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20th of October 2018

Auto



Mercedes 500 K Spezialroadster: Das edelste Auto im Dritten Reich - WELT

In Berlin tanzt die Boheme, der Broadway in New York wird zu einer der berühmtesten Flaniermeilen der Welt, die oberen Zehntausend leben im überschwänglichen Luxus, und vom aufziehenden Krieg will noch niemand etwas wissen. Die 20er- und frühen 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts gelten bis heute als das buchstäblich goldene Jahrzehnt für die Hautevolee.

Das beste Beispiel für die Lust der Reichen am Luxus ist der Mercedes 500 K, den die Stuttgarter 1934 auf der Automobilausstellung in Berlin ins Rampenlicht rücken. Wie in einer Manufaktur für jeden Kunden einzeln angefertigt und individuell ausgestattet, ist er damals noch viel luxuriöser, angesehener und mit einem Grundpreis von 28.000 Mark auch teurer als heute eine S-Klasse. Der 500 K gilt als das edelste Auto Deutschlands.

Schon die Limousine gilt damals als repräsentativer als ein Rolls-Royce. Doch die verführerischste und zugleich verschwenderischste der acht Karosserie-Varianten ist der Spezial-Roadster, der in den 1930ern so viel gekostet hat wie eine stattliche Villa am Wannsee – so luxuriös und überflüssig wie ein Bad in Champagner und genauso prickelnd.

Das mit Perlmutt vertäfelte Armaturenbrett im Mercedes 500 K Spezialroadster Das mit Perlmutt vertäfelte Armaturenbrett im Mercedes 500 K Spezial-Roadster

Quelle: Constantin von Kageneck

Dieses Prickeln spürt man auch heute noch, wenn man tief in die Ledersessel hinter dem riesigen Lenkrad versinkt, der Blick erst über das mit Perlmutt vertäfelte Armaturenbrett mit den imposanten Uhren schweift, dann die endlos lange Motorhaube entlang wandert und durch den stolzen Stern am Bug den Horizont anpeilt.

Spätestens wenn dann mit einem Druck auf den Startknopf ohne Murren das Schnurren des Achtzylinders ertönt, fühlt man sich wie John D. Rockefeller, der angeblich der erste Besitzer dieses Autos war – und jede Straße kommt einem vor wie die Fifth Avenue.

So imposant der mächtige Motor mit seinen fünf Litern Hubraum auch sein mag, so bescheiden ist seine Leistung. Gerade einmal 100 PS mobilisiert er im Dauerbetrieb. Und wenn man etwa zum Überholen einen leichten Druckpunkt im Gaspedal überwindet, schaltet sich kurz der Kompressor zu und treibt die Leistung unter lautem Heulen auf 160 PS.

Fast so unkompliziert wie ein modernes Auto

Heute mag man solch eine Leistung lächerlich finden. Aber erstens waren das damals imposante Werte, und mit bis zu 160 km/h war der Spezial-Roadster tatsächlich etwas für Schnellfahrer, die heute wahrscheinlich mit einer offenen AMG-Version mit 300 Sachen über die Autobahn brennen würden. Und zweitens waren die wenigen Menschen, die sich so ein Auto leisten konnten, Herr über ihre eigene Zeit: Wer es in den Mercedes 500 K geschafft hatte, der musste sich von nichts und niemandem mehr hetzen lassen.

Während die Vorgänger komplizierte Kraftfahrzeuge waren, an deren Steuer man sich eher wie ein Maschinist gefühlt hat und beim Fahren noch richtig arbeiten musste, ist der Mercedes fast so unkompliziert wie ein modernes Auto.

Klar, die Lenkung ist etwas schwergängig und der Wendekreis groß wie bei einem Ozeandampfer, und die Bremsen erfordern eine gewisse Weitsicht. Aber das Fahrwerk ist tatsächlich extrem komfortabel, und das Getriebe wechselt seine drei Gänge reibungslos. Wer genügend freie Bahn hat, der kann auch einen Schnellgang einlegen. Dann fühlt man sich nicht mehr wie auf der Fifth Avenue, sondern wie auf der A5, wo sie in den 30er-Jahren zwischen Frankfurt und Darmstadt die Geschwindigkeitsrekorde gebrochen haben.

Wenn der kompressorverstärkte Reihenachtzylinder-Motor den 500 K auf bis zu 160 km/h beschleunigt, sorgt die neukonstruierte Vorderachse für ein komfortables Fahrgefühl Wenn der kompressorverstärkte Reihenachtzylinder-Motor den 500 K auf bis zu 160 km/h beschleunigt, sorgt die neukonstruierte Vorderachse für ein komfortables Fahrgefühl

Quelle: Mercedes 500 K Spezialroadster

So luxuriös und erhaben Fahrer und Sozius im Spezial-Roadster unterwegs sind, so bescheiden ist der Komfort für die Mitfahrer drei und vier. Denn wer sich wagt, die traute Zweisamkeit zu stören, der muss auf ein Sesselchen, das aus dem Kofferraum geklappt wird. Wenn irgendein Platz den Namen „Schwiegermuttersitz“ verdient, dann dieser.

Stolz und stattlich, luxuriös und lustvoll und über alles erhaben – auch mehr als 80 Jahre nach seinem Debüt ist der Spezial-Roadster unerreicht und lässt eine offene S-Klasse verblassen. Selbst das S 65 Cabrio mit seinem AMG-Zwölfzylinder kann da nicht mithalten.

Es bietet mehr Leistung, ist schneller, und die Hinterbänkler sitzen bequemer. Aber mehr Stil als der Spezial-Roadster hat er nicht. Das zeigt nicht zuletzt der Wertunterschied: Das S 65 Cabrio zählt zu den teuersten Mercedes-Modellen in der aktuellen Palette – gegen den 500 K ist er ein Schnäppchen. Wenn überhaupt mal eines der nur 30 je gebauten Exemplare gehandelt wird, erzielt es bei Auktionen üblicherweise zweistellige Millionenbeträge.

Der Mercedes 500 K Spezialroadster hat zwei aufklappbare Notsitze im Heck Die beiden aufklappbaren Notsitze

Quelle: Constantin von Kageneck

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