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20th of October 2018

Auto



Fahrbericht BMW 6er GT: Der lässige Onkel für die Autobahn - WELT

Erst einmal zu den Sitzen. Sie sind sehr bequem. Sie sind auch sehr ledern. Sie riechen gut, nach Leder eben. Man kann sehr viel daran verstellen, sogar einige Teile unabhängig voneinander.

Man berührt oder schiebt einen Hebel, und das Sitzteil gleitet lautlos nach vorne oder hinten oder in den perfekten Winkel. Ich weiß das deswegen so genau, weil ich sehr viel Zeit dazu hatte. Der BMW 6er GT und ich standen viel. Also er stand, ich saß und schob Hebel.

Das lag nicht an ihm, sondern an Berlin. Etwas ist passiert zuletzt in dieser Stadt, das sie schwer befahrbar macht. Man könnte auch sagen, sie ist auf dem besten Weg zum europäischen Standard: viel Stau, viel Baustelle, wenig Parkplätze, mehr Einbahnstraßen.

Das Cockpit des BMW 6er GT erinnert stark an das des BMW 5ers. Der Wagen ersetzt übrigens den 5er GT Das Cockpit des BMW 6er GT erinnert stark an das des BMW 5ers. Der Wagen ersetzt übrigens den 5er GT

Quelle: Jakob Hoff

Und je größer das Auto, desto schlimmer wird es. Der BMW 6er GT ist sehr groß, sehr breit, sehr lang. Die ersten vielen Stunden mit ihm verbringe ich eingekeilt zwischen anderen Verkehrsteilnehmern.

Es ist nicht so, dass es eine Überraschung war, dass dieses eher ein Auto für außerhalb der Stadt ist. Nicht nur, weil es Gran Turismo heißt, so heißt inzwischen vieles. Aber seine Dimensionen sind eben auf den ersten Blick klar. Sie gelten immerhin auch für innen.

Platz ist überall, sogar für große Menschen auf der Rückbank. Und für sehr große Gegenstände, vor allem, wenn man die Menschen entfernt und die Bänke umklappt. Fahrräder, zerlegte Kleiderschränke: kein Problem (Gepäckraumplatz: 1800 Liter).

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Diese Dimensionen sind anderen offenbar noch viel klarer. Am Anfang, während der ersten Staustunden, denke ich, es ist Zufall, aber es passiert dann drei, vier, fünf Mal. Unter den Linden, am Alexanderplatz, in Charlottenburg und in Neukölln, an praktisch jeder zweiten Ampel. Mitteljunge Männer schauen herüber, mustern den Wagen mit interessiertem Gesichtsausdruck, wie sie ihn sonst in Baumärkten tragen.

Ich verstehe das erst später, als meine kleinen Nachbarn und ihr Onkel – der Einzige, der in unserer Straße noch am Samstag sein Auto poliert – versuchen, mir diese Instant-Faszination zu erklären. Zusammenfassung: Er ist neu, er ist groß, er hat bis zu 340 PS, er ist teuer (Grundpreis: 60.600 Euro), und man sieht es.

Sie erklären mir auch die Vorteile gegenüber dem Vorgängermodell (5er GT, schwerfälliger in Gewicht und Design). Und er sei schnell, sagt der kleinste Nachbar. Das wird der 6er GT tatsächlich wenig später auf der Autobahn beweisen. Trotz der Masse schafft er es, in wenigen Sekunden ohne viel Aufhebens auf 100 km/h zu beschleunigen und von dort auf über 200.

Der BMW 6er GT verbindet den Reisekomfort einer Oberklasselimousine mit der Ästhetik eines Coupés Der BMW 6er GT verbindet den Reisekomfort einer Oberklasselimousine mit der Ästhetik eines Coupés

Quelle: Jakob Hoff

Aber der 6er GT ist trotzdem eher der reiche Onkel als der flotte Neffe. Man kommt auf solche Ideen, selbst wenn man die Vermenschlichung von Fahrzeugen ablehnt. Das hat damit zu tun, dass dieses Auto bereits ziemlich selbstständig ist. Oder in Worten des Herstellers: Er verfügt über jede Menge intelligente Fahrassistenzsysteme. Plural.

Vieles davon hat mit Sicherheit zu tun. Vor Menschen und Fahrzeugen soll er warnen, eine „City-Notbremse“ gibt es. Die Geschwindigkeit, das Halten der Spur, die Vermeidung von Kollisionen, das alles und noch sehr viel wird im Zweifel nicht nur passiv überwacht.

