Add to favourites
News Local and Global in your language
14th of November 2018

Reise



Wellness im Luxushotel: Experte erklärt, was ein gutes Spa ausmacht - WELT

Der US-Amerikaner Jeremy McCarthy lebt in Hongkong, ist aber ständig unterwegs, entweder um neue Spas zu kreieren oder um Vorträge über Psychologie und Wellness zu halten. Bei so viel kräfteraubender Arbeit erwartet man ein paar Anzeichen der Müdigkeit. Aber der 48-Jährige wirkt munter und ausgeruht – gerade so, als habe er die letzten paar Stunden auf der Massagebank und im Dampfbad verbracht. Tatsächlich kommt er aus einem Meeting, das zwei Stunden länger gedauert hat als geplant.

WELT: Auf was achten Sie, wenn Sie ein Spa zum ersten Mal betreten?

Jeremy McCarthy: Ich beobachte die Erfahrungen, die ich bei der Begrüßung mache. Wie werde ich empfangen? Und weil sich im Eingangsbereich auch meist die Verkaufsfläche des Spas befindet, schaue ich mir genau an, welche Produkte verwendet und wie sie präsentiert werden. Man sollte ein Buch nicht nach dem Umschlag beurteilen, aber hier gibt es erste Hinweise darauf, wie gut und professionell ein Spa geführt wird. Das können auch Laien erkennen.

WELT: Kaum ein Luxushotel verzichtet auf ein Spa. Ist das sinnvoll?

McCarthy: Anspruchsvolle Reisende erwarten ein Spa. Ich glaube, dass es wichtig ist, Gästen großartige Erlebnisse zu bieten. Ein schönes Spa gehört einfach dazu.

Bei "Mandarin Oriental" erwarten die Gäste einen Wellness-Bereich – auch wenn ihn viele nicht nutzen Bei "Mandarin Oriental" erwarten die Gäste einen Wellness-Bereich – auch wenn ihn viele nicht nutzen

Quelle: Mandarin Oriental Hotel Group

WELT: Sie leiten den Wellness-Bereich der Luxushotelgruppe Mandarin Oriental. Nehmen Ihre Hotelgäste die Spas überhaupt in Anspruch?

McCarthy: Durchschnittlich tun das nur ungefähr zehn Prozent der Gäste. Das Gleiche gilt für den Pool und das Fitnesscenter. Aber unsere Gäste möchten trotzdem wissen, dass diese Einrichtungen vorhanden sind – für den Fall der Fälle sozusagen.

WELT: Sollte man Hotel-Spas nicht auch externen Gästen zur Verfügung stellen?

McCarthy: Wir machen das. Wir bieten Mitgliedschaften an, die auch gerne in Anspruch genommen werden. Das lohnt sich: In Hongkong, London und New York erzielen wir rund 70 Prozent unseres Umsatzes mit lokalem Publikum. Dank dieser Einnahmen kann das Angebot unserer Spas erheblich erweitert und verbessert werden.

WELT: Kann man sich darauf verlassen, dass das Spa eines Luxushotels gut ist?

McCarthy: Natürlich gibt es auch im Fünf-Sterne-Bereich Qualitätsunterschiede. Aber ich glaube, man kann halbwegs darauf vertrauen, dass das Spa in einem Luxushotel gut sein wird. Die Wahrscheinlichkeit, dort eine positive Erfahrung zu machen, ist jedenfalls höher, als wenn man auf gut Glück in ein lokales sogenanntes Day-Spa geht.

WELT: Worin unterscheiden sich Hotel-Spas und unabhängige Day-Spas genau?

McCarthy: Es gibt auch großartige unabhängige Spas. Im Allgemeinen sind jedoch Einrichtung, Angebot und Service in Hotel-Spas besser, weil sie als Teil der Hotelerfahrung betrachtet werden und die Zufriedenheit der Gäste oberste Priorität hat.

