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19th of October 2018

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Geoengineering: Das ist laut IPCC-Bericht der Plan B zur Klimarettung

Ozeandüngung und Umleitung des Sonnenlichts: IPCC-Experten halten ihn für unumgänglich: Das ist ihr Plan B zur Klimarettung Danke für Ihre Bewertung! 0

Dem alarmierenden Sonderbericht des Weltklimarats IPCC zufolge wird das Einhalten des 1,5-Grad-Ziels knapp. Plan A, Treibhausgase gar nicht erst entstehen zu lassen, könnte daher nicht allein ausreichen, um das Ziel zu erreichen. Die Experten glauben, dass auch Plan B in Kraft gesetzt werden müsse. Er heißt Geoengineering.

Ausbau der erneuerbaren Energien oder Verzicht auf Verbrennungsmotoren - solche Maßnahmen spielen im Kampf gegen den Klimawandel seit langem eine zentrale Rolle. Technische Verfahren, um etwa der Erdatmosphäre klimaschädliches Kohlendioxid zu entziehen, wurden hingegen lange als unrealistisch und potenziell gefährlich abgetan.

Der Weltklimarat IPCC hebt in seinem am Montag veröffentlichten Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel allerdings hervor, dass zur Umsetzung der Zielvorgabe des Pariser Abkommens herkömmliche Klimaschutzmaßnahmen nicht ausreichen werden. Zusätzlich zu Plan A, Treibhausgase gar nicht erst entstehen zu lassen, muss dem Expertengremium zufolge auch Plan B in Kraft gesetzt werden, mit technologischen Eingriffen in die Umwelt, sogenanntem Geo-Engineering, den Klimawandel abzumildern.

Die deutsche Klimawissenschaftlerin und IPCC-Autorin Sabine Fuss etwa ist sicher, dass das 1,5-Grad-Ziel nur eingehalten werden kann, indem in großem Stil CO2 wieder aus der Atmosphäre entfernt wird. Das Ausmaß könne allerdings durch vermehrte Klimaschutzanstrengungen verringert werden, erklärte die Forscherin des Mercator Research Institute.

Umgekehrt gelte: "Je länger die Welt mit ambitionierten Maßnahmen zum Klimaschutz wartet, desto entscheidender wird die Bedeutung von CO2-Entnahme-Technologien", erklärte Fuss weiter. Möglich ist eine solche Treibhausgasreduzierung dadurch, dass CO2 aus der Atmosphäre entfernt wird. Zum anderen könnte die Erderwärmung aber auch durch die Umleitung eines Teils der Sonnenstrahlen zurück ins Weltall verringert werden.

CO2-Speicherung

In Experimenten wurde die Möglichkeit nachgewiesen, CO2 direkt aus der Luft zu saugen, um es dann entweder in Brennstoff-Pellets umzuwandeln oder es klimaneutral unter Tage zu lagern. Ein von Microsoft-Gründer Bill Gates unterstütztes Unternehmen hat für dieses Verfahren 2015 eine Pilotanlage in Kanada errichtet. Ein anderes Unternehmen tat es der kanadischen Firma dieses Jahr in Island gleich.

Nachteile: Bislang ist die CO-Speicherung immens teuer und daher nicht im großen Maßstab anwendbar.

Massive Aufforstung

Eine beträchtliche Anpflanzung von Bäumen könnte die CO2-Konzentration in der Atmosphäre deutlich verringern und damit den Treibhausgas-Effekt abmildern.

Nachteile: Selbst wenn der Trend zur Zerstörung von Wäldern umgekehrt wird, könnte eine massive Aufforstung daran scheitern, dass nicht mehr genügend Flächen für die Landwirtschaft und die Erzeugung von Bio-Kraftstoffen übrig blieben.

BECCS

Das Verfahren Bioenergy with carbon capture and storage (BECCS) - zu deutsch Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Lagerung - vereint natürliche Prozesse mit Hightech-Verfahren. Dabei werden Pflanzen wie Raps, Zuckerrohr, Mais oder Rutenhirse angebaut, die während ihres Wachstums der Atmosphäre CO2 entziehen. Wenn die abgeernteten Pflanzen dann zur Energiegewinnung verbrannt werden, wird das dabei frei werdende CO2 aufgefangen und gespeichert.