Immerhin ist der BMW 6er GT dabei nicht ungeduldig, denn so schnell schreiten die Systeme beim Manövrieren durch die Stadt nicht ein. Mein Fehler, sagt allerdings der zweitkleinste Nachbar: „Du fährst zu defensiv.“ Davon, dass der 6er GT auch alleine, also ferngesteuert über das Display des smarten Autoschlüssels, einparken kann, und dass ich das lieber nicht versucht habe, erzähle ich ihm dann nicht mehr.

Die Entrückung hat einen Namen: Luftfahrwerk

Die paternalistische Grundtendenz des Wagens fängt auch durchaus schon an, bevor diese Assistenzsysteme überhaupt zum Einsatz kommen. Einsteigen, Zurechtsetzen, Anschnallen: Und der Gurt zieht noch mal an. Er justiert absolut jedes Mal nach, und absolut jedes Mal sorgt das für irritierte Beifahrerblicke. Aber damit ist es auch vorbei mit Irritationen.

Ich fahre ihn, er fährt mich, so klar ist das nicht, alles passiert reibungslos und störungsfrei und harmonisch. Er mahnt zurückhaltend auf der Windschutzscheibe, wenn die Höchstgeschwindigkeit überschritten wird, er malt dort freundlich den Weg auf und kündigt an, dass abgebogen werden muss, wenn das Navigationsgerät eingeschaltet ist. Seine adaptiven LED-Scheinwerfer passen die Lichtverteilung automatisch an die aktuelle Geschwindigkeit an, auch bei Tageslicht. Dann also rauf auf die Autobahn.

Der Schlüssel des BMW 6er GT ist ein kleiner Computer. Er zeigt diverse Statusdaten des Fahrzeugs an, und auf Knopfdruck kann man den Wagen von außen starten und parken Der Schlüssel des BMW 6er GT ist ein kleiner Computer. Er zeigt diverse Statusdaten des Fahrzeugs an, und auf Knopfdruck kann man den Wagen von außen starten und parken

Quelle: Jakob Hoff

Der BMW 6er GT fährt mühelos schneller. Und schneller. Man merkt es kaum, die Schaltvorgänge der Achtgangautomatik schon gar nicht. Aber dieses Auto rast natürlich nicht, es gleitet. Die Straße scheint weit weg. Alles scheint ein bisschen weit weg. Die Entrückung hat einen Namen: Luftfahrwerk. Und das Zusammenspiel der Systeme, natürlich.

Es wird sehr schnell bequem und unaufwendig für den Fahrer. Schon kurz nach dem Flughafenkreuz. Aber da passiert dann tatsächlich etwas: Etwas greift ins Lenkrad. Ungefähr so sanft wie einst mein Fahrlehrer, und der war in einem früheren Leben bei der NVA. Ich war minimal nicht mittig auf der Spur gefahren.

Es könnte vermutlich ewig so weitergehen, und es ist klar, er ist für die Autobahn gemacht. Aber kann er auch Brandenburg? Wir biegen auf die Landstraße ab. Abbiegen ist übrigens auch etwas, das er sehr gut beherrscht, überhaupt: Kurven, trotz seiner Massigkeit.

Kurzzeitig vergisst man sogar seine schiere Größe

Endlose Alleen. Kleine Dörfer. Baumreihen, Felder, Himmel; Kopfsteinpflaster, Kirche, Dorfplatz: Es ist wie in einem freundlichen Heimatfilm, alles zieht sanft vorüber, gedämpft, gepuffert. Es ist sehr still, falls man nicht gerade etwas anderes eingestellt hat. Oder sich mit dem Navigationsgerät unterhält. Die Sprachsteuerung funktioniert sehr gut, auf Gesten reagiert er nicht zwingend immer, wenn er sollte. Gefangen im Heimatfilm vergisst man manchmal sogar seine schiere Größe.

Man wird daran erinnert. Garantiert. Gerade wenn die Heimkehr in die Stadt in einem Parkhaus endet. Hier gibt es dann doch noch das letzte Abenteuer, vor dem das über fünf Meter lange Auto einen sonst schützt. Zum Glück sind da noch die Systeme, und die Rundumkamera. Immerhin gerät auch er endlich mal aus der Ruhe: Panikpiepen im Sekundentakt bis zum Aussteigeton.

Aber wir stehen in einer Lücke. Es ist nichts passiert. War doch lässig, sagt der älteste der kleinen Nachbarn.

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