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17th of November 2018

Auto



Bellberg: Ökos verstehen keine Autos - WELT

An kaum einem anderen Gegenstand lässt sich die politische Gesinnung vieler Mitmenschen daher so einfach ablesen wie an unseren vierrädrigen Helfern.

Auffällig ist außerdem, dass im Gegenzug die meisten liberalen und konservativen Menschen Gegenstände, die man typischerweise mit Grünen-Wählern in Verbindung bringen würde, nur selten mit solcher Inbrunst hassen. Ich zum Beispiel hege keinerlei Verständnis für Wollstrumpfhosen, schon gar nicht für bunte, und bin – was außerhalb des links-grünen Lagers eigentlich gängige Lehrmeinung ist – der Ansicht, derlei „Kleidungsstücke“ sollten nur getragen werden, bis Frau maximal fünf Jahre alt ist. Aber auch 42-jährige Trägerinnen rufen garantiert keinen Hass bei mir hervor.

Ich vermute allerdings, dass die Neigung zu bunten Wollstrumpfhosen, Ikea-Möbeln und Lebensmittelängsten eng mit der Abneigung gegen das Automobil verknüpft ist. Es ist schier unmöglich, sich zum Beispiel eine erfolgreiche 50-jährige Frau in einem Mercedes-Coupé vorzustellen, die einen speckigen Jeansrock über einer grünen Wollstrumpfhose trägt und gerade auf dem Weg zu Ikea ist.

Für die Freude am Lärm gibt es kein Gesetz Das Video konnte nicht abgespielt werden.Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Der Einsatz sogenannter Klappenauspuffanlagen soll künftig im Saarland verboten werden. Um diese Klappen zu öffnen reicht ein Knopfdruck – und das Auto klingt nach deutlich mehr Auto.

Quelle: WELT /Erdmann Hummel

Nun mögen Sie denken, das habe etwas mit „der Klassengesellschaft“ oder gar dem Einkommen zu tun, aber lassen Sie sich versichern, Lehrerinnen – von denen allgemein angenommen wird, dass viele von ihnen am liebsten grün wählen – verdienen im gesellschaftlichen Gesamtvergleich ganz gut.

Für Linke ist das Auto ein einziger Anlass zum Ärger: Es tötet Eisbären im fernen Norden und verhindert, dass Kinder auf Großstadtstraßen spielen – als wenn dies im Berlin der Pferdekutschen möglich gewesen wäre.

Falls Links-Grüne ein eigenes Auto besitzen, muss es daher auf jeden Fall „praktisch“ oder „sparsam“ sein, am besten beides. Auf keinen Fall jedoch darf das eigene Gefährt so aussehen wie ein richtiges Auto. Ein Fakt, der gut erklärt, warum Menschen mit der entsprechenden Gesinnung Autos bevorzugen, die aussehen wie Converse-Turnschuhe – Renault Kangoo, Citroën Berlingo und Volkswagen Caddy sind beliebte Beispiele. Arrivierte Toskana-Linke dürfen aber immerhin noch einen Volvo XC90 oder einen VW T6 fahren. Das war es aber dann auch schon, denn Saab ist ja leider ausgestorben.

Das Auto als erstrebenswerter Besitz

Was ist der Grund für diese arg eingeschränkte Automobilauswahl? Ich vermute, dass es selbst Grünen halt einfach keinen Spaß macht, andauernd mit anderen Grünen diskutieren zu müssen. So ein BMW 7er mag zwar ein tolles Gefährt sein, aber wenn man sich dann pausenlos dafür rechtfertigen muss, dass man auf dem Weg zum Kindergarten schon wieder eine Südseeinsel überflutet hat, macht auch der sonnigste Montagmorgen keine Freude mehr.

Dabei ist das Auto so viel mehr als nur ein Ärgernis, erst recht als ein schnöder Gebrauchsgegenstand. Sicher, wer morgens vier Kinder zur Schule bringt und dann den Großeinkauf erledigt, kurz bevor er ein halbes Ersatzhaus im Baumarkt kauft, der weiß, wie praktisch Autos sind.