WELT: Manche Spas sind menschenleer. Wie erklären Sie sich das?

McCarthy: Kirchen sind unter der Woche auch leer. Beim Spa ist es ähnlich: Es gibt bestimmte Tageszeiten und bestimmte Wochentage, an denen sie ausgelastet, und andere, die eher ruhig sind.

WELT: Funktionieren Spas in manchen Ländern besser als in anderen?

McCarthy: Es gibt geografische Unterschiede. Manche Regionen haben eine ausgeprägte Badekultur, etwa der Mittlere Osten mit den Hamams oder Finnland mit seinen Saunen. Dort gehört der Besuch einer Spa-ähnlichen Einrichtung zum Alltag. In anderen Ländern betrachtet man das eher als einen Luxus für besondere Gelegenheiten.

Lesen Sie auch Derzeit Deutschlands beste Sauna-Aufgießerin: Anja Becker tanzt als Ballerina zum Aufguss Event-Aufgüsse

WELT: Zeigen sich nationale Unterschiede auch in der Wahl der Anwendungen?

McCarthy: Ja. Menschen aus Ländern mit einer traditionellen Badekultur fühlen sich auch fern der Heimat mit anderen in der Sauna wohl. Chinesen würden den Nassbereich vermutlich gar nicht betreten, sondern die Abgeschiedenheit der Massagekabine bevorzugen. Das hat auch mit dem unterschiedlichen Empfinden von Nacktheit zu tun.

WELT: Inwiefern?

McCarthy: Europäer gehen lässig damit um, in arabischen Ländern ist das ganz anders. Für viele Deutsche, Schweden oder Schweizer ist nichts dabei, splitterfasernackt in einer gemischten Sauna zu sitzen, in Dubai werden Männer und Frauen schon beim Betreten eines Spas voneinander getrennt. Auch viele Asiatinnen ziehen sich nicht vor unbekannten Männern aus.

Lesen Sie auch Ryokan in Japan: Eine Japanerin bereitet auf traditionelle Weise Tee zu Japans Gästehäuser

WELT: Welche Anwendungen sind in Ihren Hotels besonders beliebt?

McCarthy: Definitiv die Massagen. Das hängt auch damit zusammen, dass Hotelgäste oft lange Flugreisen oder anstrengende Geschäftstermine hinter sich haben und etwas Entspannung brauchen. Gerne gebucht werden auch regionaltypische Anwendungen, etwa eine Gesichtsbehandlung mit Luxuskosmetik-Produkten in Paris oder eine marokkanische Hamam-Erfahrung in Marrakesch – also das, was man anderswo nicht ohne Weiteres bekommt.

WELT: Wie wichtig ist der ganzheitliche Aspekt des Spa-Erlebnisses?

McCarthy: Wellness wird immer ganzheitlicher. Vor 20 Jahren stand das Aussehen im Mittelpunkt, also Fitness, Figur und Falten. Heute geht der Trend zum mentalen Wellness, man beschäftigt sich mit Emotionen, psychischem Wohlgefühl, Belastbarkeit.

WELT: Kommt Ihnen da Ihr Psychologie-Studium gelegen?

McCarthy: Ich bin schon lange der Meinung, dass ein Spa-Erlebnis zu allererst eine psychische Erfahrung ist. Letzten Endes geht es um ein Gefühl. Spas sind einer der letzten Orte in unserer modernen Gesellschaft, an denen man wirklich abschalten kann. Dazu kommt die Berührung heilender Hände und die Tatsache, dass jemand einem seine ungeteilte Aufmerksamkeit widmet. Das ist es, was den Menschen guttut.

WELT: Hat diese Erkenntnis die Art und Weise verändert, wie Spas gestaltet und geführt werden?

McCarthy: Ich betrachte Spas als ein allgemeingültiges Angebot – jenseits aller kultureller Unterschiede. Es ging und geht um einen Ort mit heilender Wirkung. Das ist kein Trend, das war immer so.

