“-Redakteur Manfred Otzelberger in seiner Kramp-Karrenbauer-Biografie („Die Macht ist weiblich“). Neben dem biografischen Abriss lässt er andere über die CDU-Spitzenpolitikerin zu Wort kommen – etwa den Saarländer Peter Hartz oder die Oberbürgermeisterin von Saarbrücken, Charlotte Britz.

Dass Kramp-Karrenbauer sich entschieden hatte, Dunz und Quadbeck stundenlang für Interviews zur Verfügung zu stehen, zeigt dabei, dass Politiker auch bei Büchern eben nicht nur Objekt der Berichterstattung sind. Sie entscheiden selbst, ob und in welchem Umfang sie kooperieren wollen – obwohl Kramp-Karrenbauer nach Angaben von Dunz dem Buch-Projekt der Journalistinnen anfangs reserviert gegenüberstand.

Ganz ähnlich war es bei der Biografie über Spahn von Michael Bröcker. „Er wollte das Buch eigentlich nicht“, sagt auch der Chefredakteur der „Rheinischen Post“ zur Entstehungsgeschichte. Denn das CDU-Präsidiumsmitglied steht zwar durchaus zu seinen Ambitionen, die bis ins Kanzleramt reichen. „Wenn ich mir den Kanzler nicht zutrauen würde, müsste ich das ja alles nicht machen“, zitiert Bröcker eine Aussage von 2013. Aber Spahn hat kein Interesse daran, zu früh als Merkel-Nachfolger oder gar ernsthafter Gegner der CDU-Chefin gehandelt zu werden. Weil nach den ungeschriebenen Gesetzen des publizistischen Marktes und des politischen Berlins aber ohnehin ein Buch über den 38-Jährigen erschienen wäre, willigte Spahn dann doch ein – und stand Bröcker nicht nur für drei lange Interviews zur Verfügung, sondern erleichterte wie Kramp-Karrenbauer für Dunz/Quadbeck auch die sensiblen Recherchen im persönlichen Umfeld.

Den Stempel „autorisierte Biografie“ hat aber keines der drei Bücher – was wohl beiden Seiten entgegenkommt: Die Autoren waren freier in der Darstellung. Und die beiden Politiker wollten den ohnehin entstehenden Eindruck nicht noch verstärken, dass sich hier zwei mögliche Kanzlerkandidaten offiziell warmlaufen. Mit der Antwort „Schöner Versuch“ umgeht etwa Kramp-Karrenbauer im Buch von Dunz/Quadbeck die Frage, ob sie selbst Kanzlerkandidatin der Union werden wolle. Alles bleibt offen.

Dass gerade Spahn die Bedeutung und Macht von Büchern in der politischen Auseinandersetzung durchaus kennt, zeigte übrigens schon der von ihm im November 2015 zur Flüchtlingskrise herausgegebene Band „Ins Offene“, in dem der damalige Staatssekretär im Finanzministerium seine Kritik an der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin deutlich unterfütterte – und sogar mit dem Vorwurf „eine Art Staatsversagen“ garnierte.

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