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20th of October 2018

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US-Medienberichte Türkei hat angeblich Beweise für Ermordung Khashoggis

Im Fall Jamal Khashoggi liegen der türkischen Regierung offenbar brisante Ton- und Videoaufnahmen vor: Sie sollen laut "Washington Post" und "New York Times" belegen, dass der Journalist in der saudi-arabischen Botschaft in Istanbul ermordet wurde.

Saudi-arabisches Konsulat in Istanbul Getty Images

Saudi-arabisches Konsulat in Istanbul

Freitag, 12.10.2018   14:05 Uhr

Zwei Zeitungsberichte mit brisanten Schilderungen zum Fall des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi scheinen den Verdacht gegen die saudi-arabische Staatsführung zu erhärten. Laut der "Washington Post" und der "New York Times" existieren angeblich Ton- und Videoaufnahmen, die belegen sollen, dass Khashoggi vor eineinhalb Wochen im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ermordet wurde. Die "Washington Post", für die Khashoggi in der Vergangenheit selbst schrieb, beruft sich dabei auf Informationen türkischer und amerikanischer Offizieller. Die "New York Times" beruft sich auf zwei namentlich ebenfalls nicht genannte Quellen, die von türkischen Offiziellen über den Fall informiert worden seien.

Wie die "Washington Post" berichtet, scheut die türkische Seite eine Veröffentlichung der Aufnahmen, um nicht zu offenbaren, wie Einrichtungen ausländischer Staaten in der Türkei ausspioniert werden. Unklar sei deshalb auch, inwiefern amerikanische Stellen das angebliche Beweismaterial selbst einsehen durften. Die türkische Regierung habe US-Regierungsvertretern aber versichert, im Besitz kompromittierender Aufnahmen zu sein, die keinen Zweifel an der Mordthese lassen.

Der Zeitung zufolge ist auf den Tonaufnahmen zu hören, wie Khashoggi "verhört, gefoltert und dann getötet wird". Mehreren Offiziellen zufolge sei die Leiche des Journalisten anschließend zerstückelt worden, heißt es in dem Bericht. Zuvor hatte schon die "New York Times" unter Berufung auf türkische Sicherheitskreise berichtet, dass ein Team saudi-arabischer Agenten Khashoggi in dem Konsulat getötet und seine Körperteile danach mutmaßlich in Koffern aus dem Gebäude geschafft habe.

Sollte sich die Türkei tatsächlich Aufnahmen aus dem Inneren der Landesvertretung Saudi-Arabiens verschafft oder diese gar selbst heimlich angefertigt haben, würde der ohnehin bereits zur Staatsaffäre ausgewachsene Fall Khashoggi noch mal eine neue Dimension bekommen.

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Khashoggi hatte am 2. Oktober das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betreten, um Papiere für seine Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen. Seitdem wird der 59-Jährige vermisst. Saudi-Arabien weist den Vorwurf zurück, dass der Regimekritiker im Konsulat ermordet worden sei, und hat eine Aufklärung des Falls versprochen.

Die Türkei will dabei mit Saudi-Arabien zusammenarbeiten. Man werde den Fall "in all seinen Facetten" in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe beleuchten und aufklären, sagte der türkische Präsidentensprecher Ibrahim Kalin der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstagabend.

Gleichzeitig wies die Türkei Angaben von US-Präsident Donald Trump zurück, wonach US-Ermittler die türkischen Behörden unterstützen. "Die Information, dass die USA einen Ermittler ernannt haben, ist falsch", berichtete Anadolu unter Berufung auf diplomatische Kreise.

Trump hatte am Donnerstag dem Sender Fox News gesagt, dass die USA herausfinden wollten, was passiert sei. "Wir haben Ermittler dort drüben, die mit der Türkei arbeiten, und ehrlich gesagt arbeiten wir auch mit Saudi-Arabien." Khashoggi sei zwar kein amerikanischer Staatsbürger, "aber in diesem Fall spielt das keine Rolle".

US-Senatoren fordern Konsequenzen

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, sagte am Donnerstag, sie wolle vor dem Abschluss einer Untersuchung keine Schuldzuweisungen treffen. Die US-Regierung sei jedoch "extrem besorgt über die Situation", die größte Aufmerksamkeit auf der höchsten Ebene genieße. Der saudi-arabische Botschafter in den USA hält sich laut Nauert derzeit in Riad auf. "Wir haben ihm gesagt, dass wir bei seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten Informationen erwarten."

Mehrere republikanische und demokratische US-Senatoren forderten Trump auf zu prüfen, ob in dem Fall eine schwere Menschenrechtsverletzung vorliege und Sanktionen verhängt werden sollten. Hintergrund ist der sogenannte Magnitsky-Akt, der die US-Regierung in solchen Fällen zu Strafmaßnahmen wie Einreisesperren und dem Einfrieren von Vermögen ermächtigt. Die Senatoren forderten Trump auf, dem Auswärtigen Ausschuss in 120 Tagen zu berichten.

Khashoggi war vor mehr als einem Jahr aus Angst vor politischer Verfolgung ins US-Exil gegangen. Dort schrieb er unter anderem Artikel für die "Washington Post". Der Journalist begrüßte zwar grundsätzlich die Reformen des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, kritisierte aber dessen zunehmend autoritäre Herrschaft.

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Die "Washington Post" hatte bereits am Mittwoch berichtet, im Fall Khashoggi richte sich der Verdacht gegen den Kronprinzen: Mohammed bin Salman habe eine Operation angeordnet, um Khashoggi nach Saudi-Arabien zu locken und dort festnehmen zu lassen. US-Geheimdienstler hätten ein Gespräch von saudi-arabischen Vertretern abgefangen, in dem diese über einen solchen Plan gesprochen hätten. Die Zeitung berief sich in diesem Bericht auf Personen, die mit den Geheimdienstinformationen vertraut seien.

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