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17th of November 2018

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Hitlerputsch: Der 9. November 1923

Hitlerputsch: Der 9. November 1923 - das ist passiert

Der Hitlerputsch am 9. November 1923: Inflation, innere Unruhen und außenpolitische Konflikte - die junge deutsche Republik befindet sich im Jahr 1923 in einer Krise. Immer mehr Menschen sehnen sich nach den Eliten des Kaiserreichs. Adolf Hitler plant indes am 9. November einen Umsturz  und einen Putsch.

Der 9. November 1923: Der deutsche Staat befindet sich in einer Krise. Die Wirtschaft liegt am Boden, die innere Sicherheit wird durch Aufstände bedroht. Dazu kommt die Angst vor den Franzosen, gegen jene man den ersten Weltkrieg verloren hatte. Der skrupellose Adolf Hitler sieht seine Chance: Der Umsturz zur Diktatur – von München nach Berlin.

Aufstände in Sachsen, Besetzung des Ruhrgebiets

Eine starke Inflation macht das Geld wertlos, die Wirtschaft ist nahezu zusammengebrochen. In Sachsen und Thüringen bedrohen Umsturzversuche von Kommunisten die innere Ordnung. Nach Vorbild der russischen Aufstände von 1917 errichten im sogenannten „deutschen Oktober“ KPD und linke Sozialdemokraten proletarische Arbeiterregierungen.

Auf der anderen Seite ist das Ruhrgebiet von Frankreich und Belgien besetzt. Das Deutsche Reich befand sich weiterhin in der Geißel der Kriegsschuld und hatte Reparationszahlungen zu leisten. Kohle- und Koksproduktion werden deshalb zur Erfüllung der deutschen Pflicht als Pfand genommen. Ein Glücksfall für Separatisten, welche sich mit Hilfe Frankreichs abspalten wollen.

Viele Bürger des deutschen Reiches haben deswegen Angst. Angst vor einem Bürgerkrieg. Angst vor dem totalen Chaos. Man sehnt sich nach Ordnung, nach Sicherheit. Nach den alten Zuständen, in denen ein starkes autoritäres Regime die Geschicke des Reiches geleitet hatte, zusammen mit einem starken Militär.

"Ordnungszelle Bayern": Bastion konservativer Eliten

Die Eliten des alten Kaiserreiches sind weiterhin im Reich vertreten. Sie sitzen in Behörden, arbeiten bei der Polizei. Am stärksten sind derlei konservative Gesinnungen in Bayern zu finden. Unter ihnen befindet sich der machthungrige und scharfsinnige Vorsitzende der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) Adolf Hitler. Sein Ziel: Ein von Bayern aus gerichteter Umsturz der Regierung. Eine Etablierung der Diktatur im deutschen Reich.

Dabei scheinen die Umstände in Bayern günstig für den Österreicher. Das Verhältnis Bayerns zum Deutschen Reich verschlechtert sich zusehends. Die Menschen sehen aufgrund der sozialistischen Regierung in Berlin die Selbstständigkeit Bayerns bedroht - die Eigenständigkeit der Post, Bahn und des Militärs in Bayern, welche man durch die Reservatrechte im Bismarck-Reich zugesprochen bekam, ist nichtig.

Der Weg für konservative, rechte Strömungen scheint somit frei. 1920/21 etabliert Ministerpräsident Gustav von Kahr sinnbildlich unter dem Stichwort „Ordnungszelle Bayern“ ein straffes und skrupelloses Regiment. Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus locken dabei Rechtsradikale, wie beispielsweise Erich Ludendorff, aus den umliegenden Gebieten an. Während diesen Zeiten erlangt die seit 1921 von Hitler geführte NSDAP beachtliche Versammlungserfolge in Bayern.

"Ruhrkampf" und Ausnahmezustand

Währenddessen spitzt sich die außenpolitische Lage im Ruhrgebiet zu. Der im Januar ausgerufene „passive Widerstand“ (es wurden keine Reparationszahlungen mehr gezahlt, die Wirtschaft mit Hilfe von Generalstreiks lahm gelegt) gegen die Franzosen im sogenannten „Ruhrkampf“ wird am 26. September 1923 abgebrochen.

Bayern, das auch die bayerische Pfalz an Frankreich verloren hatte, verhängt den Ausnahmezustand - zeitgleich verhängt auch die Reichsregierung den Ausnahmezustand über das Deutsche Reich. Ministerpräsident von Kahr wird zum Generalstaatskommissar ausgerufen und erhält somit praktisch diktatorische Vollmacht: Die Möglichkeit neben dem Parlament zu agieren.

Er zieht Landespolizeichef Hans von Seißer auf seine Seite. Außerdem beruft von Kahr den bayerischen Reichswehr-Kommandanten Otto von Lossow zum Landeskommandanten und nimmt damit die Reichswehr für Bayern in die Pflicht. Nach den kommunistischen Umstürzen in Thüringen versucht von Kahr mit Hilfe der Armee die Grenzen vor den „Roten“ zu schützen.  Er geht damit auch in Konfrontationskurs zu Berlin.

