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23rd of January 2018

Kultur



Paris: Die Höhen und Tiefen einer französischen Pop-Ikone | SÜDKURIER Online

Schon als Teenager stand sie auf der Bühne, mit ihrem Ehemann Michel Berger feierte sie Erfolge. Zum Tod von France Gall

Sie war eine jener Persönlichkeiten, die Frankreichs Kultur und Show-Business über Jahrzehnte hinweg begleiteten und damit als Dauer-Ikonen irgendwie immer da waren. Das ist nun nicht mehr der Fall: Im Alter von 70 Jahren ist die Sängerin France Gall in Paris gestorben. Lange schon war es ruhig um sie geworden. Dass sie seit zwei Jahren an Krebs litt, wussten nur wenige.

War France Gall in Frankreich für Hits wie „Résiste“ oder „Il jouait du piano debout“ bekannt, so kam der internationale Durchbruch mit dem Pop-Schlager „Ella elle l’a“. Indem sie auch in anderen Sprachen sang, exportierte sie den kindlich-naiven französischen Charme, der neben einer grellen, aber wiedererkennbaren Stimme ihr Markenzeichen war. Das deutschsprachige Publikum betörte sie mit Chansons wie „Zwei Apfelsinen im Haar“ und „Der Computer Nr. 3“ und nahm auch an deutschen Schlager-Wettbewerben teil.

Zum Star formte sie zunächst ihr Vater Robert Gall, der bereits Chansons für Édith Piaf und Charles Aznavour verfasst hatte. Er stand hinter ihrer Entscheidung, mit 15 Jahren die Schule abzubrechen und unter dem Namen France Gall – ihr eigentlicher Vorname lautete Isabelle – erste Lieder aufzunehmen. Schnell kam der Erfolg mit der Single „Ne sois pas si bête“ („Sei doch nicht so dumm“) – das schäkernde Katz- und Maus-Spiel zwischen Jungen und Mädchen, Männern und Frauen war oft Thema ihrer frühen, noch sehr simplen und eingängigen Stücke.

Erst später begriff sie dabei, dass sich der Sänger und Liedschreiber Serge Gainsbourg einen Spaß aus ihrem unschuldigen Auftreten machte und Chansons für sie mit doppeldeutigen erotischen Anspielungen garnierte. Das galt etwa für den Hit „Poupée de cire, poupée de son“, mit dem France Gall 1965 für Luxemburg den „Grand Prix Eurovision“ gewann, wie auch für „Les Sucettes“, übersetzt „Die Lutscher“. Dass der Text nicht nur auf das Lutschen an süßen Bonbons bezogen werden konnte, führte zum Skandal – ganz nach dem Geschmack Gainsbourgs, nicht aber dem von France Gall. Sie schämte sich in Grund und Boden, wie sie später zugab.

In den 70er-Jahren flaute ihr Erfolg ab. Neuen Schwung bekamen ihre Karriere, aber auch ihr Privatleben durch die Begegnung mit Michel Berger. Er schnitt weiterhin eingängige Lieder auf ihre zarte, mädchenhafte Stimme zu, deren Texte nachdenklicher und ernsthafter wurden. Das Glück schien vollendet mit den Geburten von Tochter Pauline und Sohn Raphaël. Bis sie 1992 ein erster großer Schicksalsschlag traf: Mit nur 44 Jahren starb Michel Berger während einer Tennispartie an einem Herzversagen. Als fünf Jahre später auch ihre Tochter Pauline ihrer Mukoviszidose-Erkrankung erlag, zog sich France Gall zurück in ihr Haus im Senegal. 2000 trat sie nochmals gemeinsam mit Johnny Hallyday auf, einem anderen französischen Idol, der vor einem Monat gestorben ist. 2015 feierte France Gall ein Comeback mit dem Musical „Résiste“, einer Hommage an Michel Berger, der großen Liebe ihres Lebens.

.Die schönsten Hits von France Gall können Sie hier nachhören: www.sk.de/exklusiv

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