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23rd of July 2018

Deutschland



Laura Lindemann beim Triathlon: „Wer im Tempo nur etwas nachlässt, verliert“ - WELT

Der Rathausmarkt vibrierte. Mit einem großartigen Schlussspurt sicherte sich Laura Lindemann vergangenes Jahr Platz drei. „Die Hamburger haben mich ins Ziel getragen“, sagte die 24-Jährige damals ebenso glücklich wie erschöpft. 750 Meter schwimmen, 20 Kilometer auf dem Rad und einen Fünf-Kilometer-Lauf hatte sie in den Beinen – absolviert in weniger als einer Stunde. Der Unterschied zum berühmten Ironman liegt auf der Hand: Taktieren ist nicht, Vollgas ist angesagt.

Wenige Tage vor dem Rennen der ITU World Triathlon Series am Sonnabend (Start der Frauen um 18.40 Uhr) gab Lindemann in einer Hamburger Laufgruppe Einblicke in ihr Athleten-Leben. Zehn Kilometer läuft sie in rund 33 Minuten, 35 Stunden Training pro Woche sind in der Vorbereitung normal. Der Lohn ihrer Trainingsdisziplin sind Erfolge: So wurde die gebürtige Berlinerin vor zwei Wochen bereits zum dritten Mal Deutsche Meisterin über die Sprintdistanz, 2017 triumphierte sie bei den Europameisterschaften in Düsseldorf und zuvor schnupperte sie Olympialuft bei den Spielen in Rio.

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Stichwort Olympische Spiele – natürlich ist dieses Sportfest auch für Laura Lindemann das Größte. 2020 will sie in Tokio über die olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 auf dem Rad und zehn km laufen) für positive Schlagzeilen sorgen. Doch morgen wird erstmal gnadenlos gesprintet. Wichtig: Die besten Männer und Frauen erhalten ihren genauen Startplatz abhängig von ihrer Weltranglistenposition. Lindemann wird aktuell auf Rang zehn geführt.

Gute Voraussetzungen, um sich auf den umkämpften ersten Metern eine günstige Position im Feld zu sichern. „Mein Ziel ist es, mit möglichst wenig Prügel durch die Alster zu kommen,“ sagt Lindemann. Alle wollen auf dem kürzesten Weg zur Wendemarke. Wer das Spektakel einmal live verfolgt hat, weiß wie rücksichtslos es zur Sache geht.

Gute Startposition für Lindemann

Die Tatsache, dass Lindemann ihre Startposition als Zehnte einnehmen darf, ist der Beweis für die überragende Besetzung des Rennens in der Hansestadt. Vor ihr sind die neun Besten gesetzt, darunter natürlich auch Flora Duffy, die Weltmeisterin von den Bermudas. Sie triumphierte vergangenes Jahr nicht nur in Hamburg, sondern bei fünf weiteren Rennen der WM-Serie. Auch die Bronze-Gewinnerin von Rio, die Britin Vicky Holland, ist dabei.

Training an der Alster: Laura Lindemann (2. v. l.) neben Nils Goerke und Mitglieder der Laufgruppe der BKK Mobil Oil Training an der Alster: Laura Lindemann (2. v. l.) neben Nils Goerke und Mitglieder der Laufgruppe der BKK Mobil Oil

Quelle: Patrick Kiefer

„Was mich an Laura am meisten fasziniert, ist ihr unbedingter Leistungswille“, sagt Nils Goerke, der die Laufgruppe der BKK Mobil Oil an der Alster als Trainer betreut. Der Elmshorner, der 2004 Vize-Europameister auf der Ironman-Distanz wurde, vergleicht die Sprinter mit Formel-1 Boliden. „Wer im Tempo nur etwas nachlässt, der verliert“, sagt er.

Langstrecken-Athleten wie Ironman wie Ironman Jan Frodeno oder Hawaii-Sieger Patrick Lange sieht er eher auf dem Niveau eines Turbo-Diesels. „Beim Sprint kämpfen sich die Besten mit einem Puls von 180 bis 200 durch die Stadt. Das ist ein Wahnsinn“, findet Goerke. Den Hamburger Hobby-Sportlern macht er deutlich: „Auch ihr könnt mehr erreichen, als ihr glaubt. Wer Leistung bringen will, muss zwischen den Ohren dafür bereit sein.“ Auf den Kopf, auf die Psyche – auf den Glauben an die eigenen Fähigkeiten kommt es an.

Was spielt sich vor dem Start im Kopf von Lindemann ab? Setzt sie sich besonders unter Druck, weil sie den dritten Platz aus dem Vorjahr gerne bestätigen möchte? „Mein bestes Saison-Resultat war Platz sechs, aber natürlich ist es mein Traum, hier wieder auf dem Siegertreppchen zu landen“, sagt sie. Rund 140.000 Zuschauer säumten 2017 die Strecke und sahen die fliegenden Zöpfchen der blonden Powerfrau. An den Sturz, der das Damenrennen damals überschattete, verschwendet sie keinen Gedanken. „Dieser Unfall war natürlich schlimm, aber wenn wir im Badeanzug auf dem Rad sitzen, ist ein Sturz eben leider unser Berufsrisiko“, findet sie.

Mit elektronischer Schaltung

Erstmals kommt im Rahmen der World Series übrigens ihr neues Rennrad zum Einsatz. Die Schaltung funktioniert elektronisch, per Knopfdruck ändert sich die Übersetzung. „Ich darf nicht vergessen, die Akkus zu laden“, sagt Lindemann. Ihre Akkus sind geladen und gerade auf dem Rad will sie morgen die maximale Energie freisetzen. „Meine Watt-Werte haben sich verbessert. Ich denke, dass ich auf dem Rad am ehesten Zeit reinholen kann.“

Zum Vergleich für alle Hobby-Triathleten: Lindemanns Gesamtzeit von 59 Minuten und 40 Sekunden setzte sich 2017 zusammen aus 9:28 Minuten beim Schwimmen, 32:43 Minuten für das Radfahren und 16:21 Minuten im abschließenden Lauf.

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