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23rd of January 2018

Wissen



Vibrator Livo ist Weltraumtechnik aus Sachsen - WELT

Julia Ryssel aus Dresden wusste schon lange, dass sie mal ein Unternehmen gründen will. Nur in welchem Bereich, das war der 30-Jährigen unklar: Bis sie im Studium mit Verfahren aus der Luft- und Raumfahrttechnologie in Berührung kam. „Ich wollte die intelligente Technik auf einen ganz normalen Bereich im Alltag übertragen“, sagt die Ingenieurin.

Warum also nicht als Antrieb in einem Sexspielzeug? Ihr sei aufgefallen, dass die Lautstärke bei den bestehenden Geräten das größte Manko sei. „Die Vibrationsmotoren erreichen 40 bis 50 Dezibel“, erklärt Ryssel.

Das sei ungefähr so laut wie ein Rasierapparat und im Bett nicht gerade sexy, sondern eher störend. Dank sogenannter intelligenter Materialen, die eben auch im All eingesetzt werden, sind Elektromotoren überflüssig. Die Werkstoffe reagieren selbstständig auf Umwelteinflüsse und werden elektronisch angesteuert.

Die gleiche Technik wie bei Raumfahrtsonde Rosetta

Ein Sextoy, das nicht brummt, sondern geräuschlos pulsiert. Und ein Sextoy, das mit derselben Technik betrieben wird wie das Sonnensegel auf der Raumfahrtsonde Rosetta. So entstand die Idee des Weltraumvibrators. Bei den ersten Testerinnen kam der Prototyp gut an. Die Massage habe den Frauen neue sinnliche Erfahrungen gegeben, so Ryssel.

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Also gab die Baustofftechnikerin ihre wissenschaftliche Karriere auf, beantragte internationale Patente auf die komplexe Antriebstechnik und gründete die Laviu GmbH – mit Sitz in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden.

Nicht nur Ryssels Produkt ist ungewöhnlich – auch sie selbst ist es. Frauen als Unternehmensgründerinnen sind in Deutschland immer noch selten. Die Start-up-Szene gibt sich gern jung und hip, wird als „Zukunft der deutschen Wirtschaft“ gefeiert – doch sie ist wenig weiblich. Zwar gründen in Deutschland inzwischen rund 40 Prozent Frauen ein Unternehmen. Allerdings gilt das nicht für Start-ups. Da liegt ihr Anteil bei nur 15 Prozent, wie aus dem „Deutschen Startup Monitor 2017“ hervorgeht. Im Hightechbereich sind es noch weniger.

Jungunternehmer Ryssel (l.) und Cirillo-Schmid: Sie hatte die Idee, er entwarf das Design Jungunternehmer Ryssel (l.) und Cirillo-Schmid: Sie hatte die Idee, er entwarf das Design

Quelle: Lavius

Das hänge mit der immer noch vorherrschenden Machokultur zusammen, sagt Claudia Große-Leege, Geschäftsführerin des Verbands deutscher Unternehmerinnen. „Der selbstbewusste Mann sticht mehr vor als die Frau, die sich zurückhält oder bei der die gleichen Charaktereigenschaften anders bewertet werden.“ Zum Beispiel werde ihr selbstsicheres Auftreten oft als zickig oder herrisch fehlinterpretiert. Außerdem seien Frauen in den „Mint“-Berufen wie Mathematik und Naturwissenschaften immer noch unterrepräsentiert.

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Verschärft wird das Problem auch dadurch, dass überwiegend Männer am Finanzierungshebel sitzen. Die Folge: Frauen erhalten aufgrund ihres Geschlechts bedeutend weniger Kapital als Männer, stellten Forscher der Harvard-Universität fest.

Auch Jungunternehmerin Julia Ryssel gründete ihre Firma nicht allein. Als sie 2015 Laviu ins Leben rief, waren sie zu zweit. Ihr Mitbegründer Martin Cirillo-Schmidt übernahm das Design des Vibrators.

Früher die Lochtrommelwaschmaschine

Der Erotikfachhändler Amorelie sei der Wegbereiter für ihr Start-up gewesen. Amorelie und dessen Gründerin Lea-Sophie Cramer holten als Erste das Sexspielzeug in den Mainstream und mischten die angestaubte Branche auf. „Vibratoren und Co. sind heutzutage nichts Schmuddeliges mehr, sondern vielmehr ein Lifestyleprodukt“, sagt auch Ryssel.

Die Finanzierung stellte bei den beiden kein Problem dar: Laviu sammelte mehr als eine Million Euro von Investoren und durch Crowdfunding ein, ihr Produkt wurde mehr als 650 Mal vorbestellt. Außerdem zeichnete Sachsen sie mit dem Innovationspreis futureSAX aus.

Für die Landes-AfD ist das Ganze ein Ärgernis: „War Sachsen früher stolz auf Erfindungen wie die Lochtrommelwaschmaschine, den mechanischen Webstuhl oder die erste funktionstüchtige in Deutschland gebaute Dampflokomotive, sollen es heute Sexspielzeuge sein“, sagte der damalige AfD-Vorsitzende Thomas Hartung im November 2016.

Ryssel nimmt’s gelassen. Schließlich schaffe ihr Unternehmen Arbeitsplätze, sie zahle Steuern, und alle Produktionsschritte würden in Deutschland, die meisten sogar in Sachsen, ausgeführt.

Es braucht mehr weibliche Vorbilder

An der Serienproduktion hapert es gerade noch. Sie sind deutlich im Verzug, gibt Ryssel zu: „Wir haben unterschätzt, wie komplex es ist, alles in Handarbeit zusammenzusetzen.“ Momentan entwickeln sie und ihr Team Werkzeuge, die bei der Montage helfen sollen. Sonst dauere jeder Schritt zu lang, und die Arbeit sei am Ende nicht rentabel.

Die Mutter einer knapp zwei Jahre alten Tochter glaubt, dass es noch mehr weibliche Vorbilder brauche, von denen Unternehmerinnen wie sie dann lernen könnten – Frauen, mit denen man sich identifizieren könne. „Wenn man sieht, dass es auch andere geschafft haben, dann gibt einem das Mut.“

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