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20th of October 2018

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Eisenmann will Unterricht verbessern | SWR Wissen

Kommentar von Anja Braun

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann will mit zwei neuen Instituten für besseren Unterricht sorgen. Guter Ansatz - Hauptsache, er findet dann auch statt.

Vor drei Jahren hatte das erfolgsverwöhnte Baden-Württemberg eine ordentliche Ohrfeige erhalten. In Lesekompetenz und Textverständnis waren die Schülerinnen und Schüler im bundesweiten Vergleich von Platz 3 auf Platz 13 zurückgefallen, in der Orthografie von Rang 2 auf 10.

Eisenmann reagierte rasch und verbot zuerst Unterrichtsmethoden wie Lesen durch Schreiben - besser bekannt bei Eltern als Schreiben nach Gehör. Diese Methode ist umstritten und wird in manchen Bundesländern weiter unterrichtet. Jetzt geht sie einen Schritt weiter - mit einer "Bildungsoffensive".

Zwei neue Institute sollen Unterrichtsqualität erforschen Das Institut für Bildungsanalysen soll die besten Methoden erforschenDas Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung dafür sorgen, dass nach diese Methoden dann auch tatsächlich unterrichtet wird.

Das Institut für Bildungsanalysen prüft zum Beispiel, welche Methode zum Schrifterwerb sinnvoll ist und wie Lehrer bei der Wissensvermittlung am besten vorgehen. Bisher wurde nämlich hin- und herlaviert, mal die eine, mal die andere Methode zum Schreiben und Rechnenlernen und zur Wissensvermittlung im Unterricht favorisiert.

Zukünftig soll sich die Unterrichtspraxis am aktuellen Stand der Wissenschaft und auf Grundlage abgesicherter Erkenntnisse ausrichten - verkündet Eisenmann. Da kann man nichts dagegen sagen - höchstens, dass die Wissenschaft bisher immer noch viel zu wenige Erkenntnisse darüber liefert, was guter Unterricht ist und wie er funktioniert.

Schüler als Versuchskaninchen

Grundsätzlich ist es schwierig, Unterrichtsmethoden zu beurteilen, bevor sie eingeführt sind. Deshalb liefen alle Versuche bisher auf Kosten von echten Schülerinnen und Schülern. Oft wurde im Hauruck-Verfahren eine Reform durchgesetzt, von der sich Lehrerinnen und Lehrer genau wie Schülerinnen und Schüler erstmal vor den Kopf gestoßen fühlten. Dann wurde hier und da nochmal nachjustiert und schließlich wurden Ausnahmen erlaubt. Zuletzt geschehen bei der Umsetzung des Turbo-Abiturs.

Auch in Zukunft werden Schülerinnen und Schüler Versuchskaninchen sein. Schön wäre es deshalb, wenn diese Versuche tatsächlich ideologisch neutral und effizient auswertet werden.

Lehrerausbildung soll verbessert werden

Für das zweite Institut plant Eisenmann den Komplettumbau der Schulverwaltung.

Von einer Zentrale aus - nämlich dem neuen "Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung" - soll die Aus- und Fortbildung der Lehrer sowie das neue Unterstützungssystem für Schulen in Zukunft gesteuert werden. Dieses Zentrum ist dann zuständig für Lehrerausbildung, Lehrerfortbildung, für Schulentwicklung, für schulpsychologischen Dienste und vieles mehr.

Das neue Megainstitut soll schließlich die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Instituts für Bildungsanalysen umsetzen. Und zwar in Fortbildungen für Lehrer und Unterstützungsangebote für Schulen.

Schulen brauchen auch Freiräume

Das alles hört sich stark nach einer sehr engmaschigen Führung von Schulen in Baden-Württemberg an. Wichtig ist dabei, dass die einzelne Schule auch Freiräume für ihre Weiterentwicklung behält. Denn gerade diese Gestaltungsmöglichkeit hat in der Vergangenheit viele Schulen und ihre Lehrinnen und Lehrer motiviert, ihr Bestes zu geben. Inwieweit dieser Freiraum beibehalten wird, ist in diesem sehr durchstrukturierten Konzept noch nicht klar.

Lehrermangel bleibt ein Problem

Und über all der Diskussion um Qualitätsmanagement, Fortbildung und Wirksamkeit sollten wir nicht vergessen, woran es gerade in Baden Württemberg besonders mangelt - an Lehrerinnen und Lehrern. Denn um den Unterricht analysieren und verbessern zu können, muss er erst einmal stattfinden.

Vor ein paar Tagen haben die Elternvertreter an Gymnasien protestiert, dass Schüler wegen des hohen Unterrichtsausfalls in Baden-Württemberg geringere Zukunftschancen als ihre Altersgenossen aus anderen Bundesländern hätten. Das Ziel, genügend fähige Lehrerinnen und Lehrer anzustellen, um den Unterricht an Schulen stattfinden zu lassen, sollte deshalb das erste Ziel der Kultusministerin sein. Leider hört man dazu erstaunlich wenig.

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