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22nd of January 2018

Kultur



Weingarten: Eine Ära ist zu Ende gegangen | SÜDKURIER Online

Die Weingartener Tage für Neue Musik sollen nach dem Tod ihrer Leiterin Rita Jans nicht mehr fortgeführt werden

Die Liste der Komponisten, die seit 1986 in Weingarten waren, um ihr Werk für ein Wochenende zur Diskussion zu stellen, liest sich wie ein Who is Who der Neuen Musik. Manche von ihnen sind bereits tot wie John Cage oder Karlheinz Stockhausen, der Erfinder des instrumentalen Theaters Mauricio Kagel oder der erst letztes Jahr verstorbene Klaus Huber. Aber auch Helmut Lachenmann war dort, die inzwischen betagten Herren Dieter Schnebel und György Kurtág oder die russische Altmeisterin Sofia Gubaidulina. Die nächste Generation war mit Größen wie Wolfgang Rihm oder Georg Friedrich Haas vertreten, und dann kamen auch die Frauen – darunter Isabel Mundry, Rebecca Saunders oder Carola Bauckholt.

All das war möglich geworden, weil Rita Jans, die Leiterin der Weingartener Tage für Neue Musik, viele der Komponistinnen und Komponisten selbst kannte und es so ermöglichte, sie an die PH Weingarten zu holen, wo sie, Jans, als Pianistin lehrte. Im Ruhestand führte sie diese Aufgabe ehrenamtlich weiter. Diese enge personelle Verknüpfung des Festivals mit Rita Jans ist auch der Grund dafür, warum der Förderkreis der Weingartener Tage für Neue Musik jetzt beschlossen hat, die Komponisten-Porträts nach dem Tod der künstlerischen Leiterin nicht mehr fortzuführen. Rita Jans ist im April letzten Jahres im Alter von 85 Jahren gestorben. „Wir haben niemanden gefunden, der diese charismatische, menschlich und künstlerisch beeindruckende Persönlichkeit ersetzen bzw. die Musiktage fortführen könnte. Man bedenke: viele Komponisten und Interpreten sind nur deswegen gekommen, weil Frau Jans deren Freundschaft, Hochachtung und Wertschätzung genoss“, teilt Daniel Schreiner vom Freundeskreis mit.

Für die Komponisten und Komponistinnen war auch das Konzept des Festivals attraktiv: Ein Wochenende lang Anfang November drehte sich alles um jeweils einen Künstler, der hier einen Querschnitt seines Ouevres präsentieren konnte. Außerdem arbeitete er mit ausgewählten Interpreten öffentlich an einzelnen Werken und stellte sich in Gesprächskonzerten den Fragen des Publikums. Das klappte, je nach Mitteilsamkeit der Künstler, mal mehr mal weniger gut, doch kein anderes Festival konnte einen so umfassenden Einblick in ein Gesamtwerk bieten.

2015 war noch einmal Wolfgang Rihm zu Gast. Dass es die letzte Ausgabe des Festivals werden würde, war so nicht geplant. 2016 hätte der italienische Komponist Marco Stroppa sein Werk vorstellen sollen, doch er konnte den Termin nicht einhalten – im selben Jahr mussten übrigens auch die Donaueschinger Musiktage eine Uraufführung von ihm absagen, weil er damit nicht fertig geworden war. In Weingarten beschloss man, das Wochenende vom November ins nächste Jahr hinein zu verschieben – was dann durch den Tod von Rita Jans obsolet wurde.

Auch wenn man den Weingartener Tagen für Neue Musik gelegentlich eine konzeptionelle Frischzellenkur gewünscht hätte, um sie auch für ein breiteres Publikum interessant zu machen, so reißt der Tod von Rita Jans und das damit verbundene Ende des Festivals doch ein großes Loch in das oberschwäbische Musikleben. Schade, dass es nicht weitergehen soll.

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