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19th of October 2018

Politik



Dschamal Chaschukdschi: Türkische Zeitung veröffentlicht Namen verdächtiger Saudis

Die regierungsnahe türkische Zeitung Sabah hat die Namen von 15 Saudi-Arabern veröffentlicht, die am Verschwinden des prominenten Journalisten Dschamal Chaschukdschi in Istanbul beteiligt sein sollen. Die Männer seien am 2. Oktober auf dem Atatürk-Flughafen in Istanbul gelandet, berichtete die Zeitung. Sie druckte auch Fotos einiger der Männer bei der Passkontrolle ab. Die Saudi-Araber hätten in zwei Hotels übernachtet, die im gleichen Istanbuler Viertel liegen wie das saudi-arabische Konsulat. Die Männer seien zu vier unterschiedlichen Zeiten wieder abgereist.

Die Zeitung schrieb nichts dazu, wie sie an die Fotos und Daten kam. Der türkische Fernsehsender 24 TVübertrug Bilder, die die Saudi-Araber bei der Ankunft am Flughafen und beim Einchecken im Hotel zeigen sollen. Er zeigte auch Videomaterial eines großen Lieferwagens, der in der Residenz des Generalkonsuls eingetroffen sei, zwei Stunden nachdem Chaschukdschi das Konsulat betreten habe.

Laut 24 TV fuhr der Van anschließend zur nahe gelegenen Residenz des saudi-arabischen Konsuls. Nach Informationen von Sabah checkten die 15 Saudi-Araber in zwei Luxushotels in Istanbul ein, verbrachten dort aber nicht die Nacht, sondern kehrten noch am Abend über Dubai und Ägypten nach Saudi-Arabien zurück. Laut der Nachrichtenagentur DHA durchsuchte die türkische Polizei eine der beiden Maschinen vor dem Abflug. Die türkische Zeitung Hürriyet berichtete, neun der Saudi-Araber hätten Koffer in Istanbul gekauft, die sie aber laut Polizei beim Abflug nicht dabeihatten. Demnach analysiert die Polizei die Bilder von 150 Überwachungskameras, um die Bewegung der 15 Saudi-Araber zu rekonstruieren.

Chaschukdschi wird seit einer Woche vermisst. Der Saudi betrat das Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul vor mehr als einer Woche, um Papiere für seine Hochzeit abzuholen, kam aber nicht wieder heraus. Medien und Freunde des Vermissten berichteten daraufhin unter Berufung auf türkische Polizei- und Regierungskreise, dass er im Konsulat ermordet wurde. Saudi-Arabien weist die Vorwürfe zurück und beteuert, dass Chaschukdschi erst nach dem Verlassen des Konsulats verschwunden sei. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte die saudischen Behörden aufgefordert, das zu beweisen. Die Türkei erhofft sich nun von einer Durchsuchung des Konsulats neue Erkenntnisse.

Pläne für Verhaftung oder Mord

Die Washington Post berichtete über US-Geheimdiensterkenntnisse zu dem Fall, die ebenfalls die saudischen Behörden belasten. Demnach wurden in Riad schon vor dem Verschwinden des Journalisten Pläne geschmiedet, den 59-Jährigen gefangen zu nehmen und zu verhören – oder sogar zu töten. Das gehe aus Informationen des US-Geheimdienstes hervor, der die Kommunikation zwischen saudischen Regierungsvertretern ausgespäht habe, berichtete die US-Zeitung.

Die Zeitung berichtete, wie zuvor schon die türkische Nachrichtenagentur Anadolu, am Morgen des 2. Oktober sei ein 15-köpfiges Team aus der saudischen Hauptstadt Riad mit zwei Privatfliegern nach Istanbul gereist und anschließend zu dem Konsulat gefahren. Das Blatt beruft sich auf zwei mit den Ermittlungen vertraute Informanten. Am Ende des Tages sei die Männergruppe dann mit verschiedenen Maschinen abgereist, die auf Umwegen nach Riad zurückgeflogen seien, wie auch Flugaufzeichnungen bestätigten.

Was zwischen An- und Abreise der Saudis geschah, ist nicht klar. Allerdings liegen der Washington Post nach eigenen Angaben Aufnahmen einer Polizeiüberwachungskamera vor, auf denen ein Van mit getönten Scheiben zu sehen ist. Laut Vertretern der Sicherheitsbehörden hat er einige der Männer vom Konsulat zur knapp 500 Meter entfernten Residenz des saudischen Konsuls gebracht – und das etwa zwei Stunden, nachdem Chaschukdschi die Landesvertretung betreten hatte. Laut der Zeitung gehen die türkischen Ermittler davon aus, dass die Gesandten Riads in dem Konsulat auf Chaschukdschi warteten.

"Licht auf das Verschwinden von Dschamal"

Unterdessen hat seine Verlobte US-Präsident Donald Trump um Hilfe bei der Aufklärung des Falls gebeten. In einem Meinungsbeitrag für die Washington Post schrieb Hatice Cengiz, sie vertraue auf die türkischen Behörden bei den Ermittlungen, doch appelliere sie zugleich an "Präsident Trump und First Lady Melania Trump, Licht auf das Verschwinden von Dschamal zu werfen".

Chaschukdschi blickt auf eine jahrzehntelange Karriere in den saudi-arabischen Medien zurück, war jedoch im September 2017 aus Angst vor einer Festnahme in die USA ins Exil gegangen. Der 59-Jährige hatte sich kritisch gegenüber der Politik des mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman geäußert, der zwar weitreichende Reformen in dem erzkonservativen Königreich eingeleitet hat, doch zugleich mit harter Hand gegen Kritiker vorgeht.

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