Add to favourites
News Local and Global in your language
14th of November 2018

Auto



Bruce Canepa macht den Porsche 959 zur modernen Rennmaschine - WELT

Mit den Zahlen hat man es bei Porsche nicht so, außer es geht um Profit. Im vergangenen Jahr haben die Stuttgarter irgendeinen 911er zum einmillionsten Exemplar der Baureihe erklärt, mehr so zufällig. Bei den Porsche 959 weiß der Hersteller vielleicht, wie viele Exemplare tatsächlich gebaut wurden, will es aber nicht verraten.

Die Schätzungen gehen weit auseinander. 292 Stück sind es sicher, vielleicht aber auch 337. Da besteht eine für schwäbische Präzision doch erstaunliche Diskrepanz im zweistelligen Prozentbereich. Das Problem liegt darin, dass der 1987/1988 gebaute 959 im Jahr 1992 noch einmal aufgelegt wurde – und Porsche aus unerfindlichen Gründen vergessen hat, diese aus Ersatz- und sonstigen Teilen aufgebauten Fahrzeuge zu zählen. Es war ein verlockendes Geschäft: Die erste Serie kostete schon happige 420.000 Mark, die zweite dann geradezu obszöne 747.500 Mark.

Anfang dieses Jahrtausends sanken die Preise für die 959 auf teilweise deutlich unter 100.000 Euro. Das lag vor allem daran, dass sich auch die Sammler vor den immensen Unterhaltskosten fürchteten. So richtig angezogen hat der Wert erst wieder vor vier, fünf Jahren.

Lesen Sie auch "Den neuen Elektromobilen hat man die Zunge aus dem Autoleib gerissen", sagt WELT-Chefredakteur Ulf Poschardt Auspuffanlagen

Inzwischen kommt kaum noch ein 959 unter einer Million Euro auf den Markt, für schöne Exemplare mit prominenten Vorbesitzern wurden auch schon an die zwei Millionen bezahlt. Nun hat der kalifornische Unternehmer Bruce Canepa eine Idee, wie er die seltenen Porsche noch teurer machen kann: indem er sie zu modernen Hypercars umbaut.

Rosskur für mindestens 750.000 Dollar

Canepa war in den späten 70er- und den 80er-Jahren ein erfolgreicher Rennfahrer, der es unter anderem bei den 24 Stunden von Daytona mit Porsche auf das Podium schaffte und lange Jahre den Pikes-Peak-Rekord für Lastwagen hielt – und ein früher Fan des Porsche 959.

Ex-Rennfahrer und Unternehmer: Bruce Canepa bei der Rennsport Reunion im September 2018 Ex-Rennfahrer und Unternehmer: Bruce Canepa bei der Rennsport Reunion im September 2018

Quelle: Hoch Zwei / Juergen Tap

Bloß war es bis 1999 gar nicht erlaubt, dieses Fahrzeug in den USA in den Verkehr zu bringen; also baute Canepa es den gesetzlichen Vorgaben entsprechend um und sicherte sich so eine prominente Kundschaft, unter anderem Bill Gates, Paul Allen und Jerry Seinfeld. Seine Garage im kalifornischen Santa Cruz gilt als schönster Toy Store für Porsche-Besitzer, hier wird so ziemlich alles möglich gemacht (manchmal leider auch Unmögliches).

763 PS haucht Canepa seinem 959 ein, den er als 959SC bezeichnet. Das ist für den Motor kein Problem, in den Rennversionen vom 935 bis 962 hatte das der Boxer in den 90er-Jahren auch schon; das Getriebe und die Kupplung hingegen müssen angepasst werden. Auch die Bremsen werden deutlich verstärkt, am Fahrwerk müsse man dagegen nicht viel machen, sagt Canepa, der sein Geld vor allem als Fuhrunternehmer gemacht hat.

An die 4000 Arbeitsstunden werden in so einen 959SC investiert, jedes Teil wird kontrolliert, verbessert, gegebenenfalls ersetzt. Darin inbegriffen sind ein komplett neues Interieur und eine Lackierung nach Wunsch. 750.000 Dollar kostet diese Rosskur mindestens – je nach Sonderwünschen der Kundschaft können es aber auch schon mal zwei Millionen werden.

Der Canepa-Umbau des Porsche 959 beinhaltet eine Wunschlackierung und ein komplett neues Interieur Der Canepa-Umbau des Porsche 959 beinhaltet eine Wunschlackierung und ein komplett neues Interieur

Quelle: Zach Todd / Canepa

Und da ist das Basismaterial noch nicht inbegriffen, der Kunde muss nämlich auch noch einen originalen 959 mitbringen, damit Canepa überhaupt mit der Arbeit beginnen kann; für seine Klientel hat er in den letzten Monaten alle Exemplare aufgekauft, die zu bekommen waren.

Das schnellste Serienfahrzeuge seiner Zeit

Als der Wagen 1987 ausgeliefert wurde, war er nicht nur das schnellste Serienfahrzeug seiner Zeit, sondern auch ein herausragender Technologieträger. Für die Außenhaut wurde Kevlar verwendet, hinzu kamen die Frontschürze und der Frontspoiler aus Polyurethan; ungewöhnlich waren auch die Magnesiumfelgen.

