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20th of October 2018

Auto



Datenschutz: Alles im Auto wird aufgezeichnet, alles lässt sich auslesen - WELT

„Alles, was mit ihm spricht, wird vom Menschen als Mensch wahrgenommen“, sagt Nils Lenke, wissenschaftlicher Leiter der US-Firma Nuance. Wir sitzen in einem Kleinbus. Zwischen Fahrer und Beifahrer liegt ein Kästchen voll Elektronik.

Dessen Inhalte werden künftig bei einigen Premiumherstellern der Autoindustrie hinter den Armaturen verschwinden. Das „Nuance Dragon Drive“ antwortet während unserer Fahrt auf Fragen, die ihm zum Umfeld gestellt werden, und fährt sogar für den Fahrer die Heizung hoch, als der sagt, ihm sei kalt.

Wir sind in keinem Science Fiction. Wir sind im richtigen Leben. Und die Sprachverarbeitung von Nuance ist nur einer von vielen Assistenten, die heute mit an Bord von Autos sind. Von 2015 auf 2016 stieg der Anteil von Neuwagen in Deutschland mit Müdigkeitserkennung von 27 auf 37 Prozent, was gerade Vielfahrern wie Handelsvertretern zugute kommt.

Sprachassistenten - Plaudertaschen mit Datenschutzmängeln Das Video konnte nicht abgespielt werden.Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Stiftung Warentest hat jetzt die Gruppe der Sprachassistenten getestet. Diese Assistenten sollen den Umgang mit digitaler Technik vereinfachen. Auf den Prüfstand kam neben der Bedienung auch das Thema Datenschutz.

Quelle: WELT/Fabian Dittmann

Auch andere Assistenten weiß man heute zu schätzen: für den gefahrlosen Spurwechsel (2016 in 32 Prozent aller Neufahrzeuge), bei der Unterstützung einer Notbremsung (38 Prozent) oder als Hilfe beim Einparken (62 Prozent). Alles scheint auf einem guten, weil Leib und Leben der Verkehrsteilnehmer schützenden Weg – gäbe es nur das leidige Thema Datenschutz nicht.

„Vernetzung und Datensicherheit ist ein Riesenthema geworden“, sagt Marc-Oliver Prinzing, Vorsitzender des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement. „Vor zehn Jahren musste ich, wenn ich Telematik (also Geräte, die zum Beispiel den Standort des Fahrzeugs übermitteln können; d. Red.) an Bord haben wollte, diese extra installieren. Heute sind solche Telematikeinheiten bereits in jedem Fahrzeug verbaut. Vor zehn Jahren war das ein Prozess, in den der Mitarbeiter eingebunden werden und bewusst zustimmen konnte.“

Autos werden zunehmend vermenschlicht

Heute frage man sich nur noch: Wer hat Zugriff auf die Daten? Wozu werden sie genutzt? Was ist mit der Weitergabe an Dritte wie Versicherungen?

Nuance etwa benötigt eine Online-Verbindung, um nachts Updates mit Ergänzungen für den Wortschatz aufzuspielen. So etwas wie der Ausbruch des Eyjafjallajökull auf Island ist nichts, was der gemeine Wortschatz kennt, das aber den Fahrer in einer Nachfrage an sein Dragon Drive interessieren kann.

Was einen noch schmunzeln lässt, ist in anderen Fällen keinesfalls mehr lustig. In aktuellen Fahrzeugen wird alles aufgezeichnet und lässt sich alles auslesen, was mit dem Auto angestellt wurde.

Als der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider 2008 mit seinem Fahrzeug tödlich verunglückte, war er 142 km/h schnell. Woher die Ermittler das wussten? Aus den Daten des Motorsteuergeräts seines VW Phaeton. Das war vor zehn Jahren. Was wäre heute möglich?