Auf diese Weise werden "negative Emissionen" erreicht: Nach Ablauf des Prozesses ist weniger Kohlendioxid in der Atmosphäre als vorher. Praktisch alle Klimamodelle zur Erreichung  des 1,5-Grad-Ziels im Pariser Abkommen weisen dem BECCS-Verfahren eine entscheidende Rolle zu.

Nachteile: Studien zufolge müssten mindestens 40 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen für Bio-Kraftstoffe zur Verfügung gestellt werden. Dies könnte allerdings die weltweite Lebensmittelversorgung gefährden.

Eisendüngung der Meere

Mikroskopisch kleine Meerespflanzen namens Phytoplankton nehmen während ihres Wachstums CO2 auf. Wenn sie absterben, sinken sie mitsamt dem gespeicherten CO2 auf den Meeresboden. Das Wachstum von Phytoplankton wird durch einen natürlichen Eisenmangel begrenzt. Ihr Wachstum kann durch Düngung mit Eisensulfat-Puder stark angeregt werden.

Nachteile: Wissenschaftler befürchten unerwünschte Nebenwirkungen der Eisendüngung. So könnte der Sauerstoff-Verbrauch von massenhaft Phytoplankton weitere riesige "Todeszonen" in den Weltmeeren schaffen, in denen kein Leben mehr gedeiht.

Beschleunigung der Gesteinsverwitterung

Durch den chemischen Prozess der Verwitterung von Gestein werden der Erdatmosphäre jährlich rund eine Milliarde Tonne CO2 entzogen - also rund zwei Prozent der CO2-Emissionen der Menschheit. Durch die Verteilung von Eisensilikat über bestimmten Erdregionen wie den Meeren und den Tropen kann dieser Prozess beschleunigt werden, wie in Experimenten nachgewiesen wurde.

Nachteile: Für dieses Verfahren genügend Eisensilikat, sogenanntes Olivin, abzubauen und zu mahlen, könnte sich als zu teuer herausstellen.

Biokohle

Biokohle wird gewonnen, indem Pflanzenabfälle über einen langen Zeitraum in sauerstoffarmer Umgebung, etwa unter der Erde, erhitzt werden. Sie kann CO2 sehr lange speichern und überdies durch an ihrer Oberfläche abgelagerte Mineralstoffe Böden düngen.

Nachteile: Die Wissenschaft untersucht derzeit noch, wie schnell diese Methode in großem Umfang angewendet werden kann und wie stabil Biokohle bei ihrer Nutzung als Dünger ist.

Umleitung der Sonnenstrahlung

Bei dieser Strategie geht es nicht um die Minderung des CO2-Anteils in der Atmosphäre, sondern um eine Verringerung der Erderwärmung durch die Umleitung eines Teils der Sonnenstrahlen zurück ins Weltall. Nach dem Vorbild der Natur, wo etwa Vulkanasche Sonnenstrahlen reflektiert, müssten dazu Ballons oder Flugzeuge kleine reflektierende Partikel in der Stratosphäre hoch über der Erde ausbringen. Außerdem könnte die Struktur von Wolken künstlich verändert werden, damit sie mehr Sonnenstrahlen von der Erde fern halten.

Nachteile: Das Verfahren ändert nichts an der CO2-Anreicherung in der Atmosphäre, die etwa zur Übersäuerung der Meere führt. Außerdem könnte der künstliche Eingriff in das Wetter Niederschlagsmuster verändern. Bei einem Ausfall der Strahlungsumleitung droht eine plötzliche gefährliche Erderwärmung.

Der Plan B scheint noch sehr vage

Ob diese Techniken in näherer Zukunft so eingesetzt werden können, dass sie klimarelevant sind, ist aber noch fraglich. In einem Bericht vom Institute for Advanced Sustainability (IASS) in Potsdam heißt es, dass etwa die Techniken, die das zu viel ausgestoßene CO2 wieder aus der Atmosphäre entnehmen, noch an einer frühen Stufe der Entwicklung stehen.

"Eine Umsetzung dieser Technologien, die klimarelevant ist, ist in näherer Zukunft nicht realistisch", sagt Mark Lawrence, wissenschaftlicher Direktor der IASS. In Deutschland seien derzeit keine Geoengineering-Techniken im Einsatz, die im Ansatz klimarelevant seien. Bisher gebe es nur Prototypen, die nicht einmal ein Bruchteil dessen ausmachen würden, was man bräuchte, um das Klima wirklich zu beeinflussen.

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