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18th of July 2018

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Sex-Kolumne : Sprechen wir über Körperbehaarung bei Frauen

Können wir bitte mal über ein Thema sprechen, das mir echt am Herzen liegt? Eine Sache, über die wir gemeinhin einen Schleier aus Schweigen, Naserümpfen und Peinlich-berührt-Sein breiten? Können wir bitte, verdammt nochmal, über Körperbehaarung reden?

Fangen wir easy an, ich möchte niemanden überfordern.

Ich mag Haare. Am liebsten mit ordentlich Struktur. Dicke Locken, in die ich reingreifen kann. Dunkle Haare liebe ich, ebenso wie sonnengebleichtes Pizzarandblond, doch auch Grau hat etwas für sich, dann gerne adrett gescheitelt. Wir reden hier von Kopfhaaren, klar. Denn im Intimbereich sind Haare einfach nicht angesagt. Und das seit Jahrzehnten. Wir waxen und rasieren, dass es nur so blitzt.

Haare bedeuten nicht gleich weniger Hygiene

Haare, die nicht auf dem Kopf wachsen, sind für viele noch immer ein Unding. Mehr noch. So manche(r) setzt Körperbehaarung gleich mit mangelnder Körperhygiene. Erst neulich diskutierte ich auf Facebook mit einer jungen Dame, die der Meinung war, unrasierte Achseln würden den Schweiß auffangen und aus einer heißen Mieze eine smelly Cat machen. Als ich ihr offenbarte, dass ich mir als Single im Winter eher einen Fuß abhacken würde, als mich regelmäßig an besagter Stelle zu rasieren (wozu der Stress?) und dennoch supergut dufte, verstummte sie. Ja, es ist wahr: Auch als Frau mit temporär unrasierten Achseln ist es mir möglich, mich regelmäßig zu duschen und Deodorant zu benutzen. Und das, wenn nötig, auch mehrmals täglich. Denn nur der stinkt, der sich nicht wäscht.

Ja, ich gestehe: Ich habe kein Problem mit Körperbehaarung. Weder mit der anderer, noch mit meiner eigenen. Der Aha-soso-Moment kam mir vor einigen Jahren, als ich als Set-Assistentin bei der Produktion eines US-Porno-Labels arbeitete. Eine der Darstellerinnen, eine wunderschöne Amerikanerin mit Bubble Butt und langer Mähne, trug untenrum Busch. Einen rabenschwarzen Afro, der über und über ihre Muschi bedeckte. Kein akkurat gestutztes Dreieck oder gar ein Landestreifen. 100 Prozent reinster Wildwuchs. Und nicht eine Sekunde lang schämte sich die Schöne, sondern trug ihre Haarpracht mit Stolz und Anmut, ließ sich hemmungslos beglücken und lecken und machte damit alle Anwesenden ganz wuschig. Darunter mich.

Ein Problem, das keines ist

Ich war bereits in meinen Dreißigern, als ich zum ersten Mal darüber nachdachte, warum drei gekräuselte Haare, die aus einem Bikinihöschen hervorlugen, für so einen Radau sorgen. Für einen Aufschrei der Empörung gar, bei Männern wie Frauen gleichermaßen. Mein Fazit: Weil es uns anerzogen wurde. Wissen Sie, ich begann mich ernsthaft mit dem Thema Körperbehaarung auseinanderzusetzen und entdeckte dabei zwei Dinge, die mich bis heute begleiten.

Hier Nummer eins: Ich liebe das gelockte Dreieck zwischen meinen Beinen. Manchmal stutze ich es, meistens nicht. Ich finde es einfach wunderhübsch und werde mich nie wieder dafür schämen. Habe ich einen Partner, der mich adrett geshaved schöner findet, gehe ich Kompromisse ein oder lasse auch mal alles bei der Depiladora meines Vertrauens in Form waxen. Denn ja, auch glatt und babyweich finde ich mich wunderbar. Es ist eine Stimmungsfrage und unter anderem davon abhängig, wie viel Abwechslung ich brauche. Doch den Gedanken, mich rasieren zu MÜSSEN, um schön zu sein, den habe ich vor Jahren für immer entsorgt.

Körperbehaarung bei Männern?

Wenn Sie mich fragen, ist diese Erkenntnis nicht nur unbedingt auf weibliche Körper zu beziehen. Auch Männer hadern immer wieder mit ihrer Körperbehaarung, schämen sich für ihren behaarten Rücken oder die haarigen Oberarme. Mein Tipp: Sie sind schön, wie Sie sind. Ob nun pelzig oder glatt. Lassen Sie sich nichts anderes einreden. Glauben Sie mir, die richtige Frau liebt und begehrt Sie so, wie Sie da vor ihr stehen. Oder liegen.

Wir Menschen sind nun einmal mit Haaren ausgestattet, akzeptieren Sie das. Auf der Brust, auf dem Venushügel, zwischen unseren Beinen, den Arschbacken (ja, auch Frauen haben da Haare), auf Hoden, Füßen, Zehen. Unsere Körperbehaarung ist so natürlich wie unsere Arme, Beine oder Ihre pfeilgerade Nase. Und ja, das alles lässt sich verändern und gemäß des eigenen Gustos optimieren. Wenn man denn will. Und das ist der Punkt, den Sie für sich herausfinden sollten. Finden Sie Ihre Brustbehaarung tatsächlich so schlimm, dass Sie sich den Stress mit dem Rasurbrand wieder und wieder geben? Oder handelt es sich dabei um eine Haltung, die Sie durch jahrzehntelange gesellschaftliche und mediale Beeinflussung schlichtweg übernommen haben? Seien Sie ehrlich zu sich selbst, und dann handeln Sie entsprechend.

Seien Sie tolerant!

Und: Üben Sie sich in Toleranz, was die Pelzigkeit anderer angeht. Auch das gehört dazu. Selbstverständlich sollen und dürfen Sie Ihrer Traumfrau mitteilen, dass Ihnen ein cleaner Landing Strip besser gefällt als ein üppig wuchernder Vorgarten. Solange Sie den Wunsch höflich und nicht als Ansage formulieren und die wie auch immer geartete Antwort akzeptieren, ist alles tutti, wie wir in meiner Heimat, dem Ruhrpott, sagen.

Die zweite Erkenntnis übrigens, die ich vor Jahren aus meiner Beschäftigung mit dem Thema Körperbehaarung mitnahm, ist diese: Ich stehe auf Girls mit behaarten Achseln. Wirklich. Eine schmale Spur dunklen Flaums unter den Armen einer schönen Frau bringt mich zum Schnurren. Also wirklich. Sie ja vielleicht auch. Lassen Sie es doch mal auf einen Versuch ankommen.

Mimi Erhardt ist Sex-Kolumnistin für GQ und GQ.de.  Hier erfahren Sie mehr über die Autorin.

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