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14th of November 2018

Mann



Modekommentar: Heiko Maas trägt Lederjacke und Sneaker - na und?

Es ist nur wenige Wochen her, dass eine kurze Hose im Kanzleramt eine Modedebatte in Deutschland auslöste. Jetzt entbrannte eine neue Diskussion, nur handelt es sich dieses Mal nicht um die Kleiderwahl eines „Normalsterblichen“, sondern um das Outfit eines amtierenden Politikers. Heiko Maas, Außenminister und SPD-Gesicht, trat am Sonntagabend vor die Presse in einer schwarzen Lederjacke, Slim Fit Jeans und weißen Sneakern. Der Anzug blieb im Schrank.

An Tagen wie diesen

Nun ist die aktuelle Stimmung bei der SPD nach den Wahlen in Bayern und Hessen vermutlich auf einen Rekordtief. Grund genug um die übliche Rüstung aus Wolle und schwungvoll gebundener Seide um den Hals abzulegen? Auf jeden Fall. Wie oft stehen Politiker in der Kritik der Presse und Öffentlichkeit, wenn sie zu viel Wert auf ihre Garderobe legen (Gerhard Schröder, der "Brioni-Kanzler"), in dicken Benzinern chauffiert werden oder gar eine Rolex tragen. Natürlich gibt es Anlässe, die im Zuge der Tradition ein „Sonntagsoutfit“ erfordern. In diesem Fall handelte es sich aber nicht um die Beisetzung eines verstorbenen Staatsoberhaupts, sondern um ein kurzes Statement von Herr Maas gegenüber der Presse – an einem Sonntag. That’s it.

Dann sollen Sie doch Kuchen essen

Bei einer brenzligen Lage scheint es außerdem nicht verkehrt, sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren, die gerade Beachtung benötigen. So auch bei der SPD: Der Kopf gehört jetzt der Arbeit, nicht der Wahl des Kragens. Fänden Sie es tatsächlich besser, wenn Herr Maas sich aktuell in einen maßgefertigten Zweiteiler präsentieren würde, der mehrere Monatsmieten eines Durchschnittsbürgers kostet? WIR fänden das genauso in Ordnung, wie seinen Casual-Look. Betrachtet man aber die außerordentlich ironischen und bissigen Kommentare auf Twitter, merkt man, wie groß die Außenwirkung von Mode ist und wie desillusioniert spießig Deutschland ist. Ein Politiker sollte, sofern es der Anlass erlaubt, tragen dürfen, was er möchte. Und ein gut sitzender Freizeit-Look ist allemal besser, als ein alter, ausgebeulter Anzug aus dem letzten Jahrzehnt.

Dass Kleiderordnungen dem Wandel unterliegen, ist geschichtlich bewiesen und notwendig. Es gab Zeiten, in denen die Farbe Rot ausschließlich dem König oder dem Adel vorbehalten war. Möchten wir wirklich dahin zurück? Wem überlassen wir die Freiheit, zu bestimmen, wer was zu tragen hat? Die Menschen, die voller Frust und Ärger schlechtsitzende Anzüge von der Stange kaufen, weil man das „zu diesem blöden Vorstellungsgespräch tragen MUSS“, sind dieselben, die jetzt mit mehr oder weniger witzigen Kommentaren einen Politiker auf Twitter zur Lachnummer machen, weil er sich eben nicht für einen Anzug entschieden hat. Gebt diesen Spießern bitte keine Bühne!

Der Dresscode der oberen Zehntausend

Wenn wir alle Rot tragen dürfen und nicht nur die Queen, wieso darf ein amtierender Politiker nicht auch in Lederjacke und Jeans ein Statement abgeben? Das Outfit von Maas sitzt besser als so manch ein Anzug seiner Kollegen. Zeugt nicht gerade DAS von mehr Respekt und Höflichkeit, die den schimpfenden Massen auf den sozialen Netzwerken bei Maas gefehlt hat? Ich trage auch lieber ein perfektes T-Shirt anstelle eines verknitterten Hemdes. Apropos… Mark Zuckerberg revolutionierte den CEO-Dresscode mit Shirt, Jeans und Sneaker. Und obwohl dieser Mann einer der reichsten Menschen der Welt ist und mit seiner Arbeit das Leben von (fast) uns allen beeinflusst und prägt, flachte die Diskussion um Zuckerbergs Outfits sehr schnell ab. Und dennoch, wussten Sie, dass die Hosen und T-Shirts des Facebook-CEOs maßgefertigt sind? Darüber spricht keiner. In den Augen der Massen ist ein T-Shirt nur ein T-Shirt.

Und nun?

Es gibt Berufe, die eine klassische Kleiderordnung erfordern. Ärzte müssen steril sein, Polizisten im Notfall direkt erkennbar und die Feuerwehr braucht robuste Schuhe. Sehen Sie die Gemeinsamkeit? Das sind Uniformen. Die Uniform des Politikers sollte eine gute Bildung und Engagement für das Volk sein, alles andere bleibt fakultativ. Wir plädieren an der Stelle für mehr Gelassenheit und frischen Wind im Kopf, Kleidung wird zu häufig Opfer von Stigmatisierungen. In einer Stilkritik vom Magazin der Süddeutschen Zeitung kommentierte die Autorin den Look von Maas mit: „Wird auch getragen von: Werbern, Stuttgarter Tatort-Kommissaren, GQ-Redakteuren“. Woher die Erkenntnis? Ich sehe mich um in der Redaktion und sehe keinen einzigen im „Maas-Look“… ist wohl doch nur ein Klischee. Schließlich tragen auch nicht alle meine Kollegen von der Süddeutschen Tweed-Jacketts mit Lederflicken, oder?

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