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14th of November 2018

Politik



CDU-Vorsitz: Eine Viertelstunde Dreiklang

CDU-Parteivorsitz - Gemeinsamer Auftritt von Spahn, Kramp-Karrenbauer und Merz Die drei Kandidaten auf den CDU-Parteivorsitz haben sich bei der Frauen-Union vorgestellt. Ohne Frauen sei keine Volkspartei zu machen, sagte Annegret Kramp-Karrenbauer.

Das Werben um die Gunst der CDU hat begonnen. Am Nachmittag stehen die drei, die so gern gemocht werden wollen, dass es am 7. Dezember für den Parteivorsitz und vielleicht eines Tages fürs Kanzleramt reicht, erstmals in der Berliner Parteizentrale nebeneinander: In der Mitte Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, zu ihrer Linken Gesundheitsminister Jens Spahn und rechts Friedrich Merz.

Die Frauen-Union (FU) hat die aussichtsreichsten Kandidaten eingeladen, vor dem Vorstand der mächtigen Parteigliederung zu sprechen: Jede Frau wird bei Parteieintritt automatisch Mitglied, etwa 155.000 sind das inzwischen. Eine Macht, gegen die man in der CDU kaum Politik machen kann.

Insofern ist es ein ungleicher Start in das Rennen um die Parteispitze. Die eigentlich abgenutzte Sportmetapher vom Heimspiel ist in diesem Fall unvermeidlich: Sowohl Merz als auch Spahn sind im Foyer des Konrad-Adenauer-Hauses Gäste. Kramp-Karrenbauer leitet das Haus seit Anfang des Jahres als Generalsekretärin. Und: Aus kaum einer anderen Parteigliederung kamen bisher so viele eindeutige Wahlempfehlungen wie aus der Frauen-Union. Und zwar für Kramp-Karrenbauer. 

"Ohne Frauen ist keine Volkspartei zu machen"

Das weiß sie und nutzt ihren Vorteil bei ihrem kurzen Statement: "Ohne Frauen ist kein Staat zu machen", zitiert sie die Ehrenvorsitzende der FU, Rita Süssmuth, und fügt hinzu: "Und ohne Frauen ist auch keine Volkspartei zu machen." Ansonsten, sagt sie, ohne konkret zu werden, Digitalisierung sei Frauensache, genauso wie Sicherheit. Um zum Schluss noch mal darauf zurückzukommen: "Ohne Frauen sind auch keine Wahlen zu gewinnen."

Für eine Partei, zu deren Markenkern vielleicht nicht unbedingt der Feminismus zählt, dafür umso mehr der Machterhalt, ist das ein gewichtiges Argument. Es ist an diesem Nachtmittag ihr USP, ihr unique selling proposition, wie das im Werbersprech heißt. Und nachdem ihr die zwei Männer vergangene Woche das Momentum geraubt hatten, wird sie sich über diesen kleinen Vorsprung gerade freuen. Das bestätigt übrigens auch eine aktuelle Umfrage, wonach sie vor Merz die populärste Kandidatin für das Amt wäre. So was gibt Selbstbewusstsein.

Nach AKK, wie die Generalsekretärin in der Partei genannt wird, ist Spahn dran. Ein besonderer Prozess sei dieser Dreikampf um die Parteispitze nach 18 Jahren unter Angela Merkel – "18 gute Jahre", wie er noch mal betont nachschiebt. "Wir spüren alle, dass es gilt, ein neues Kapitel aufzuschlagen."

Spahn steht wie kein anderer der drei für ein neues Kapitel, das vielleicht keine Rückabwicklung der Ära Merkel wäre, aber doch eine deutliche Korrektur. Seine Kandidatur untermauerte er mit einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – was natürlich ein überdeutliches Symbol ist an die Partei. Hat doch Merkel seinerzeit mit einem Gastbeitrag ebendort die Ära Kohl beendet. In seinem Artikel identifiziert Spahn vor allem die Flüchtlingsfrage als das Thema, das ihn zum Parteivorsitz tragen soll. Das ist sein USP.

Und jetzt? Vor der FU gibt er sich betont ausgleichend. Man habe in den letzten Jahren eine Dominanz des Spaltenden in den Debatten erlebt, sagt er. Den Frauen in der Partei hat er auch eine Botschaft mitgebracht: Als Bundesgesundheitsminister habe er neue Einblicke in das Thema gewonnen. Schließlich werde der Gesundheitsbereich von Frauen getragen, als Ärztinnen, Pflegerinnen und Physiotherapeutinnen.

Merz ist als Letzter dran. Lässig wippt er das Mikrofon in der einen Hand, die andere in der Hosentasche, immer ein leichtes Grinsen auf den Lippen. Gern wird Merz als Charismatiker beschrieben. 

Den Frauen hat er, anders als seine Mitbewerber, keine personalisierte Botschaft mitgebracht. Nur einen Hinweis darauf, dass er ja auch Kinder habe. Und dass es schon in Ordnung gehe, wenn die Politik der Wirtschaft "Vorgaben" mache – Frauenquote, das Wort benutzt er nicht. Er wolle der Politik aber den Spiegel vorhalten. Sie müsse beim Thema Frauen mit gutem Beispiel vorangehen.

Merz will nicht der Retrokandidat bleiben

Merz hat dafür eine andere Agenda. Er sei in den Siebzigern in die CDU eingetreten, als Union und SPD gemeinsam fast neun von zehn Stimmen bekamen. "Bei der letzten Bundestagswahl waren es nur noch vier von zehn". Er fordert: "Ich will, dass die CDU Volkspartei bleibt, die in der Lage ist, zur politischen Mitte hin zu integrieren", sagt er. Er wolle das "Ausfransen an den Rändern" stoppen, im besten Fall sogar rückgängig machen.

Das klingt schon alles sehr retro. Merz ist ein Kandidat, der in einer Zeit sozialisiert wurde, als Frauen eher Haushalte als Parteien führten. Deshalb schiebt er zum Schluss noch schnell nach: "Die Welt hat sich verändert. Und ich mich übrigens auch", sagt er noch. Merz’ USP: Sie kennen mich gerade gut genug, um mir zu vertrauen – aber eben noch so wenig, dass Sie weiterhin neugierig sein sollten.

Nach kaum 15 Minuten bei der FU stehen in den kommenden Tagen dann Termine in der Breite der Partei an – wo jeder der drei mal ein Heimspiel haben kann: bei einer Vorstellungsrunde im Mittelstand, der Kommunalpolitischen Vereinigung und ab Donnerstag mit der ersten Regionalkonferenz, auf der einfache Parteimitglieder mit den Kandidaten diskutieren dürfen.

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