Add to favourites
News Local and Global in your language
13th of November 2018

Welt



Spionage Österreichischer Offizier kassierte 300.000 Euro von Russland

Ein Oberst des österreichischen Heeres war offenbar jahrelang russischer Spion - er soll Informationen über Waffensysteme geliefert haben. Außenministerin Kneissl sagte eine Reise nach Moskau ab.

Sebastian Kurz (links) und Mario Kunasek

Sebastian Kurz (links) und Mario Kunasek

Freitag, 09.11.2018   15:04 Uhr

Zu ungewöhnlicher Zeit, um 6 Uhr, berief Österreichs Regierungschef Sebastian Kurz eine Pressekonferenz im Kanzleramt ein: Etwas später am Freitagmorgen trat er gemeinsam mit Verteidigungsminister Mario Kunasek vor die Journalisten und erklärte, es gebe den Verdacht, dass ein pensionierter Oberst des österreichischen Bundesheeres mit einem russischen Geheimdienst zusammengearbeitet und diesen viele Jahre lang unterstützt habe. "Dieses Vorgehen könnte in den Neunzigerjahren begonnen haben und hat bis ins Jahr 2018 angedauert", sagte Kurz.

Die österreichische Regierung sei bereits vor einigen Wochen "durch einen befreundeten Dienst" auf den Fall aufmerksam gemacht worden, teilte Kunasek mit. Die Behörden hätten daraufhin die Ermittlungen aufgenommen, der Verdacht gegen den 70-jährigen Offizier im Ruhestand aus Salzburg hätten sich erhärtet.

"Wir gehen davon aus, dass die Vorwürfe stimmen", heißt es aus dem Bundeskanzleramt in Wien. Jetzt müsse man aber die weiteren Ermittlungen und schließlich ein juristisches Urteil abwarten. Es handele sich um einen "außergewöhnlichen Fall". Der Mann sei wegen Unterstützung eines militärischen Nachrichtendienstes eines fremden Staates angezeigt worden. Demnach erhielt er für seine etwa 20 Jahre andauernde Spionagetätigkeit mehr als 300.000 Euro. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm bis zu zwei Jahre Haft.

"Extrem unauffällige Tätigkeit", ein Kontaktmann namens "Juri"

Kurz und Kunasek gaben nur wenige Informationen über die konkreten Vorwürfe preis. So hätten Vernehmungen des Beschuldigten ergeben, dass die Russen Interesse an Informationen über Waffensysteme gehabt hätten. Sie hätten sich auch für die "Migrationslage in Österreich" interessiert, sagte Kunasek, außerdem hätten sie Persönlichkeitsprofile bei ihm bestellt - angeblich von hochrangigen Offizieren, wie die "Kronen Zeitung" berichtet.

Es lasse sich auch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht feststellen, ob es sich um einen Einzelfall handele oder ob mehrere Offiziere systematisch für Russland spioniert hätten, sagte Kunasek weiter. Derzeit würden die Computer des Beschuldigten ausgewertet.

Die "Kronen Zeitung" berichtet, der Mann habe eine "extrem unauffällige Tätigkeit in einer Leitstelle des Heeres" gehabt und seine Informationen alle zwei Wochen an seinen russischen Kontaktmann mit Namen "Juri" weitergegeben. Die Spionageaufträge habe er über einen Weltempfänger erhalten, die Erkenntnisse habe er in einer Geheimschrift oder per Satellitenkommunikation weitergegeben. Dem Bericht zufolge sollte der Offizier möglichst viele vertrauliche Fakten über Österreichs Luftwaffe, die Artilleriesysteme sowie über Lagebriefings übermitteln.

Kneissl sagt Moskau-Reise ab und bestellt russischen Botschafter ein

Der Fall belastet die ansonsten freundschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Russland. "Spionage ist inakzeptabel, und russische Spionage in Europa ist auch inakzeptabel", sagte Kurz. Sollte sich der Verdacht bestätigen, werde dies "das Verhältnis zwischen Russland und der Europäischen Union nicht verbessern".

Außenministerin Karin Kneissl sagte eine für Dezember geplante Reise nach Moskau ab. Sie bestellte den Geschäftsträger der russischen Botschaft in Wien ein. Russische Medien berichteten, Moskau habe wegen der Ermittlungen auch den österreichischen Botschafter ins Außenministerium einbestellt.

Österreich ist in Europa immer wieder in die Kritik geraten, sich zu stark Russland zuzuwenden. Viele österreichische Unternehmen sind in Russland engagiert, die Regierung in Wien tritt daher auf die Bremse, wenn es um Wirtschaftssanktionen gegen Russland wegen der Besetzung der Krim geht. Vor allem die rechtspopulistische Regierungspartei FPÖ hält seit Jahren gute Kontakte nach Moskau und sympathisiert mit Wladimir Putin.

Für Aufregung sorgte auch, dass Putin an der Hochzeitsfeier von Außenministerin Kneissl im Sommer dieses Jahres teilnahm. Ein Tanz der beiden, bei dem Kneissl einen Knicks macht und von dem später ein Video kursierte, wurde als "Distanzlosigkeit" und "Unterwerfungsakt" kritisiert. Kneissl wies das zurück und erklärte, der Knicks sei lediglich die Antwort auf eine Verbeugung Putins gewesen.

Read More




Leave A Comment

More News

tagesspiegel.de: Welt

SPIEGEL ONLINE -

SAZ-Aktuell

Deutsche Welle: DW-.WORLD.DE

derStandard.at ›

Disclaimer and Notice:WorldProNews.com is not the owner of these news or any information published on this site.