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19th of October 2018

Auto



Bellberg: Das Einheitsauto muss her - WELT

Wir alle marschieren strammen Schrittes in eine glorreiche sozialistische Zukunft. Das ist eben das Herrliche an der Demokratie, sie trägt die Möglichkeit zu ihrer Abschaffung bereits in sich. Sicher, echte Demokratie ist mehr als ein Zahlenspiel, aber der Einfachheit halber wollen wir einmal von simplen Mehrheiten ausgehen.

Und die Mehrheiten, zumindest aber weite Teile der Bevölkerung, haben ziemlich verdrehte Ansichten über Dinge, die für eine funktionierende, marktwirtschaftliche Demokratie eigentlich wichtig wären. Das fängt bei Meinungsfreiheit an, geht über Marktwirtschaft (bei Millennials als „Kapitalismus“ verschrien) und endet bei der Rechtssicherheit.

Ein großer Teil der Deutschen hat scheinbar kein Problem damit, bestehendes Recht zu brechen, wenn es ihm „richtig“ erscheint, wobei das Problem natürlich darin besteht, dass „richtig“ immer nur so interpretiert wird, dass es den eigenen Interessen dient.

Gerade junge Leute, die zwar amerikafeindlich eingestellt sind, aber ohne Wimpernzucken jeden Unsinn, der in Berkeley oder der „New York Times“ verkündet wird, in die Realität umsetzen wollen, finden es zum Beispiel völlig in Ordnung, wenn man die Meinungsfreiheit einschränkt, zum Beispiel um auf politische, geschlechtliche oder religiöse Gefühle „Rücksicht zu nehmen“. Stichwort „hate speech“.

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Und selbst führende Politiker wichtiger deutscher Parteien, etwa von den Grünen, finden es richtig, Verträge mit Energieversorgern, die sie selbst nur wenige Monate zuvor in der Regierungsverantwortung befürwortet haben, nun nicht nur zu brechen, sondern illegale Aktivitäten, die den vormaligen Vertragspartner behindern und schädigen sollen, zu beklatschen oder zumindest wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen. Das schadet ihnen aber nicht etwa, sondern bringt ihnen jede Menge neuer Stimmen bei starrköpfigen Alten und naiven Jungen.

Das Auto als das personifizierte Böse

Bedenkt man nun noch, dass gerade das Thema Mobilität durch die Funktionäre in den politischen Parteien extrem gepusht wird, weil es wie kein anderes ein quasireligiöses Motivieren der eigenen Zielgruppe ermöglicht – das Auto als das personifizierte Böse, die Umwelt als ewig bedrohter Garten Eden, man selbst als „Umweltaktivist“ – kann man sich leicht vorstellen, dass wir nur noch wenige Jahre davon entfernt sind, unsere eigene individuelle Mobilität zumindest im Auto immer weiter beschränkt zu sehen.

Schon heute faseln Fahrrad-Aktivisten und durch die Welt jettende Umweltpolitiker davon, dass Autos in den Städten Platz benötigen würden, der doch eigentlich allen gehöre. Das Stichwort, mit dem man die Massen mobilisieren möchte, lautet – natürlich – „Gerechtigkeit“, eine vorzügliche Wahl, kann diese Worthülse doch so ziemlich für alles stehen und wunderbar abwechselnd mit „Fairness“ oder „Nachhaltigkeit“ verwendet werden.

Den Schafen, von denen sie sich Wählerstimmen oder Geld versprechen, erzählen sie, dass, wo heute noch Autos („Blechlawine!“) parken, morgen schon die deutschen Kinderlein friedlich spielen können. Nur dass gerade junge Leute in Deutschland keine Kinder mehr bekommen, weil sie lieber auf ein neues Handy sparen.

