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11th of December 2018

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Revolution in der Strahlentherapie | SWR Wissen

Einen Krebsherd direkt während der Bestrahlung beobachten - genau dazu dient ein neues Gerät, das jetzt in Tübingen vorgestellt wurde. Die Ärztin kann dann sofort reagieren, wenn der Tumor sich beim Atmen oder durch Darmbewegungen verschiebt. SWR-Medizinredakteurin Ulrike Till sagt, was es bringen wird.

Das neue Gerät kombiniert die Möglichkeiten eines MRT mit einer Bestrahlungseinheit. Daniela Thorwarth will dieses Hybrid-MRT möglichst bald bei Patienten einsetzen. Sie ist Medizinphysikerin und Professorin am Uniklinikum Tübingen.

Die ersten Tests liefen noch an Maultaschen, längst gibt es aber geglückte Aufnahmen von Freiwilligen. Im Herbst soll es dann richtig losgehen:

Mit dieser neuen Technologie können wir vor und während einer jeden Bestrahlungssitzung genau sehen, wie sich die Form und Größe des Tumors bezüglich der gestrigen Sitzung verändert hat, und können unsere Strahlentherapieplanung, unsere Dosierung auf den Tumor, die Form der Strahlenfelder, direkt an die Situation heute anpassen.“

Durch das Hybrid-MRT kann die Fläche des bestrahlten Gewebes deutlich verringert werden

Zur Zeit machen Ärzte vor der Bestrahlung möglichst präzise Aufnahmen mit CT oder im Kernspin. Doch was sich durch die Bestrahlung verändert hat, kann oft erst nach Wochen kontrolliert werden. Deshalb müssen Radiologen sogenannte „Sicherheitssäume“ einkalkulieren: um trotz möglicher Verschiebungen den kompletten Tumor zu erwischen, bestrahlen sie ein etwas größeres Gebiet als zwingend nötig. Das wird sich bei der neuen Form der Strahlentherapie wohl ändern, so Professor Daniel Zips, Leiter der Radioonkologie am Uniklinikum Tübingen. Die notwendigen Sicherheitsabstände können bei der Bestrahlung im Hybrid-MRT reduziert werden. Doch Zips ist vorsichtig:

Das darf man natürlich nur im Rahmen von Studien und unter strenger Aufsicht tun. Eienrseits bedeuten niedrigere Sicherheitssäume weniger bestrahltes gesundes Gewebe. Dadurch erwarten wir, dass weniger Nebenwirkungen auftreten. Doch sollten die Sicherheitssäume auch nicht zu knapp sein, sonst wird der Tumor nicht mehr adäquat bestrahlt.

Ab Herbst: Einsatz des Hybrid-MRT bei Prostata- und Darmkrebs sowie bei Tumoren am Kopf

In Tübingen sind zunächst Studien bei Patienten mit Tumoren an Prostata und Darmausgang geplant, außerdem sollen Krebsherde an Kopf und Hals bestrahlt werden. Gerade bei Kopftumoren ist die klassische Bestrahlung oft problematisch. Die Mediziner hoffen nun mit der magnetresonanzgeführte Strahlentherapie den Tumor in der Kopf-Hals-Region präziser als bisher treffen zu können.

Das schont den Schluckapparat. Dadurch wird auch das Risiko für Nebenwirkungen - wie zum Beispiel jahrelange Schluckstörungen - verringert. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Bestrahlung an den bereits schrumpfenden Tumor angepasst werden kann. Das heißt, die Bestrahlungsfelder können verkleinert werden und die gesamte Behandlung wird dadurch schonender.

Ziel: für jeden Krebstumor eine maßgeschneiderte Therapie

Die Magnetresonanztomografie ermöglicht gestochen scharfe Bilder von weichen Strukturen – gerade Tumore lassen sich so optimal sichtbar machen. Der Radioonkologe Daniel Zips will das auch nutzen, um für jeden Kranken eine maßgeschneiderte Therapie zu entwickeln: Mit dem neuen Kombigerät sieht man sofort, in welchen Bereichen des Tumors die Strahlen wie gewünscht wirken und wo nicht, erklärt Zips:

Bei denen, die gut ansprechen, könnte man beispielsweise testen, die Therapie zu verkürzen, weniger Strahlendosis einzustrahlen, weniger Nebenwirkung bei gleicher Tumorheilungswahrscheinlichkeit. Und bei denen, wo der Tumor schlecht anspricht, die Strahlendosis zu steigern. 

Noch verhindern die hohen Anschaffungskosten den breiten Einsatz von Hybrid-MRTs

Rund neun Millionen Euro kostet der Tübinger MR-Linac, finanziert von der deutschen Forschungsgemeinschaft. Das zweite deutsche Hybrid-Gerät steht am Uniklinikum Heidelberg, weitere Kombigeräte werden derzeit an den besten Krebszentren der Welt getestet. Manche haben sogar eine eingebaute Abschalt-Automatik, erklärt Daniela Thorwarth:

Sobald der Patient jetzt hustet oder sich irgendwie doch ein bisschen bewegt, zuckt, oder auch einfach durch Verschiebungen im Bauchraum der Tumor sich bewegt, schaltet das Gerät sich aus, weil sie feststellen können, aha, der Tumor hat sich aus dem Strahlenfeld wegbewegt.

Dennoch wird die aufwendige neue Technik erst nach und nach im klinischen Alltag ankommen – auch wegen der hohen Kosten. Doch die Tübinger Mediziner sind sicher, dass diese funktionell in Echtzeit geführte Strahlentherapie für viele Behandlungskonzepte der Standard werden wird. Sie setzen darauf, dass sich das neue Behandlungskonzept innerhalb der nächsten zehn Jahre durchsetzt.

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