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„Letztes Jahr im April haben wir alle Hersteller, die in Deutschland auf dem Markt sind, angeschrieben und zu diesem Thema um Auskunft gebeten“, sagt Prinzing. Als Vertreter der Fuhrparks betreibenden Firmen wollte man hier aufklären. „Wenn ich als Firma meinem Mitarbeiter ein Auto zur Verfügung stelle, habe ich sofort das Thema Datenschutz.“

Und wie war die Antwort aus der Automobilindustrie? „Die war gleich Null. Es kam keine einzige Aussage zu dem Thema, rein gar nichts.“ Was ja schon erstaunlich sei. „Immerhin vertritt unser Verband umgerechnet eine Viertelmillion Fahrzeuge. Und es ist ja keine unanständige Frage.“

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Auch auf mehrfache Nachfrage von WELT wollte der Verband der Automobilindustrie (VDA) diese Aussage nicht kommentieren, sondern verwies nur auf die 2014 verabschiedeten „Datenschutz-Prinzipien für vernetzte Fahrzeuge“.

In dieser Absichtserklärung heißt es u.a.: „Die Mitglieder des VDA ermöglichen den Kunden, sich über Kategorien der verarbeiteten Fahrzeugdaten und deren Zweck zu informieren. (…) Wenn die Mitglieder des VDA personenbezogene Daten in Zusammenhang mit dem vernetzten Fahrzeug verarbeiten, stellen sie sicher, dass der Kunde seine Auskunftsrechte wahrnehmen kann.“

Doch wer macht sich schon solche Mühe? Und wen mag das angesichts einer Technik interessieren, die uns teils besser versteht als unser Partner oder unsere Partnerin, in ihren Reaktionen manchem gar menschlicher vorkommt?

„Hersteller halten ihre Hand auf die Daten“

Eine Technik zur Sprachverarbeitung wie die der Nuance Communications mit weltweit 14.000 Mitarbeitern erzeugt einen „Anthropomorphismus“, wie Nils Lenke erklärt: Wir schreiben etwas, das nicht Mensch ist, menschliche Eigenschaften zu. Das kann mit Hund und Katze passieren oder eben mit einem sprechenden Auto.

Es ist nichts Unbekanntes und in etlichen Filmen zu beobachten: ob bei den Autobots in „Transformers“ (seit 2007), bei „Knight Rider“ (1982–86) mit K.I.T.T., einer schlaumeiernden Version eines 1982er Pontiac Firebird Trans-Am. Oder dem gewalttätigen 58er Plymouth Fury „Christine“ (1983) aus Stephen Kings gleichnamigen Roman.

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Dass die Vermenschlichung der Autos in der Realität noch andere Wege gehen kann, zeigen die Fahrzeuge von heute: Sie plappern, plaudern und petzen – für jeden verständlich, der ihre Daten auslesen kann.

Der ADAC sieht in der Juli-Ausgabe seines Mitgliedermagazins „Motorwelt“ eine solche Entwicklung ebenfalls überraschend kritisch. Persönliche Daten – also auch diejenigen, die mit dem eigenen Fahrzeug erzeugt wurden – gehören nach Ansicht des Automobilclubs dem Autonutzer selbst und müssten „von diesem freigegeben werden“, so die Motorwelt.

„Allerdings halten die Hersteller nach wie vor ihre Hand auf den Daten – wohl wissend, dass man so viel Geld verdienen, aber auch Dinge für sich behalten kann, die nicht an die Öffentlichkeit geraten sollen.“

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Kann man dann nicht wenigstens den Online-Zugriff aufs Auto kappen, wenn das gewünscht ist? Doch, das geht. „Allerdings muss dazu das Notrufsystem e-Call abgeschaltet werden, wie uns ein Hersteller mitgeteilt hat“, sagt Prinzing. Das System ist seit dem 31. März 2018 bei neu in der EU zugelassenen Automodellen Pflicht.

Es wählt nach einem Unfall über eine eingebaute SIM-Karte selbstständig den Notruf und übermittelt die Positionsdaten. Mit eCall wurde laut Datenschützern eine Schnittstelle zwischen dem Auto und dem Internet hergestellt, die auch für andere Zwecke genutzt werden soll.

„Ich kann doch meinem Fahrer nicht sagen: Wir schalten eCall ab!“, sagt Prinzing. „Damit hast du mehr Datenschutz, aber nach einem Unfall stirbst du auch einsam an einem Baum.“

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