Lesen Sie auch Chevrolet Corvette Grand Sport – dieser Wagen verlangt nach Weite. Unser Autor ist damit in Deutschlands tiefen Westen gefahren Corvette Grand Sport

Der Allradantrieb war für seine Zeit sehr fortschrittlich: Über ein gewöhnliches Differenzial werden die Hinterräder angetrieben, das vordere Differenzial ist über die Antriebswelle mit dem Sechsganggetriebe verbunden.

Ein erster Prototyp des 959 stand bereits auf der IAA in Frankfurt. Hintergrund war die Überlegung des damaligen Porsche-Chefs Peter Schutz, den 911 zu einem Rallyeauto der Gruppe B zu machen, da Porsche auf den Rallyepisten bis dahin kaum Erfolge vorzuweisen hatte. Die Reaktionen waren begeistert – obwohl der 959 aussah wie ein mächtig aufgeblasener Elfer.

763 PS haucht Bruce Canepa dem Boxermotor seines 959SC ein 763 PS haucht Bruce Canepa dem Boxermotor seines 959SC ein

Quelle: Zach Todd / Canepa

Das gesamte Heck war zu einem überdimensionalen Spoiler umgearbeitet, und was Porsche an Kotflügelverbreiterungen anfertigte, das hatte die Welt noch nicht gesehen. Der Wagen sah aus wie ein misslungener Versuch mit Plastikverformungen.

Aber als Porsche durchsickern ließ, was sich unter der Hülle verbergen sollte, lief nicht nur Kennern das Wasser im Mund zusammen: ein 2,85-Liter-Sechszylinder mit zwei Turbos, der spezielle Allradantrieb, eine geschwindigkeitsabhängige Niveauregulierung. Noch während der IAA wurden die 200 Exemplare bestellt, die für eine Gruppe-B-Homologation nötig waren.

Lesen Sie auch Kein Müll, zumindest nicht mehr. Aber es war ein weiter Weg, bis der Elfer so dastand Restaurierter Porsche

Nach anfänglichen Misserfolgen kam es 1986 zu einem Doppelsieg für den 959 bei der Rallye Paris–Dakar. Doch der Erfolg kam zu spät: Nach dem tödlichen Unfall von Henri Toivonen und Sergio Cresto bei der Korsika-Rallye in jenem Jahr wurde die Gruppe B abgeschafft – und das Sportprogramm mit dem 959 kam zu einem jähen Ende.

Bei 5000 Umdrehungen wurde es interessant

Schade eigentlich, denn er war das erste Serienauto, das den Sprint von null auf hundert auf 100 in unter vier Sekunden schaffte; die Höchstgeschwindigkeit lag bei 320 km/h. Einfach zu fahren war der 959 jedoch nicht. Bei 5000 Touren wurde es interessant. Dann haut es den zweiten Turbo rein; Registeraufladung heißt das und ist heute wieder in Mode, aber in den 80er-Jahren konnten der kleine und der große Turbo noch nicht so fein aufeinander abgestimmt werden, wie das heute möglich ist.

Bei 5000 Umdrehungen kommt er also, und wer das noch nie erlebt hat, sollte sich dieses Vergnügen besser auf gerader und breiter Straße gönnen, denn der Knall, mit dem der Porsche 959 dann abgeht, der ist, sagen wir mal: gewöhnungsbedürftig. Andere würden sagen: gefährlich. Und wieder andere meinen: Das Zeug hat Suchtpotenzial. Er kommt mit einem fiesen Schlag, dieser zweite Turbo.

Auch wenn man darauf gefasst ist und den Tourenzähler schön im Auge hat, kommt der Rums in seiner Heftigkeit überraschend, das Kleinhirn wird an den Schädel gedrückt, der Schädel an die Kopfstütze gehauen, und man darf sich vorstellen, dass der ein oder andere Fahrer dann unkontrolliert am Lenkrad reißt.

Das Heck des Porsche 959 gleicht schon von Hause aus einem mächtig aufgeblasenen Elfer Das Heck des Porsche 959 gleicht schon von Hause aus einem mächtig aufgeblasenen Elfer

Quelle: Zach Todd / Canepa

Der 68-jährige Bruce Canepa will mit seinem 959SC übrigens schon 223 mph (370 km/h) gefahren sein, als ihm nach eigener Aussage die Straße ausging. Und in 2,3 Sekunden will er es von null auf sechzig Meilen geschafft haben. „Wir lassen das jetzt von einem Profi bestätigen,“ sagt Canepa. „Ich denke, das geht auch noch ein bisschen schneller.“

Damit wäre die Ikone der 80er-Jahre ihrer Konkurrenz heute noch so weit voraus wie damals.

Read More




Leave A Comment

More News

Auto-Nachrichten - N24.de

Aktuelles zum Thema Auto

Rund um das Auto

SPIEGEL ONLINE - Auto

op-online.de - Auto &

DIE WELT - Motor

Disclaimer and Notice:WorldProNews.com is not the owner of these news or any information published on this site.