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14th of November 2018

Auto



Oldtimerexpertin Laura Kukuk versteht mehr von Autos als viele Männer - WELT

Der grüne MG TD steht zerpflückt und aufgebockt in der Halle. Daneben parken ein Fiat 1600 und ein Morris Minor Traveller Woodie. Ein Rückzugsort für Laura Kukuk im bergischen Overath. Hier kann sich die 25-Jährige entspannen. Den MG TD von 1952 hat sie schon zerlegt, Motor und Getriebe zusammen mit Achsen und Bremsen überholt. Jetzt warten noch ein paar Lackierarbeiten und der Zusammenbau. Wann das passieren wird, weiß sie noch nicht. Denn die angehende Ingenieurin ist derzeit viel unterwegs.

Als eine der ganz wenigen Frauen kümmert sie sich seit mehreren Jahren als angehende Oldtimersachverständige um edles Blech. Mehrmals im Monat reist sie allein oder mit ihrem Vater weltweit zu Oldtimern. Ihr absoluter Traumjob, auch wenn der Weg vorgezeichnet war.

Laura Kukuk wächst mit Oldtimern auf. Als Baby sitzt sie im Maxi-Cosi auf dem Beifahrersitz des Morgan ihres Vaters. Klaus Kukuk, ein Kfz-Sachverständiger und Oldtimergutachter, fährt jahrelang mit seinem 1966er-Porsche 911, Morgan +8 und Austin Healey zur Kundschaft, nutzt sie als Alltagsautos. Selbst in den Skiurlaub geht es mit dem Elfer. „Ich bin mit Oldtimern aufgewachsen, für mich sind Oldtimer auch Alltagsfahrzeuge“, sagt sie.

Als Laura Kukuk bei McLaren in Woking gearbeitet hat, haben ihr die alten Autos gefehlt Als Laura Kukuk bei McLaren in Woking gearbeitet hat, haben ihr die alten Autos gefehlt

Quelle: Fabian Hoberg

Mit 13 Jahren zerlegt Laura mit ein wenig Hilfe eine Velosolex, baut das Leichtmofa komplett neu auf. „Mein erstes Restaurationsobjekt war das kleine Einmaleins, das hat mich bis heute geprägt“, sagt sie. Klar, dass mit 18 Jahren ein altes Auto her muss, ein alter Mercedes 190 D (W201) von 1987. „Ich wollte eigentlich einen alten Mini, aber der war mir noch zu teuer“, sagt sie. Laura bereitet den 190er auf und verkauft ihn ein Jahr später wieder – von dem Geld kauft sie sich den Mini.

Schon während ihrer Schulzeit jobbt sie beim Porsche-Tuner dp-Motorsport in der Nähe ihres Wohnorts, wechselt danach zum Rennwagenspezialist Porsche Kremer Racing in Köln und ist viel auf der Nordschleife unterwegs. „Mich haben Sportwagen und Rennmotoren immer interessiert. Bei meinen Praktika wollte ich mehr über die Technik lernen“, sagt sie. Nach dem Abi beschließt sie, Maschinenbau mit der Fachrichtung Fahrzeugtechnik zu studieren, erst in München, dann in Köln.

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Doch so ganz ohne praktisches Arbeiten wird ihr das Studium zu langweilig. Sie schiebt ein Praktikum beim Sportwagenhersteller McLaren Automotive im britischen Woking ein, fängt dort als Entwicklungsingenieurin an. „Eigentlich wollte ich nur für ein Praxissemester bleiben, aber die Herausforderung hat mir gut gefallen, und McLaren konnte meine Unterstützung anscheinend gebrauchen“, sagt Laura. Sie kümmert sich um Prototypen, unter anderem für die späteren Serienmodelle 570S, 720S und den McLaren Senna, ist mit dem Aufbau, dem Testen, der Planung und der Auswertung beschäftigt.

Ein Gutachten umfasst bis zu 90 Seiten

Während der Arbeit an den modernen Supersportwagen stellt sie fest, wie sehr ihr die alten Autos fehlen. „Das, was mich lange begleitet hat, habe ich stark vermisst. Mein Herz schlägt für Oldtimer, die haben mehr Charakter, Ästhetik und erzählen Geschichten“, sagt sie. Also zieht sie wieder in die Nähe von Köln, um sich um ihre Oldtimer zu kümmern und generell mehr über die historischen Fahrzeuge zu erlernen.

