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19th of July 2018

Auto



Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid im Test - WELT

Das darf man ja eigentlich nicht, aber auf der Autobahn funktioniert es wunderbar – freihändig und ohne Füße auf den Pedalen Auto fahren. Wir gleiten sanft in eine Rechtskurve. Das Lenkrad steuert von allein nach rechts. Natürlich habe ich die Hände direkt neben dem Lenkrad, sodass ich sofort wieder das Lenkrad umfasse, wenn ich sie schließe.

Der Spurassistent ist aktiviert. Über das Lenkrad habe ich als Richtgeschwindigkeit 130 Kilometer pro Stunde eingestellt. Schneller macht keinen Sinn, weil das Auto (der Plug-in-Hybrid kombiniert 156-Benzin-PS mit 67-Elektro-PS, bei unseren Testfahrten verbraucht er im Schnitt etwa sechs Liter) dann einfach zu laut wird. Dazu noch den Bremsassistenten mit automatischem Abstandshalter aktiviert. Nach einiger Zeit höre ich einen Warnton und weiß, die Hände müssen wieder aufs Lenkrad.

Meine Frau Amely schimpf halb im Spaß, in Wahrheit ist sie genauso beeindruckt wie ich – Knight Rider ist jetzt in der deutschen Mittelschicht angekommen. Vor allen Dingen, weil die Front mit dem Kunststoff unter dem Grill so nach K.I.T.T. aussieht, nach einem Auto aus der Zukunft.

Der Mittelklasse-Kombi soll laut Hersteller 62 Kilometer rein elektrisch fahren Der Mittelklasse-Kombi soll laut Hersteller 62 Kilometer rein elektrisch fahren

Quelle: Frédéric Schwilden

Selbst durch Kurven fährt der Kia Optima Sportswagon problemlos, ohne dass ich irgendetwas tun müsste. Vorausgesetzt natürlich, die Fahrbahn ist ausreichend markiert. Sollten Sie also auf Schleichwegen in der Fränkischen Schweiz oder auf Bergstraßen in Tirol fahren wollen, vergessen Sie’s. Der Spurassistent ist dort so hilfreich wie ein blinder Blindenhund.

Ansonsten kann man den Sportswagon als gemütlich und vernünftig bezeichnen, also als das Gegenteil von sportlich. Als sich vor uns ein Stau bildet, verlangsamt er sanft – dank automatischem Bremssystem. Die Toter-Winkel-Assistenten funktionieren auch tadellos.

Wenn man eine Landesgrenze überquert, teilt das Navigationssystem (die Software kommt vom Mutterkonzern Hyundai) sofort die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten für Autobahnen und Landstraßen mit. Man fragt sich, warum das nicht alle Autos können.

Umweltzone? Mir doch egal!

Und dann lege ich mein Telefon mit halbleerem Akku auf den vorderen Teil der Mittelkonsole im recht unauffälligen Cockpit. Als wir anhalten, erinnert mich das Auto an mein Telefon – und hat es in der Zwischenzeit sogar geladen, ohne dass ich es ans Bordnetz angeschlossen habe. Eine induktive Ladeschale macht dies möglich, sofern das Handy es zulässt.

Wir müssen natürlich auch über den Hybridantrieb reden. Die Batterien haben eine Kapazität von 11,3 kWh, der Stecker befindet sich zwischen Fahrertür und linkem Vorderrad. 62 Kilometer, sagt Kia, könne man damit vollelektrisch fahren. Obwohl Kia aus Südkorea kommt, müssen sie die Tests für die elektrische Reichweite in Holland gemacht haben.

In der Fränkischen Schweiz, wo wir vom im Tal liegenden Luftkurort Pottenstein rauf auf die Höhen nach Wolkenstein fahren, reicht der Akku nicht mal für die Hälfte, bevor der Wagen automatisch auf Benzinantrieb umschaltet. Um fair zu bleiben, muss man aber sagen, dass der Sportswagon nicht als Bergsteigermobil beworben wird.

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Für den Preis von 49.410 Euro (so viel kostet unser Testwagen mit Vollausstattung) bekommt man stattdessen ein Familienauto für Menschen, die sich nicht viel aus Autos machen. Auch wenn Sie in Stuttgart oder Hamburg wohnen, müssen Sie sich keine Sorgen machen.

Wenn dort demnächst Fahrverbote erlassen werden sollten, weil die Feinstaubkonzentration in der Atemluft mal wieder zu hoch ist, können Sie mit dem Kia jederzeit in die Umweltzone fahren. Wenn man auf Elektroantrieb umschaltet, stößt er nämlich keinerlei Abgase aus.

Und die Öko-Eltern, die ihre Kinder auch bei der krassesten Sommerhitze schwitzend mit dem Lastenfahrrad durch die Gegend fahren, werden Ihnen neidisch hinterherschauen, weil Sie lautlos und klimatisiert jedem Feinstaubalarm trotzen.

