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20th of October 2018

Kultur



Familienmusical "Heidi" mit Längen

Eine neue Inkarnation des Stoffes um "Heidi" und ihre Gabe, das Licht in dunklen Herzen anzuknipsen, bringen Michael Schanze und Hans Dieter Schreeb auf die Bühne. Bei der Uraufführung am Mittwoch in Wien ging es - gesanglich beschlagen und in Starbesetzung - vor allem operettenhaft bis volkstümlich zu. Trotz einiger Längen kam das "Heidi"-Familienmusical beim Premierenpublikum gut an.

"In Heidi darf gelacht, geweint, gerockt und geträumt werden", heißt es im Programmheft. Eines vorweg: Zumindest "gerockt" wird jedenfalls nicht. Denn die Produktion unter der Regie von Manfred Waba präsentierte sich in der Halle E des Wiener Museumsquartiers doch eher verhalten, beschwingt und zu sehr aus der Zeit gefallen, um daran etwas "Rockiges" zu finden - auch wenn es an dem Abend nicht an Rockträgern mangelt.

In diese Riege lässt sich auch Alfons Haider in seiner Funktion als trachtig gewandete Erzählerin einreihen. Als Johanna Spyri (1827-1901) - Originalautorin der mittlerweile zigfach populärkulturell aufgegriffenen "Heidi"-Erzählungen aus den 1880er Jahren - spricht der Publikumsliebling in Videoaufzeichnungen die "Kinder" immer wieder an und führt durch den Abend. Auf der von Regisseur Waba gestalteten Bühne gibt Haider zusätzlich noch den Bürgermeister und den Vater der "an den Rollstuhl gefesselten" Klara Sesemann (Rebecca Soumagné).

Gleich zu Beginn wird klar, dass man eine sehr klassische Herangehensweise an die Geschichte des zwischen der Schweizer Alm und der Großstadt Frankfurt hin- und hergeschobenen Waisenmädchens gewählt hat. Trotz einer einmarschierenden Blaskapelle und viel Bewegung auf der Bühne will das Musical, um die sehr konsequent als "das Heidi" (Vanessa Zips) angesprochene quirlige Hauptfigur jedoch lange nicht Fahrt aufnehmen. Für ein paar Lacher sorgen zwar von Menschen verkörperte Ziegen, sonst dominiert das Herunterdeklinieren der Geschichte in eher schablonenhaften Dialogen.

So manche vom Band kommende, aufkeimende Melodie mit Potenzial muss im ersten Teil rasch wieder "Umtata"-Rhythmen weichen. Davon lässt sich Musical-Vollprofi Uwe Kröger als in der Maske deutlich gealterter, hinkender "Alm-Öhi" aber nicht beirren und liefert routiniert ab. Ein wenig Pepp kommt erst kurz vor der Pause mit der Sesemann'schen Dienerschaft und dem von Maya Hakvoort mit viel Freude als echte Schreckschraube verkörperten Fräulein Rottenmeier in die Sache. Ihre stärkeren Momente hat die Musik, die nicht mit einem großen wiederkehrenden Thema aufwartet, in den ruhigeren Passagen, die auch Heidi und Klara stimmlich sehr gut meistern.

Ohne größere Zwischentöne oder wirklich treffende komödiantische Brechungen steuert die inklusive Pause nahezu dreistündige Produktion recht brav auf das unausweichliche Happy End zu. Bedient werden im Rahmen des Familienmusicals vor allem junge Zuseher mit Sitzfleisch, Menschen mit besonderer nostalgischer Beziehung zu Spyris Geschichte und nicht zuletzt richtige Musical-Aficionados. Für Menschen, die sich nicht zu einer dieser Gruppen zählen, kann die Neuauflage der ewigen Geschichte auch zur sprichwörtlichen "ewigen Gschicht" werden. Diese geht übrigens tatsächlich in Verlängerung: Seit heute werden Karten für sieben zusätzliche Termine im April 2019 verkauft.

Quelle: APA Read More




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