Ein Jahr arbeitet sie bei der B&F-Touring-Garage von Peter Bazille, ein in der Szene bekannter Lancia-Spezialist, dort will sie ihr Fachwissen verbessern. Danach zieht sie nach Bayern, um beim Mercedes-300-SL-Spezialisten HK-Engineering alle Details zum Flügeltürer zu lernen. Sie hilft in der Werkstatt, zerlegt Autos, überarbeitet Motoren, Einspritzpumpen und begutachtet die Fahrzeuge. Gleichzeitig nutzt sie das Wissen für ihre Bachelor-Arbeit. Thema: Ein Vergleich zwischen dem Mercedes W198 und den Lancia-D-Modellen mit Fokus auf den technischen Innovationen der 1950er-Jahre.

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Nebenbei tourt sie mit ihrem Vater durch die Welt, untersucht millionenschwere Oldtimer. Für die Gutachten schaut sie sich die Aggregate und den Rahmen an, natürlich auch den Lack und den generellen Zustand, untersucht das Blech und die Technik. Dafür setzt sie ein Ultraschallgerät, Endoskop und Spektroskop ein, nimmt Material- und Ölproben, kontrolliert am Rahmen, die Schweißpunkte und die Seriennummern.

Oldtimer sind für Laura Kukuk auch Alltagsfahrzeuge Oldtimer sind für Laura Kukuk auch Alltagsfahrzeuge

Quelle: Fabian Hoberg

Echtheitsprüfungen führt sie mit Röntgen-Fluoreszenzanalyse, einem Ätzverfahren, Ultraschall und einem MRT durch. Akribisch, wie ein Detektiv. „Typische Motor-, Wasser- oder Standschäden erkenne ich schnell. Aber einen fehlenden Zahn im Getriebe zu finden, ist kompliziert“, sagt sie.

Sie muss wissen, wie die Fahrzeuge im Originalzustand aussehen, wo sich welche Nummern befinden. Die Daten gleicht sie mit Fachbetrieben oder Archiven ab. Das anschließende Gutachten umfasst bis zu 90 Seiten und beinhaltet nicht nur die technische Auseinandersetzung, sondern auch eine Historien-Recherche und Marktanalyse. Oft bestellen Autointeressenten und Händler die Dienste der Kukuks, um sicherzugehen, dass der Oldtimer original und damit wertvoll ist, oder aber um einen Wert ermittelt zu bekommen.

Als Frau hat sie es in der Autowelt nicht immer einfach, in der Oldtimerbranche sogar besonders schwer. „Dass Frauen tiefes technisches Wissen haben können, scheint noch nicht überall angekommen zu sein“, sagt Laura. Meist kann sie ihr Gegenüber aber schnell davon überzeugen, dass sie tief in der Materie steckt. „Ich lasse mich aber auch gerne belehren, wenn ich etwas nicht weiß“, sagt sie.

Dass sie mit 25 Jahren noch nicht alle Kniffe kennt, spornt sie nur an. „Ich lerne jeden Tag dazu, das ist das Schöne an meinem Job“, sagt sie. Die Vielfältigkeit, die immer neuen Herausforderung, Situationen und Fahrzeuge machen ihren Job so spannend. An ihrer Expertise haben mittlerweile auch andere Interesse: Seit 2018 arbeitet sie als Judge beim renommierten Concours d’Elegance in Pebble Beach in den USA – dort werden millionenschwere Autos gezeigt und prämiert.

„Jede Ära hatte tolle Autos“

Im Alltag mag Laura es profaner, dafür umso sportlicher, wenn sie mit ihrer 179 PS starken Lotus Elise S1 durch die Gegend flitzt. Im Winter wechselt sie auf einen MG F. Neben dem MG TD restauriert sie parallel noch ihren Fiat 600 von 1957. Nebenbei schreibt sie für ihren Blog und fotografiert, natürlich hauptsächlich Autos. Das kommt an: Bei Instagram hat sie bereits über 28.000 Follower.

Einen Traumwagen oder eine Lieblingsmarke hat Laura nicht. „Es gibt für jede Epoche und Ära tolle Autos von tollen Marken. Fahrzeuge der 50er-Jahre finde ich spannend, die Innovationskraft kurz nach dem Krieg war schon toll“, sagt sie. Sie freut sich schon auf ihren MG TD. Wenn er mal fertig restauriert ist.

"Mein Herz schlägt für Oldtimer", sagt Laura Kukuk. Und mittlerweile kennt sie sich mit alten Autos auch besser aus als die meisten Männer "Mein Herz schlägt für Oldtimer", sagt Laura Kukuk. Und mittlerweile kennt sie sich mit alten Autos auch besser aus als die meisten Männer

Quelle: Fabian Hoberg

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