Auch Angehörige der Dorfjugend wollen am Wochenende Spaß, und das ist meist nicht gleichbedeutend damit, allein im Regen drei Tage auf einen oberbayerischen Bus zu warten. Auch in dieser Zielgruppe sind Autos also durchaus ein erstrebenswerter Besitz.

Seitdem es hier ein Tempolimit gibt, musste niemand mehr sterben Das Video konnte nicht abgespielt werden.Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Auf der A4 kracht es jeden Tag. Besonders schlimm: Das Stück zwischen Kerpen und Düren. Hier starben in nur wenigen Monaten neun Menschen bei Unfällen durch überhöhte Geschwindigkeit. Seitdem gilt hier ein Tempolimit.

Quelle: WELT / Andreas Büttner

Aber das Auto ist für den einen oder anderen außerdem ein rollendes Zuhause, nicht selten bequemer als der Sessel im heimischen Wohnzimmer. Außerdem ist der eigene Wagen für viele Menschen der liebste Ort, um Musik zu hören. Quasi eine Stereoanlage, die einen durch Raum und Zeit transportiert und in der sich niemand daran stört, dass man, schief, aber dafür laut, zwei Stunden lang mitsingt.

Das Auto ist darüber hinaus natürlich auch ein Spaßgerät, etwas das einen mit Geschwindigkeiten sicher um Kurven trägt, die man mit einem ökologisch abbaubaren Tretroller eher selten erreicht. Es ist aber auch ein sozialer Raum; ein Ort der Zusammenkunft, nicht nur bei Jugendlichen.

Wie oft habe ich schon gehört, dass man doch bei jeder Bahnfahrt äußerst spannende, erotische und geistreiche Mitmenschen kennenlerne, aber auch nach jahrelangem Bahnfahren muss ich feststellen, dass die ein oder zwei erinnerungswürdigen Begegnungen im Jahr doch eher die Ausnahme sind – und selbst dann sind die anderen Menschen nicht selten frisch verheiratet.

Lesen Sie auch WELT-Autor Henryk M. Broder wurde von einem anderen Autofahrer wegen seines Fahrstils beleidigt. Für Broder sind das die Konsequenzen des Klimawandels Fahrverhalten

Das Auto ist, natürlich, ein unverzichtbarer Lebensretter, egal, ob es gerade den Notarzt transportiert, die Feuerwehr an ihren Einsatzort bringt, Polizisten zeitnah reagieren lässt oder eine Person, die Hilfe braucht, ins Krankenhaus transportiert. Wir hören immer von den dreiundzwölfzig Millionen Toten, die in Deutschland schon am Vormittag durch Feinstaub umkippen, aber nie von den Menschen, die durch Autos gerettet wurden. Gern geschehen.

Und, nicht zuletzt, ist das Auto der Erfüllungsgehilfe der individuellen Freiheit, ohne den ein moderner Lebensstil kaum möglich wäre.

Der Student, der nach der Uni in einer Spedition im abgelegenen Industriegebiet arbeitet und nachts mit seiner Band probt; die alleinerziehende Mutter, die zwischen Arbeitsplatz, Supermarkt und Kinderbetreuung pendelt; der Außendienstler, der nach zehn Kundenbesuchen noch gerne mit dem Mountainbike in den Wald möchte und der ehrenamtlich am Wochenende die Handballmannschaft seiner Tochter coacht – all dies sind Lebensentwürfe, die nur mit einem eigenen Automobil zu realisieren sind. Und es sind anerkennungswürdige Lebensentwürfe.

Und vielleicht, nur vielleicht, ist dies auch schon das ganze Geheimnis: Individuelle Freiheit ist, gedanklich und gefühlt, ein Konzept, das echten Grünen-Wählern meist nicht nur fremd, sondern höchst suspekt ist. Die eigene Freiheit, sicher, die hat ein jeder gern, aber die Freiheit des anderen wird nur allzu gern zu böswilliger Umweltzerstörung und rücksichtsloser Egomanie umdefiniert. Ganz einfach, weil, wer nur in globalen, ideologisch vorgegebenen und quasireligiösen Dualitäten denkt, am Ende vielleicht doch nicht allzu viel versteht.

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