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20th of October 2018

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Frodeno-Trainer im Interview Wie schaffe ich es zum Ironman-Triathlon nach Hawaii?

Bei der WM auf Hawaii kann jeder dabei sein. Theoretisch. Toptrainer Dan Lorang erklärt, wie das klappen kann, warum man Profis nicht mit Amateuren vergleichen sollte - und dass ihn eine Regel ärgert.

Schwimmer beim Ironman Getty Images

Schwimmer beim Ironman

Freitag, 12.10.2018   07:31 Uhr Zur Person imago/ Eibner Dan Lorang, geboren in Luxemburg, arbeitet seit 2016 als Trainer beim Radsport-Team Bora-hansgrohe. Seit Dezember 2012 ist er zudem Coach des Triathlon-Stars Jan Frodeno. Auch Anne Haug wird von Lorang betreut. Der studierte Sportwissenschaftler war von 2012 bis 2016 Bundestrainer der Deutschen Triathlon Union.

SPIEGEL ONLINE: Herr Lorang, Jan Frodeno hat in einem Interview gesagt: Fünf Jahre Training - und auch der Amateursportler könne bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii dabei sein. Stimmt das?

Dan Lorang: Ein Breitensportler kann sich über Altersklassen für Hawaii qualifizieren. Aber natürlich muss er trotzdem gewisse Voraussetzungen mitbringen, denn auch in den Altersgruppen ist das Niveau sehr hoch. Lassen Sie es mich so formulieren: Die Ironman-Distanz (Anm. d. Red.: 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen) kann jeder schaffen, der gesund ist und Freude am Ausdauersport hat, der im Training verletzungsfrei bleibt. Aber ob die Leistung dann für Hawaii reicht? Da liegt jeder Fall anders.

SPIEGEL ONLINE: Ich nenne Ihnen meinen Fall. Ich bin meinen bisher schnellsten Marathon in 3:39 und schnellsten Halbmarathon in 1:32 Stunden gelaufen. Meine Schwimmtechnik ist grauenvoll, ein Rennrad besitze ich nicht. Wann wäre ich bereit für den Ironman?

Lorang: Wer wie Sie bereits in einer Sportart ein gutes Niveau erreicht hat, kann in drei bis fünf Jahren bereit sein. Vielleicht geht es bei Ihnen auch etwas schneller.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Lorang: Sie laufen bereits Langstrecken und haben den Körper auf große Anstrengungen vorbereitet. Ein guter Ausgangspunkt und Vorteil, beim Laufen ist der Anpassungsprozess am größten und dort treten auch die meisten Verletzungen auf. Man müsste abwarten, wie Sie im Schwimmen zurechtkommen. Hier entscheidet die Technik. Schnelleres Radfahren ist sicher am leichtesten zu trainieren. Dort besteht auch weniger die Gefahr einer Verletzung, die Gift für jede Wettkampfvorbereitung ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange müsste ich wöchentlich trainieren?

Lorang: Für einen vernünftigen Aufbau wäre es optimal, wenn Sie acht bis 15 Stunden Training pro Woche in Ihren Alltag einbauen können. Die entscheidende Frage ist aber: Wie viel Zeit steht Ihnen zur Verfügung? Der beste Trainingsplan funktioniert nur, wenn er auch mit Ihrem Alltag und Ihrer Familie vereinbar ist. Wenn Sie aber dauerhaft an Ihre Grenzen mit Arbeit und Familie stoßen, lässt die Leistung nach, Sie werden schlapp und krank. Dann müssen Sie sich fragen, warum sie das eigentlich machen.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Lorang: Bei der Ironman-WM auf Hawaii starten Profis und Breitensportler zusammen in einem Feld. Der Unterschied zwischen diesen Gruppen bleibt aber enorm. Die Profis trainieren deutlich länger, sie sind besser ausgerüstet, haben Sponsorenverträge und Spezialisten um sich herum. Der Sport ist der Beruf, die Familie unterstützt das. Amateure dürfen natürlich auch ehrgeizig sein, aber der darf nicht zur Verbissenheit führen.

SPIEGEL ONLINE: Jan Frodeno, der in diesem Jahr auf Hawaii verletzt fehlen wird, kämpfte sich im vergangenen Jahr mit Schmerzen ins Ziel. Tim Don brach sich bei einem Trainingsunfall vor einem Jahr das Genick und wird nun bei der WM sein Comeback feiern. Die Profis sind auch verbissen.

Lorang: Und auch hier muss man differenzieren. Selbst wenn es bei einem Rennen oder im Training ohne größere Widerstände normal läuft - der Ironman ist sicher kein Gesundheitssport. Im Profibereich gehen die Athleten aber Kompromisse ein. Sie sind Berufssportler und verdienen mit dem Sport ihr Geld. Jan Frodeno ist so erfahren, der weiß, ob er weitermachen kann - oder eben nicht. Beim Breitensportler würde ich als Trainer schon eher einschreiten und sagen, du riskierst gerade deine Gesundheit, das macht keinen Sinn, steig aus dem Rennen aus.

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SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle spielen Sie eigentlich bei einem Ironman-Rennen?

Lorang: Ich bereite den Athleten körperlich vor und bespreche mit ihm die Rennstrategie. Welches Tempo sollte er laufen, welche Wattzahl wäre sinnvoll, wie geht er mit Attacken der Gegner um, solche Dinge. Der Sportler sollte auf alle Eventualitäten reagieren können.

SPIEGEL ONLINE: Und im Wettkampf?

Lorang: Dort habe ich keinen entscheidenden Einfluss mehr. Im Rennen muss der Athlet überwiegend selbst entscheiden. Na klar, ich achte auf seine Körpersprache und rufe ihm vielleicht ein paar motivierende Worte zu. Viel mehr kann ich nicht machen. Das Coaching ist während des Ironmans auch verboten. Verstoße ich dagegen, droht dem Athleten sogar die Disqualifikation. Da riskieren wir nichts.

SPIEGEL ONLINE: Wie bewerten Sie dieses Coaching-Verbot?

Lorang: Ich kenne die Argumente der Befürworter nicht im Detail, es gibt sicher Gründe für diese Regel. Aber als Trainer will ich natürlich nah dran sein, deswegen finde ich das Verbot blöd. Sicher, die Hauptarbeit im Rennen und beim Training kommt vom Athleten, aber wir arbeiten als Team - Cheftrainer, Physiotherapeut, Technikcoach - teilweise Jahre gemeinsam an einem Ziel. Und am Ende bekommt der Coach beim Rennen kaum Zugang.

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SPIEGEL ONLINE: Wird es in diesem Jahr den fünften deutschen Sieg auf Hawaii in Folge geben?

Lorang: Das ist im Vorfeld ganz schwer zu sagen. Die Bedingungen - Wind, Temperaturen - sind jedes Jahr anders. Fest steht: Die deutschen Athleten waren zuletzt sehr stark. Auch, weil durch vergangene deutsche Sieger wie etwa Faris Al-Sultan (Anm. d. Red.: Trainer des Hawaii-Titelverteidigers Patrick Lange) sehr viel Wissen vorhanden ist. Auch die Triathlon-Begeisterung ist in Deutschland stetig gewachsen. Was ich mir gut vorstellen kann, ist ein neuer Streckenrekord bei den Frauen. Die Saison von Daniela Ryf war verdammt stark.

Im Video: Hawaii aus der Luft

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