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14th of November 2018

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Herbert Grönemeyer: "Wenn wir an die Wand fahren, dann sind wir schuld"

Für die an diesem Donnerstag erscheinende Dezember-Ausgabe hat die GQ Herbert Grönemeyer zum Interview zur Lage der Nation getroffen. Am Donnerstagabend wird der Musiker in Berlin bei den 20. "GQ Men of the Year"-Awards in der Kategorie "Legend" ausgezeichnet. "Seine Lieder gehören zum kollektiven Gedächtnis Deutschlands, sie sind Statements zum Zeitgeist und zur Lage des Landes", sagt GQ-Chefredakteur Tom Junkersdorf, der das Interview führte.

Die Wiedervereinigung ist noch lange nicht vollendet

Angesichts eines spürbaren Rechtsrucks in Deutschland und einer bundesweit erstarkenden AfD äußert sich Herbert Grönemeyer in dem Exklusiv-Interview beunruhigt: „Wir haben meiner Meinung nach drei Sorgen in Deutschland: Wir haben die Sorge um die Geflüchteten, wir haben das Thema mit der Wiedervereinigung, und wir haben ein ganz großes Problem, über das wir am wenigsten sprechen: Wie fühlt sich das eigentlich für die Menschen mit Migrationshintergrund an, die schon seit 50, 60 Jahren hier leben? (…) Die sind nämlich verunsichert. Die merken in den Straßen, dass sie zum Teil anders angeschaut werden.“

Fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung sei Deutschland immer noch durch die Heterogenität von Ost und West geprägt. „Diese Wiedervereinigung ist noch lange nicht beendet“, so Grönemeyer. Die bestehenden Probleme sieht der 62-Jährige in einer vernachlässigten Kommunikation seitens der Politik: „Das werfe ich zum Beispiel auch Frau Merkel vor (…) Sie wäre jemand gewesen, der uns den Osten hätte erklären können. Sie hätte uns – Herr Gauck übrigens auch – mal die Welt der Menschen im Osten erklären müssen. (…) Das hat sie nicht gemacht. Und das werfen ihr die Menschen im Osten jetzt natürlich auch vor.“ Statt Aufklärung habe es aber nie „eine wirkliche, respektvolle Zusammenführung dieser beiden Seiten gegeben. Und das ist das, was uns jetzt gerade verunsichert. Sobald wir ängstlich werden in Deutschland – und das hat nicht nur mit dem Osten zu tun, genauso auch mit dem Westen –, fangen wir an, sofort in diesen anonymen Rassismus zu verfallen, weil wir denken, das ist eine Chance.“

Wir haben wenige Journalisten, die auch Haltung beziehen

Bei den GQ Awards wird Grönemeyer exklusiv mit Songs aus seinem kurz vor Veröffentlichung stehenden Album „Tumult“, in dem er die Situation in Deutschland und die nervösen, unruhigen Zeiten thematisiert, auftreten. Orte für öffentliche Debatten fehlen dem Musiker in Deutschland: „Da sind die Medien ganz stark gefragt! Die dramatischste Debatte war für mich dieses letzte Kanzlerduell, wo da vier Journalisten standen – und was haben die gefragt? Nichts! Ich meine, mit so einem Journalismus kommst du in Deutschland keinen Millimeter voran. Wir haben wenige Journalisten, die auch Haltung beziehen. Es gibt immer diese Form: Ich interviewe jemanden, der sagt etwas, aber selbst? Da kommt nichts. Es gibt ja kaum Journalisten in Deutschland, vor denen die Politiker Angst haben. Geschweige denn, dass die auch noch Fragen gestellt kriegen, die sie nicht wollen. Wir brauchen einen extrem vitalen, nervenden Journalismus, und wir brauchen eine extrem vitale Kultur in der Öffentlichkeit.“

Das GQ-Interview nutzt der Musiker für einen öffentlichen Appell. „Eine Gesellschaft hat auch eine Funktion, wir als Gesellschaft sind wie Eltern, und die sagen ganz klar: ‚Bis hierhin und keinen Millimeter weiter! Aus! Schluss! Und da wird auch nicht debattiert. Die Menschen, die sich Sorgen machen oder Ängste haben, können sich gerne artikulieren in der Demokratie. (…) Aber nicht, indem sie anfangen, vor Wut Schwächere oder Menschen aus anderen Herkunftsländern anzugreifen, das ist feige.“ Deshalb will Grönemeyer seine Mitbürger zum eigenverantwortlichen Handeln aufrufen: „Die Verantwortung liegt bei uns, nicht bei den Politikern. Man kann sagen: ‚Das finde ich nicht richtig!‘ Aber man kann nicht sagen: ‚Wir sind jetzt an die Wand gefahren, weil die schuld sind!‘ (…) Wenn wir an die Wand fahren, dann sind wir schuld. Wir sind die Gesellschaft, wir haben das in der Hand, und wir sind dafür verantwortlich, dass dieses Land lebenswert bleibt, nicht nur die Politiker!“

DIE AKTUELLE GQ

Neben dem vollständigen Interview mit Herbert Grönemeyer gibt es mehr zu allen Gewinnern der "GQ Men of the Year Awards" - darunter Orlando Bloom, Patrick Dempsey und Donatella Versace. Das Heft ist ab Donnerstag im Handel   oder hier online erhältlich.

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