All diese Entwicklungen verunsichern Hitler. Er sieht sein Vorhaben in Gefahr und fürchtet die Handlungsfäden zu verlieren.

Plante Hitler bereits früher den Umsturz?

Bereits im Vorfeld waren Stimmen laut geworden Hitler plane einen Putsch. Am 1. Mai organisierte er zusammen mit Führern der „Vaterländischen Verbände“ und insgesamt 25.000 Mann einen bewaffneten Aufmarsch gegen eine Kundgebung der Sozialisten. Darunter versammelten sich die nationalsozialistische SA unter Führung von Hermann Göring, der „Bund Oberland“ sowie die „Reichsflagge“ unter Hauptmann a.D. Adolf Heiß.

Für Hitler wirkte diese Feier „niederdrückend für die überwältigende Menge einer Stadt, die in der roten Fahne des 1. Mai das Blut der Geiseln vom Jahre 1919“ und „die schmerzlichste Erinnerung an das zusammenbrechende Vaterland" sah, wie er später verlauten ließ. Nachdem die Regierung das Polizeiaufgebot verstärkte, ließ er allerdings von seinem Vorhaben ab.

Ein Jahr später schließlich beschließt er nun tatsächlich den Putsch.

Hitler-Putsch 1923 Am 8. November 1923 ist Hitler im Bürgerbräukeller im Gasteig zu einer Versammlung mit von Kahr, Lossow, Seißer, Ministerpräsident Eugen von Knilling und einigen Ministern eingeladen. Hitler hatte bereits im Vorfeld die Umgebung mit bewaffneten Einheiten des Kampfbundes besetzt. Während  von Kahr über den Marxismus eine Rede hält, ergreift Hitler das Zepter. Mit einem Schuss in die Luft verschafft er sich Ruhe und seinen Auftritt. Er bringt mit Hilfe seiner Truppen das „Triumvirat“ aus van Kahr, Lossow und Seißer in ein Nebenzimmer und erreicht schließlich, unter vehementem Druck, die Zustimmung zur Gründung einer neuen Reichsregierung. Auch Ludendorff wurde zu dem Treffen dazu geholt. Die übrigen anwesenden Minister lässt Hitler verhaften.Die neue Reichsregierung sollte folgendermaßen aussehen:Adolf Hitler: Politische FührungErich Ludendorff: NationalarmeeOtto von Lossow: ReichswehrministerHans von Seißer: PolizeiministerGustav von Kahr: Statthalter der Monarchie in BayernErnst Pöhner: Bayerischer MinisterpräsidentBlutbad an der Feldherrnhalle

Allerdings war die neu-geschmiedete Allianz nicht von langer Dauer. Das „Triumvirat“ widerruft noch am selben Abend die Zustimmung, Kultusminister Franz Matt proklamierte den Weiterbestand der Regierung. Ludendorff allerdings sieht noch eine weitere Chance. Mit Hilfe von in den letzten Tagen zur Unterstützung Hitlers herbeieilenden rechten Verbänden, beschließt er am 9. November einen bewaffneten Demonstrationszug durch die Stadt. Ziel ist das Wehrkreiskommando VII in der Ludwigsstraße, das Röhm mit den Putschisten besetzen konnte, um auch die Armee um sich zu scharen. Jedoch nimmt der etwa 2.000 Mann starke Zug am Odeonsplatz ein jähes Ende, als sich der bayerische Innenminister Franz-Xaver Schweyer den Umsturzwilligen in den Weg stellt. Nachdem die Anhänger Hitlers das Feuer eröffnen, schießen die Polizisten zurück. Der Zug endet in einem Blutbad: 15 „Kampfbündler“, ein Zivilist sowie vier Polizisten sterben.

Hitler gelingt die Flucht nach Uffing am Staffelsee. Dort versteckt er sich in der Villa seines Gönners Ernst Hanfstaengl. Am 11. November wird er schließlich gefunden und verhaftet. Er wird in das Gefängnis in Landsberg am Lech gebracht, wo er schließlich bis 1924 in Festungshaft sitzt. Am 20. Dezember 1924 wird er auf Bewährung entlassen.

In Folge des Putsches wird die NSDAP verboten. Der neu gegründete „Völkische Block“ erlebt bei der nächsten Landtagswahl ein Debakel. Auch die neu gegründete Regierung unter Ministerpräsident Heinrich Held im Juni 1924 wird zum Problem für Hitler. Bayern distanziert sich unter der neuen Führung zunehmend von den Putschisten. Hitler sieht sein Vorhaben gescheitert und versucht nun sein Ziel auf formal legalem Wege zu erreichen.

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