In den Kia Sportswagon passt ganz schön viel rein

Bei einem Familienausflug in die Fränkische Schweiz haben wir auch die Größe des Kia schätzen gelernt. Wir haben wirklich viel Zeug, seit wir zu dritt sind. Da ist zum Beispiel die Babyschale mit Liegefunktion.

Wenn wir unseren Sohn liegend transportieren wollen, nimmt sie dem Beifahrer viel Platz weg, da sein Sitz dann ganz nach vorne geschoben werden muss. In unserem 1er-BMW kann höchstens noch Danny DeVito auf dem Beifahrersitz mitfahren, wenn unser Ragnar in seiner Schale schläft.

Zudem haben wir immer einen Kinderwagen dabei. Ich weiß noch, wie Amely und ich uns verzweifelt angeschaut haben, als wir den Kinderwagen zum ersten Mal in unser eigenes Auto geladen haben – und wie wenig Platz danach noch im Kofferraum war.

Den Antrieb übernimmt eine Kombination aus 2,0-Liter-Benziner und Elektromotor mit einer Systemleistung von 151 kW/205 PS Den Antrieb übernimmt eine Kombination aus 2,0-Liter-Benziner und Elektromotor mit einer Systemleistung von 151 kW/205 PS

Quelle: Frédéric Schwilden

Gut, ganz so schlimm war es gar nicht, man lernt eben neu zu packen. Aber in den Kia kriegt man wirklich alles rein, auch wenn man kein Tetris-Gott ist. Und wenn man das mit dem Packen schon raus hat, ist man umso erstaunter, was man noch alles reinkriegt. Zwei große Koffer, die Tasche mit den Brettspielen, die Sandeimer, eine Luftmatratze und noch drei Paar Wechselschuhe.

Mit einer Länge von 4,85 Metern ist der Optima Sportswagon nur unwesentlich kürzer als ein BMW 5er Touring (4,92 Meter) oder ein E-Klasse-Kombi von Mercedes (4,89 Meter), dabei in der Vollausstattung aber erheblich günstiger. In den Kofferraum passen 440 Liter, mit umgeklappter Sitzbank sogar 1686 Liter. Das ist weniger als beim Mercedes oder beim BMW, dafür fährt man aber auch einen Plug-in-Hybrid. Der Kia ist ein großes Auto für Menschen, die den kleinen Unterschied machen wollen.

In Deutschland ist das aber noch nicht ganz so einfach. In Großstädten, sollte man meinen, müsste sich das Laden ja leicht gestalten. Und tatsächlich gibt es in Berlin nicht nur in Prenzlauer Berg, Mitte oder Kreuzberg Ladestationen, sondern sogar in Randbezirken wie Mahlsdorf.

Die E-Mobilität ist ganz schon kompliziert

Man braucht aber meistens eine spezielle App oder eine vom Stromanbieter ausgegebene Plastikkarte. Für mich ist das nichts. Ich habe mir die E-Mobilität irgendwie unkomplizierter vorgestellt. Kreditkarte in den Automaten und laden oder per Paypal zahlen.

Erstaunlicherweise ging das Laden in der Provinzgroßstadt Erlangen leichter von der Hand. Hinter dem Rathaus steht eine E-Tankstelle mit zwei Stromanschlüssen. Man kann den Ladevorgang per SMS starten, den Strom bezahlt man per Handyrechnung.

Per SMS wird man auch darüber informiert, wenn der Ladevorgang abgeschlossen ist. Nutzt man den Strom einer E-Tankstelle, dauert das etwa dreieinhalb Stunden. Wenn man mit einem Adapter über eine normale Steckdose lädt, braucht man fünfeinhalb.

Der schluckt ordentlich: 440 bis 1686 Liter passen in den Kofferraum des Kia Optima Sportswagon Der schluckt ordentlich: 440 bis 1686 Liter passen in den Kofferraum des Kia Optima Sportswagon

Quelle: Frédéric Schwilden

Wir fahren also durch die Fränkische Schweiz. Ragnar ist langweilig, und er schreit. Da mache ich das große Panoramafenster auf und wieder zu und wieder auf und wieder zu, und er sieht die weißen Wolken und den blauen Himmel. Und er hört das leise Surren des Fensterhebers. Und er kichert. Und wir halten an.

Wir machen ein Picknick auf dem Parkplatz vom Obstgroßmarkt in Mittelehrenbach. Die Kids kommen aus der Schule. Wir sitzen auf der Motorhaube und hören „Party Safari“ von Blumentopf. Amely zieht ihren Lippenstift nach. Ragnar winkt.

Die Kids stehen da mit offenen Mündern. Der Kia Optima Sportswagon ist kein Auto, mit dem man auffällt. Als Familienauto ist er aber große klasse. Für den Rest muss man schon selber sorgen.

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