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14th of November 2018

Deutschland



Labor der Moderne: Das Landesmuseum in Münster zeigt „Bauhaus und Amerika“

MÜNSTER - Glas, silbern glänzende, gelochte Metallscheiben, ein Motor. 1930 schuf László Moholy-Nagy eine Maschine, die unter Licht puren Zauber entfaltet. Das „Lichtrequisit für eine elektrische Bühne“ war das erste große Lichtkunstobjekt. Im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster kann man es tanzen sehen.

Das Haus zeigt in der Ausstellung „Bauhaus und Amerika“ nicht das Original. Das existiert zwar noch, funktioniert aber nicht mehr. Doch der Nachbau von 2006 vermittelt einen guten Eindruck von dem Pionierwerk.

Das Bauhaus wird bundesweit gefeiert. 2019 wird das vom Architekten Walter Gropius gegründete Institut 100 Jahre alt. Bis 2020 gibt es gerade auch in Nordrhein-Westfalen eine Fülle von Veranstaltungen. Und so wie einst der „Hagener Impuls“ von Karl Ernst Osthaus auch Gropius‘ Gründung inspirierte, geht nun das Museum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe voran. In der faszinierenden Ausstellung legen die Kuratorinnen Tanja Pirsig-Marshall und Kristin Bartels den Akzent nicht auf das, was man gemeinhin mit dem Bauhaus verbindet: Architektur und Design. In Münster kann man das Bauhaus als Labor für ästhetische Experimente entdecken. Dazu wurden mehr als 150 Exponate von mehr als 50 Künstlern versammelt. Dabei spannt sie den Bogen von Arbeiten aus der aktiven Bauhaus-Zeit unter anderem von Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer bis zu solchen von Gegenwartskünstlern.

Etwas mehr als ein Jahrzehnt lang hatten Gropius und seine Kollegen erst in Weimar, dann in Dessau und Berlin versucht, die Grenzen zwischen den Künsten aufzulösen. Die Nationalsozialisten schlossen 1933 das Bauhaus. Viele Bauhäusler emigrierten in die USA und trugen die Ideen weiter. In Einrichtungen wie dem Black Mountain College in North Carolina, an dem Josef Albers lehrte, und dem New Bauhaus in Chicago, dessen Leitung Moholy-Nagy übernahm, wurden die Konzepte fortgeschrieben und prägten die moderne Kunst in den USA.

Startpunkt ist die Bühnenwerkstatt des Bauhauses, die 1921 gegründet wurde und sich als ideales Experimentierfeld erwies. Unter der Leitung von Oskar Schlemmer arbeiteten von 1923 an Tänzer, Maler, Musiker an fortschrittlichen Performances, bei denen Darsteller mit leuchtenden Stäben arbeiteten oder ihre Körper durch voluminöse Kostüme verfremdeten. Auf einem Foto von 1922 sieht man Schlemmer als Tänzer in seinem „Triadischen Ballett“, und das Kostüm verwandelt ihn in eine Puppe. In dem Raum kann man auch ein Karussell von Marcel Dzama mit Puppen aus Dosenaluminium (2011) sehen, die direkt an Bühnenentwürfe Schlemmers und Kandinskys anknüpfen.

An diese Erfahrungen knüpften auch die emigrierten Bauhäusler in den USA an. Tanz wurde ein Leitmedium am Black Mountain College, wo Xanti Schawinsky multimediale Bühnenproduktionen entwickelte. Schawinskys Collagen lassen ahnen, wie avanciert er den Körper durch Kostüme abstrahierte, wie er Bewegung und Licht als eigenständige ästhetische Elemente einsetzte. Im zweiten Raum der Schau sieht man diese Arbeiten, aber auch viele Videos und andere Werke von Künstlern, die am Black Mountain College lehrten, lernten oder sich darauf beziehen: der Komponist John Cage, der Choreograf Merce Cunningham, der Videokünstler Nam June Paik, der Performancekünstler Bruce Nauman. Überraschend, wenn man hier dem Pop-Art-Vertreter Robert Rauschenberg begegnet, der 1963 den Tanzfilm „Pelican“ entwickelte. Schon von 1950 datiert der 240 cm hohe Druck „Blueprint“ (mit Susan Weil), die lebensgroße Studie eines bewegten Körpers.

Auch der „Lichtspielapparat“ von Ludwig Hirschfeld-Mack (1923), der in Münster in einer rekonstruierten Fassung zu sehen ist, führt Choreografien vor. Freilich geht es hier um Bewegung in der Fläche, wie eine Art Film, nur dass sich hinter der Leinwand Tänzer mit Farbtafeln bewegten. Das Resultat sieht aus wie belebte abstrakte Kunstwerke etwa von Paul Klee oder Kandinsky.

Überhaupt gaben die US-Ableger des Bauhauses der Lichtkunst Impulse. Von den Fotoexperimenten Moholy-Nagys und von György Kepes führt eine Linie zu den Arbeiten der deutschen Zero-Gruppe um Heinz Mack und Otto Piene, von denen frühe Arbeiten ausgestellt sind wie ein „Lichtrelief“ aus Aluminium von Mack (1965). Aber auch die Wahrnehmungskunst eines James Turrell steht in dieser Tradition, wie die Installation „Raethro Pink“ (1968) belegt, bei der nur mit einer Lichtprojektion in einer Ecke die Illusion einer schwebenden Pyramide erzeugt wird.

Ein Abschnitt ist der Malerei von Josef Albers gewidmet. Das Landesmuseum besitzt eine eindrucksvolle Werkgruppe mit Quadrat-Gemälden und Grafik. Eine Kunstrichtung wie die Op-Art, die Malerei der visuellen Illusion, ist stark von Albers inspiriert, und sein Schüler, der US-Maler Richard Anuszkiewicz, malte gar ein über zwei Meter hohes Bild „Temple to Albers“ (1984).

Bis nach Hollywood kam das Bauhaus. 1935 ließ Otto Fischinger bunte Quader, Streifen, Punkte zur Musik von Otto Nicolai tanzen. Die „Komposition in Blau“ läuft in Münster in Endlosschleife. Der beschwingte Animationsfilm machte Eindruck. Fischinger wurde von Walt Disney engagiert und wirkte unter anderem an dem Musikfilm „Fantasia“ (1940) mit.

Bis 10.3.2019, di – so 10 – 18 Uhr, Tel. 0251/ 5907 201, www.bauhaus-amerika.de,

Katalog, Kerber Verlag, Bielefeld, 27 Euro

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