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18th of July 2018

Deutschland



Religionsunterricht: Katholische Religionslehrer bangen um Jobs - WELT

Die Entscheidung kam für die Katholiken in Hamburg zu einer Unzeit. Mitten in die Diskussion um die Schließung von bis zu acht katholischen Schulen platzte die Nachricht, dass an den staatlichen Schulen der letzte Rest von Katholizismus vor dem Aus steht. Die evangelische Nordkirche hat entschieden, dass sie für den Religionsunterricht, den sie in der Hansestadt verantwortet, künftig nur noch Lehrer einsetzen wird, die Mitglied in einer der evangelischen Kirchen sind und deren Lehrerlaubnis, die Vokation, haben. Weil das Erzbistum nicht selbst Lehrer für den Religionsunterricht benennt, bangen viele katholische Religionslehrer um ihre Jobs.

Die Sorge bei den Lehrerkollegen sei groß, sagt ein Betroffener, der nicht öffentlich genannt werden möchte. Ende 2017 hatte die Nordkirche den Schritt vorbereitet, im April dieses Jahres wurde der Beschluss dann öffentlich gefällt und Anfang Juni verkündet. Nun soll er Schritt für Schritt umgesetzt werden.

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In Hamburg ist anders als in anderen Bundesländern der Religionsunterricht nicht konfessionsgebunden. Unter der Überschrift „Religionsunterricht für alle“ arbeiteten hier bis vor einigen Jahren vor allem die beiden christlichen Kirchen eng zusammen. Es gibt aber auch Religionslehrer jüdischen und alevitischen Glaubens. Die Verantwortung für den Unterricht jedoch übernahm die evangelische Kirche, weil sie die stärkste Glaubensgemeinschaft in der Hansestadt ist.

Das zeigt sich auch an der Zahl der Lehrer, die das Fach unterrichten und selbst evangelisch sind. Von rund 1200 Religionslehrern waren bei der letzten offiziellen Abfrage der Zahlen durch die FDP-Fraktion mindestens 840 evangelisch. Etwa 70 Lehrer waren katholisch und 250 hatten keine Konfession angegeben. Zusätzlich zu den Religionslehrern, die das Fach auch studiert haben, gibt es 250 Lehrkräfte, die Religion fachfremd unterrichten. Ihre Konfessionen sind nicht erfasst. Von der Neuregelung der Nordkirche dürften also mehrere Hundert Lehrer betroffen sein.

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Die Nordkirche begründet ihren Schritt zur Einführung der Vokationspflicht damit, dass man die Regelungen in den drei Bundesländern, in denen man tätig ist, vereinheitlichen wolle. Zudem sei es bei keinem anderen Fach so wichtig, wie bei der Religion, dass der „gelernte und gelehrte Inhalt“ auch gelebt werde.

Deshalb wolle man die evangelischen Religionslehrer künftig näher an die Kirche binden. Dass man die Vokation speziell auch in Hamburg mit seiner Besonderheit des Religionsunterrichts für alle einführen werde, habe zudem noch einen weiteren Grund, erklärte ein Sprecher der Nordkirche auf Anfrage von WELT.

Hoffnung auf mehr Transparenz

Die Verabschiedung der Staatsverträge zwischen der Stadt und den muslimischen Verbänden, der jüdischen Gemeinde Hamburg sowie der alevitischen Gemeinde vor einigen Jahren, die auch einen gemeinsamen Religionsunterricht aller Religionsgemeinschaften vorsieht, mache es erforderlich, dass transparenter werde, wen die jeweilige Gemeinschaft mit der Erteilung von Religionsunterricht beauftragten. „Der Rückgriff auf das in ganz Deutschland übliche Instrument der religionsgemeinschaftlichen Beauftragung – in der Nordkirche ‚Vokation‘ – soll diese Transparenz herstellen.“

Doch genau das wird in der Praxis für die katholischen Religionslehrer zum Problem. Denn sie können die Vokation nicht erhalten. Bei einigen Lehrern ginge es um eine durchaus beachtliche Zahl an Stunden in der Woche, so der Betroffene, der auch von einer Wut berichtet, die viele der katholischen Religionslehrer mit in die Ferien genommen hätten.

Katholische Kirche vor Jahren ausgeschert

Denn obwohl die Nordkirche ihre Praxis ändert, ist vor allem das Erzbistum an der Situation der Lehrer schuld. Die katholische Kirche ist im Jahr 2013 aus dem „Religionsunterricht für alle“ ausgestiegen, beziehungsweise hatte sich damals dazu entschlossen, an dessen Weiterentwicklung nicht mitzuwirken, nachdem der Senat die Staatsverträge mit den muslimischen Verbänden getroffen hatte.

Die betroffenen katholischen Religionslehrer fühlten sich daher vom Erzbistum allein gelassen, heißt es. Dieses habe das deutliche Signal gesendet, die Vermittlung katholischer Traditionen an staatlichen Schulen sei nicht wichtig genug, um sich dafür weiter zu engagieren. Aus Sicht der Lehrer ein fataler Schritt, in den sich die Schließung der bis zu acht katholischen Schule einreihe.

Im Hintergrund laufen inzwischen Gespräche, wie man diesen Fehler beheben und für die spezielle Situation in der Hansestadt Lösungen finden kann. „Alle Beteiligten sehen die schwierige Situation für die Betroffenen und denken konstruktiv mit“, sagte der Sprecher der Nordkirche. Und dass man es begrüßen würde, „wenn katholische Lehrkräfte die notwendige Sicherheit hätten, dass gegebenenfalls auch eine Mitwirkung dieser Lehrerinnen und Lehrer am Religionsunterricht für alle von der katholischen Kirche toleriert werden würde.“

Sollten dabei keine Lösungen entstehen, würden etliche von ihnen nach einer Übergangsfrist, die im Jahr 2022 endet, Religion nicht mehr unterrichten dürfen.

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