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17th of November 2018

Deutschland



Kettler wirft den Rettungsanker

Werl/Ense - Rettung in buchstäblich allerletzter Minute für das Traditionsunternehmen Kettler mit Produktionsstätten in Werl und Ense.

Mit vereinten Kräften vieler Beteiligter ist es gelungen, das drohende Aus für den Freizeitartikelproduzenten abzuwenden. Das erfuhr die mehr als 700-köpfige Belegschaft am frühen Freitagabend in einer kurzfristig angesetzten Mitarbeiterversammlung. 

Seit Wochen erlebten die Beschäftigten, aber auch die Öffentlichkeit eine Mischung aus Wirtschaftsdrama und Wirtschaftskrimi – mit einem guten Ausgang, der noch zur Wochenmitte in weite Ferne gerückt schien.

Finanzierung "zunächst gesichert"

Knackpunkt war und blieb bis zuletzt die dringend erforderliche Zwischenfinanzierung, ohne die bei Kettler an diesem Wochenende die Lichter ausgegangen wären. In einer Presseinformation teilte die Geschäftsführung mit, dass diese Finanzierung „heute zunächst gesichert werden konnte“. 

Was sich bis zur Bekanntgabe hinter den Kulissen abspielte, war an Spannung nicht zu überbieten. Zunächst hatte der Vorstandssprecher der Heinz-Kettler-Stiftung, Andreas Sand, am Donnerstagabend die Brocken hingeworfen, weil er das Verhalten des Kuratoriums nicht länger hinzunehmen bereit war.

Wechsel im Stiftungsvorstand

Das war der Zeitpunkt, da sich die Stiftungsaufsicht einschaltete und massiv durchgriff. Sand wurde zum allein vertretungsberechtigten Vorstand ernannt, sein Vorstandskollege Werner Scheiwe sowie das dreiköpfige Kuratorium mit dem frühen Kettler-Finanzchef Manfred Sauer an der Spitze ihrer Ämter enthoben. Dadurch war es möglich, dass die Stiftung das Geld für die Zwischenfinanzierung bereit stellen konnte; unterstützt wird dies durch den Finanzierungskreis der Kettler GmbH und das Land NRW. 

Nach Wochen der Verhandlungen könne das Unternehmen „nun wieder neue Hoffnung auf eine positive Fortführung des Geschäftsbetriebs setzen“, schreibt Kettler-Sprecherin Stefanie Risse. Die Verhandlungen mit potenziellen Investoren werden kurzfristig fortgesetzt; auch der zwischenzeitlich abgesprungene Interessent Altera Capital gehört wieder zu den Gesprächspartnern.

Massekredit muss erreicht werden

Am Abend meldete sich der Jurist Dr. Armin Sieber im Auftrag der Stiftung und teilte mit, dass der Münchner Rechtsanwalt Dr. Christoph Schotte zum Sachwalter der Stiftung bestellt worden sei. Es gelte nun, einen Massekredit durch die Stiftung zu erreichen – für die Fortführung des operativen Geschäfts und den Einstieg eines Investors. Bis zuletzt war das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium in das Ringen um Kettler eingeschaltet. 

Pressesprecher Matthias Kietzmann sagte, es sei eine „gute Zwischenlösung“ gelungen, die nicht nur ein paar Tage halten werde. Kietzmann bestätigte, dass das spektakuläre Eingreifen der Stiftungsaufsicht mit der Entmachtung Scheiwes und des kompletten Kuratoriums der Stiftung erst den Weg frei gemacht hatte für die Rettung des Unternehmens.

Wirtschaftsminister froh und hoffnungsvoll

Am Abend meldete sich Wirtschaftsminister Dr. Andreas Pinkwart und versicherte, er sei froh, „dass es letztendlich doch noch in buchstäblich letzter Sekunde gelungen ist, den Weg für eine Lösung zu eröffnen“. Pinkwart äußerte die Hoffnung, dass es „jetzt sehr zeitnah zu einer Übernahme des Gesamtunternehmens und nach vielen Jahren der Ungewissheit zu einer verlässlichen Zukunft für die Beschäftigten kommt“. 

Er hätte sich dabei „etwas weniger Dramatik gewünscht“, so der Minister weiter, der ausdrücklich der Stiftungsaufsicht beim Arnsberger RP dafür dankt, „den jetzt beschrittenen Weg überhaupt erst ermöglicht zu haben“. Alfons Eilers, eigentlich als IG-Metall-Gewerkschafter seit August im Ruhestand, war bis zuletzt in die Rettungsversuche eingebunden; er dankte der Belegschaft für ihre Solidarität.

Das sagt Alfons Eilers:

Alfons Eilers nahm im Anschluss an die Versammlung im Interview Stellung: „Ein Großteil der Belegschaft glaubte ja, wir würden heute das Ende verkünden. Nun geht es aber weiter, was jedoch auch bedeutet, dass es in den kommenden Tagen noch viele Gespräche geben wird, um das, was wir heute verkündet haben, letztendlich irgendwo auch in Verträgen zu regeln. Dazu haben wir jetzt die Zeit, und wir müssen sehen, was die kommenden Tage und Wochen bringen.“ 

Prognosen will er keine geben: „Ich habe schon einmal gesagt, wir sind bei 95 Prozent, und dann waren wir doch wieder ganz am Anfang. Da wir hier keine Gesellschafterstruktur haben, dafür aber sehr viel Akteure, kann sich täglich, wenn nicht gar stündlich etwas ändern. Aber nun haben wir eine Plattform, auf der man arbeiten kann. Die war bis heute nicht gegeben, und das würde ich so deuten, dass wir eine gute Chance haben, auf dieser Plattform aufzubauen."

Die Stimmen:

Kenan Buz, Betriebsrat: Für uns ist das eine große Erleichterung. Ich bin im Betriesrat und arbeite hier seit 40 Jahren. Ich bin in diesem Betrieb aufgewachsen, in meinem Alter bekäme ich kaum woanders eine Stelle. Und ich habe keine Lust, Hartz IV beziehen zu müssen. Und es hängen ja nicht nur wir dran, sonden auch unsere Familien, 700 Familien! Kettler muss weitermachen, das Unternehmen ist sehr wichtig für die ganze Region, die unter einem möglichen Ende sehr leiden würde.

Volker Klein, Mitarbeiter: So genau weiß ich auch nicht damit umzugehen, das klang für mich ja noch so optimistisch. Aber die Hauptsache ist: Erst einmal geht es weiter, dann schauen wir mal.

Mitarbeiterin, anonym: Ich fühle mich sehr gut nach dieser Nachricht. Auf jeden Fall geht es drei Monate weiter, das ist für uns sehr wichtig, denn wir müssen doch auch unsere Miete zahlen!

Tobias Hoch, Mitarbeiter Vertrieb: Eine Riesenerleichterung. Mein Gefühl nach dieser langen Hängepartie ist: The Show must go on. Wir waren mit dem Gedanken ja schon auf dem Absprung, aber jetzt können wir am Montag wieder anfangen, alles rausholen und die Sache zu einem guten Ende bringen.

Wir berichten weiter.

Alle Hintergründe zur Situation der Firma Kettler finden Sie an dieser Stelle.

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