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23rd of January 2018

Auto



Konzeptauto Marzal Der Lamborghini, der zu freizügig war

Ferruccio Lamborghini war der Wagen nicht züchtig genug. Die Automobilgeschichte ist voller irrer Entwürfe, die erst begeisterten und dann verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die gewagtesten. Diesmal: der Lamborghini Marzal.

Schönes Ding: Lamborghini Marzal: Der lässt tief blicken Lamborghini/ Fabio Principe Donnerstag, 04.01.2018   04:18 Uhr

Ferruccio Lamborghini mochte das Auto nicht. Als er zum ersten Mal die riesigen und vor allem gläsernen Flügeltüren der Studie sah, soll er gesagt haben: "Die Beine einer Dame können nun von jedem gesehen werden." Damit war klar, dass der bei Bertone designte Lamborghini Marzal ein Einzelstück bleiben würde.

Trotzdem beeinflusste das Unikat die Automobilwelt wie nur wenige andere Studien. Als der Wagen beim Autosalon in Genf 1967 zum ersten Mal gezeigt wurde, galt er auf Anhieb als Sensation. Noch nie zuvor hatte man ein derart kühn und radikal geschnittenes Automobil gesehen. Schon allein die Grundform wirkte wie aus der Zukunft herbei gerast. Und dann waren da noch die spektakulären Details: sechseckige Instrumente, Schalensitze mit sechseckigen Sitzflächen und Rückenlehnen, sechs extrem schmale Frontscheinwerfer, ein Glasdach und natürlich die riesigen, ebenfalls komplett verglasten Flügeltüren.

Ein englischer Journalist nannte das Auto, das die Messebesucher wie ein ästhetischer Schlag getroffen haben muss, "das vielleicht extravaganteste Stück virtuosen Designs, das in Europa seit dem Krieg zu sehen war". Hinter den Formen und Raffinessen des Marzal steckte der damals 28 Jahre alte Chefdesigner von Bertone, Marcello Gandini.

Im Grunde hatte er auf sehr spezielle Weise versucht, einen lange gehegten Wunsch Ferruccio Lamborghinis zu erfüllen: Der Patron wollte unbedingt einen viersitzigen Gran Turismo bauen. Und so entstand, auf einem um zwölf Zentimeter verlängerten Chassis des Mittelmotor-Sportwagens Miura, ein Viersitzer. Allerdings keiner mit schwungvoll eleganter Karosserie wie eh und je, sondern ein Auto mit dem Willen zu unbedingter Rasanz, Klarheit und Geometrie.

Durch den Marzal keimte bei Lamborghini eine bis heute die Marke prägende Designidee: die der anmutigen Brutalität. Plötzlich wurden aus Ecken und Kanten stilbildende Elemente. Je zackiger, desto besser. Es begann 1971 mit dem Lamborghini Countach und gilt bis heute, bis zu den Modellen Huracan oder Aventador.

Ein halbierter Zwölfzylinder werkelte im Heck

Auch technisch ist der Marzal eine Ausnahmeerscheinung. Die Studie ist der einzige Sportwagen der Marke mit Heckmotor. Dabei handelt es sich um einen halbierten V12, also einen Reihensechszylinder mit 2,0 Liter Hubraum und 175 PS. Dass der Wagen tadellos fährt, war schon kurz nach der Premiere in Genf zu sehen: Als am 7. Mai 1967 Fürst Rainier von Monaco und Fürstin Gracia Patricia im Lamborghini Marzal das Formel-1-Rennen in Monte Carlo eröffneten und eine Ehrenrunde fuhren.

Der Lamborghini Marzal landete, nachdem sich die Autowelt an ihm sattgesehen hatte, zuerst im Werksmuseum von Lamborghini, dann in dem von Bertone. 2011 wurde das Einzelstück während der Oldtimershow Concorso d'Eleganza in der Villa d'Este am Comer See versteigert. Der Hammer fiel bei einem Gebot von 1,512 Millionen Euro.

Einen viertüriger Gran Turismo von Lamborghini wurde übrigens, in weitaus verbindlicherer Optik, auch noch auf die Räder gestellt. 1968 debütierte das ebenfalls bei Bertone gestylte Modell Espada, mit V12-Frontmotor und ähnlich schlanker, gestreckter Karosserie wie der Marzal. Selbstverständlich hatte der Espada konventionelle, unten herum blickdichte Türen.

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