Abschalten von der Hektik der Großstadt: In Häusern von "Mandarin Oriental" können sich auch Einheimische behandeln lassen Abschalten von der Hektik der Großstadt: In Häusern von "Mandarin Oriental" können sich auch Einheimische behandeln lassen

Quelle: Mandarin Oriental Hotel Group

WELT: Aber die Spa-Welt ist doch heute nicht die gleiche wie vor 20 Jahren?

McCarthy: Spas sind populär und massenkompatibel geworden, dadurch ist der Wettbewerb innerhalb unsere Branche gewachsen. Jedes Spa muss sich heute positionieren und von anderen unterscheiden. Deshalb sehen wir so viele unterschiedliche Entwicklungen, Design-Elemente, Sinneserfahrungen, Serviceleistungen und Produkte. Man versucht, anders und besser zu sein als die Konkurrenz.

WELT: Wie machen Sie das bei Mandarin Oriental?

McCarthy: Um erfolgreich zu sein, braucht ein Spa entweder sehr talentiertes Personal, das Geld kostet, und/oder großartige Anlagen, die Geld kosten. Wir sind fast überall in der Lage, beides zu bieten. Darüber hinaus konzentrieren wir uns auf die wertvollsten Erfahrungen, die ein Spa heute zu bieten hat, auf rar gewordene Erlebnisse: Raum, Stille und die Möglichkeit, abzuschalten.

WELT: Wie genau sieht das aus?

McCarthy: Unser „Digital Wellness“ ist ein gutes Beispiel. Wir haben uns gefragt: Wie schaffen wir es, unseren Gäste eine Pause von der Technologie zu bescheren? Um dieses Thema herum haben wir Anwendungen entwickelt, bei denen alle technologischen Geräte garantiert außer Reichweite sind. Das heißt auch: keine Mobiltelefone in der Bademanteltasche.

WELT: Welche wären Ihre drei Wünsche für einen perfekten Spa-Besuch?

McCarthy: Ich würde mich vor der Behandlung über ein luxuriöses Baderitual freuen, das meinen Aufenthalt verlängert. Dann hätte ich gerne einen Therapeuten, der auf seinem Gebiet ein Experte ist und mir ein besonderes und persönliches Erlebnis beschert. Und drittens möchte ich wirklich abschalten können.

WELT: Als jemand, der alles ausprobiert hat: Welche ist Ihre Lieblingsbehandlung?

McCarthy: Da entscheide ich mich für eine Thai-Massage, die den ganzen Körper miteinbezieht. Danach fühle ich mich erfrischt, entspannt, wie neugeboren.

Liebt Thai-Massagen: Spa-Experte Jeremy McCarthy Liebt Thai-Massagen: Spa-Experte Jeremy McCarthy

Quelle: Mandarin Oriental

Zur Person: Jeremy McCarthy

Der gebürtige New Yorker Jeremy McCarthy (48) war schon auf vielen Feldern erfolgreich: Er war Triathlet, hat als Rettungsschwimmer und Fitnesstrainer gearbeitet, ein Psychologie-Studium an der University of Pennsylvania absolviert und Bücher geschrieben, darunter „The Psychology of Spas & Wellbeing“. Heute leitet er den Spa- und Wellness-Bereich der Mandarin-Oriental-Hotelgruppe und betreut in dieser Funktion derzeit weltweit 29 Spas – von Miami über Macau bis München.

Read More




Leave A Comment

More News

DIE WELT - Reise

Aktuelles zum Thema Reisen

Urlaub, Reisen, Flüge,

SPIEGEL ONLINE - Reise

Reise - Reiseberichte und

Reise

derStandard.at › Reisen

Reisen & Leben

op-online.de - ReiseZeit

Empfehlungen der Redaktion

Disclaimer and Notice:WorldProNews.com is not the owner of these news or any information published on this site.