Auf Dauer sehe ich nur eine Lösung, mit der man die erstarkenden linken und rechten Ränder zumindest eine Zeit lang zufriedenstellen kann: Das elektrische Einheitsauto – feierlich durch eine evangelische Politikerin mit Doppelnamen eingeweiht, selbstverständlich am Tag der Deutschen Einheit.

Einer für alle: Das Eingheitsauto müsste als gesamtdeutsches Projekt angelegt sein Einer für alle: Das Einheitsauto müsste als gesamtdeutsches Projekt angelegt sein

Quelle: picture alliance / imageBROKER

Das Äußere eines solchen Autos dürfte extrem leicht zu gestalten sein. Man nehme einfach etwas Käfer-Ähnliches und kombiniere es mit deutlichen Anleihen an einen Trabant. Tata, fertig ist der Einheitsbrei.

Solange im Auto volle Internetkompatibilität gesichert ist, spielt die Motorleistung keine Rolle, der kleinste und günstigste Elektromotor sollte also vollkommen ausreichen – zumal die erlaubte Geschwindigkeit in den Städten von den gleichen „Experten“ sowieso am liebsten auf 30 km/h gesenkt werden würde.

Spitzentempo 80 reicht völlig aus

Schon heute weiß kaum noch jemand, dass man auf unbeschränkten Landstraßen wunderbare 100 km/h fahren darf, sodass eine Höchstgeschwindigkeit des Einheitsautos von 80 km/h vollkommen ausreichend sein dürfte. Das mag Ihnen nun extrem langsam vorkommen, aber sehen Sie, so geht es mir, wenn ich versuche, „Babylon Berlin“ zu schauen, und die Serie hat auch Erfolg.

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Als gesamtdeutsches Projekt angelegt, muss selbstverständlich streng darauf geachtet werden, dass in jedem Bundesland Bauteile für das Einheitsauto – von der Bevölkerung wahrscheinlich bereits nach wenigen Jahren einfaltspinselig „Eini“ genannt – hergestellt werden, nur sollte man die Bremsen vielleicht nicht in Berlin fabrizieren lassen.

Farblich sollte man sich um des Erfolges willen lieber auf das beschränken, was man in deutschen Krimis zu sehen bekommt, also grau. Höhere Parteifunktionäre könnten aber vielleicht weiß glänzende Exemplare bekommen, je nachdem wie viel Umwelt sie gerettet haben oder wie lang sie schon in Partei- und Staatsdienst sind.

Um den Sex-Appeal noch einmal zu erhöhen, sollten unbedingt Wartelisten angelegt werden. Nur wer mindestens vier Jahre auf ein Auto mit umgerechnet 14 PS gewartet hat, ist auch in der Lage, seine vierrädrige Freiheit wirklich zu genießen.

Auch für Stadtplaner würden einheitliche Automaße eine Menge Vorteile bringen Auch für Stadtplaner würden einheitliche Automaße eine Menge Vorteile bringen

Quelle: picture alliance / imageBROKER

Stadtplaner, die sich gerne in linken Utopien suhlen, hätten in Zukunft leichtes Spiel. Wenn in deutschen Städten nur noch ein einziges automobiles Maß zugelassen ist, ist es ein Kinderspiel, Parkflächen auszuzeichnen oder Straßenbreiten zu reduzieren.

Das Allerbeste an der Mobilität der zukünftigen Volksrepublik wird aber sein, dass wir uns künftig die Ausgaben für eine Stasi 2.0 sparen können – auch wenn wir bei ihrer Etablierung von wertvollen Erfahrungen unserer jetzigen Politiker profitieren könnten. Mit einheitlich dauervernetzten Autos und niemals ausgeschalteten Mobiltelefonen lässt sich staatliche Überwachung im Handumdrehen realisieren.

Dann hätten wir endlich den gefährlichen Hass im Internet besiegt und den letzten lästigen Freiheitsbereich, den unsere Autos heute bieten, in den Griff bekommen: Das private Gespräch bei geschlossenen Türen.

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